Valneva Aktie: Lyme-Impfstoff vor Regulierungsmarathon

Die EMA prüft Valnevas Borreliose-Impfstoff, während die Aktie trotz Kursplus unter dem 200-Tage-Schnitt bleibt. Operative Verluste belasten weiterhin.

Die Kernpunkte:
  • EMA prüft Borreliose-Impfstoff
  • Aktie steigt 35 Prozent
  • Nettoverlust im ersten Halbjahr
  • Pfizer-Partnerschaft als Hoffnungsträger

Valneva steht an einem Scheideweg. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat Mitte August 2026 den Zulassungsantrag für den Lyme-Borreliose-Impfstoff PF-07307405 formal angenommen. Damit startet die wissenschaftliche Prüfung für den weltweit einzigen Impfstoffkandidaten gegen Borreliose, der sich in der Spätphase der Entwicklung befindet.

Die Aktie hat darauf mit einem Kurssprung reagiert: Binnen 30 Tagen legte sie um 35 Prozent zu. Trotzdem notiert das Papier bei aktuell 2,88 Euro noch immer 11 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt von 3,23 Euro. Der Markt tut sich schwer, den operativen Verlust von 49,9 Millionen Euro aus dem ersten Halbjahr 2026 gegen das langfristige Lizenzpotenzial der Pfizer-Partnerschaft aufzuwiegen.

Die entscheidende Frage

Reicht die Kasse von Valneva, um die Zeit bis zu den ersten Lizenzeinnahmen zu überbrücken? Das Unternehmen verfügt aktuell über 121,5 Millionen Euro liquide Mittel. Die EMA-Prüfung dürfte etwa zwölf Monate dauern. Erst danach könnte das margenstarke Lizenzmodell das teure Forschungsgeschäft ablösen.

Bullisches Szenario: Der Wechsel zum Lizenzgeschäft

Die Argumente für einen Kursanstieg stützen sich auf handfeste klinische Daten. In der entscheidenden Phase-3-Studie VALOR zeigte der Impfstoffkandidat VLA15 eine Wirksamkeit von 73,2 Prozent bei der Verhinderung bestätigter Borreliose-Fälle. Getestet wurde an Teilnehmern ab fünf Jahren.

Die Vereinbarung mit Pfizer ist für Valneva finanziell attraktiv. Pfizer trägt sämtliche Kosten für Produktion und Vermarktung. Valneva erhält im Gegenzug gestaffelte Lizenzgebühren zwischen 14 und 22 Prozent des Umsatzes.

Genau auf diesen Wechsel setzen Anleger derzeit. Die Aktie liegt inzwischen rund 23 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Der RSI von 67,2 signalisiert weiterhin Kaufdruck und nähert sich der Marke von 70 – einem Niveau, ab dem Titel häufig in eine neue Bewertungsrunde übergehen, sofern die regulatorischen Meilensteine im Zeitplan bleiben.

Bärisches Szenario: Reibung im Kerngeschäft

Der klinische Fortschritt kann die Probleme im bestehenden Produktportfolio nicht überdecken. Seit Jahresbeginn hat die Aktie 23 Prozent verloren, auf Zwölfmonatssicht sogar 42 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 5,34 Euro trennen das Papier mittlerweile 46 Prozent.

Die Halbjahreszahlen offenbarten einen ausgeweiteten Nettoverlust von 63,3 Millionen Euro. Ein Treiber: die schleppende Nachfrage nach dem Chikungunya-Impfstoff IXCHIQ. Dessen Umsatz brach von 7,5 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf nur noch 4,4 Millionen Euro ein.

Hinzu kommen Abschreibungen auf Lagerbestände und Stornogebühren für abgesagte Produktionsaufträge bei IXCHIQ. Der Weg zur finanziellen Eigenständigkeit bleibt damit anfällig für operative Rückschläge. Bei einer annualisierten Volatilität von 88 Prozent reagiert die Aktie zudem empfindlich auf jede Abweichung von den aktuell optimistischen Erwartungen – ob aus Brüssel oder von der US-Behörde FDA.

Ausblick: Die Regulierungsuhr tickt

Der Kursverlauf dürfte in den kommenden Monaten stark von technischer Konsolidierung und regulatorischem Timing geprägt sein. Hält Valneva an seiner bestätigten Umsatzprognose von 145 bis 160 Millionen Euro für 2026 fest und setzt das laufende Sparprogramm konsequent um, könnte die Aktie den Rückweg zum 200-Tage-Durchschnitt bei 3,23 Euro antreten. Ein nachhaltiger Ausbruch über diese Marke würde eine Neubewertung einleiten – weg vom spekulativen Forschungstitel, hin zum kommerziell reifen Unternehmen.

Scheitert die Aktie hingegen an der aktuellen Unterstützung und rutscht zurück Richtung Jahrestief bei 2,03 Euro, wäre das ein Warnsignal. Es würde bedeuten: Investoren verlangen handfestere Beweise für eine Erholung bei IXCHIQ oder einen konkreten Zulassungstermin für den Lyme-Impfstoff in den USA.

Die nächsten zwölf Monate dürften den Ausschlag geben. In dieser Zeit muss die EMA ihre wissenschaftliche Bewertung abschließen, während Pfizer parallel den Zulassungsantrag für die US-Behörde FDA vorbereitet.

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