VanEck Semiconductor ETF: 15 Prozent Erholung
Milliardenprognosen von Morgan Stanley und Bank of America treiben den VanEck Semiconductor ETF an. Der Fonds erholt sich nach turbulentem Juli und profitiert von breiter Streuung.

- Wall-Street-Banken prognostizieren hohe KI-Investitionen
- VanEck-Fonds erholt sich nach Juli-Verlusten
- Nvidia-Deckelung sorgt für breitere Streuung
- Analysten sehen Kurspotenzial bei neun Chip-Aktien
Sieben Prozent Verlust im Juli, dann 15 Prozent Erholung in nur sieben Handelstagen. Der VanEck Semiconductor UCITS ETF zeigt gerade, wie nervös der Markt bei Halbleiter-Werten aktuell tickt. Am Mittwoch notiert das Papier bei 94,06 Euro, ein Minus von 0,80 Prozent gegenüber dem Dienstagsschluss von 94,82 Euro. Der Rücksetzer wirkt nach der jüngsten Rally fast schon nebensächlich.
Neue Prognosen befeuern die Kauflaune
Der Auslöser für die Erholung kommt von den größten Investmentbanken der Wall Street. Morgan Stanley rechnet für 2026 mit rund 800 Milliarden Dollar an KI-Investitionen der großen Cloud-Konzerne. Für 2027 erwarten die Analysten sogar 1,2 Billionen Dollar.
Bank of America geht noch weiter. Das Institut sieht die KI-Investitionen der Hyperscaler bei über 1,2 Billionen Dollar. Chip-ETFs wie SMH, SOXX und DRAM stünden davon direkt profitieren.
Die Analysten formulieren die Kernfrage inzwischen anders. Es geht nicht mehr darum, ob die KI-Ausgaben nachlassen. Es geht darum, welche Fonds am stärksten davon profitieren. Bank of America hat neun Halbleiter-Aktien mit Kaufempfehlung identifiziert, jede mit mindestens 30 Prozent Kurspotenzial. Die Auswahl deckt Computing, Speicher, Netzwerktechnik und Fertigungsausrüstung ab, nicht nur Nvidia. Genau diese Streuung spiegelt die Struktur des VanEck-Fonds wider, der bewusst auf mehrere Chip-Segmente statt auf einen einzelnen Mega-Cap setzt.
Eine turbulente Vorgeschichte
Die aktuelle Erholung folgt auf einen heftigen Ausverkauf. Ende Juli verloren die wertvollsten Chip-Aktien der Welt innerhalb einer einzigen Woche mehr als eine Billion Dollar an Marktkapitalisierung. Nvidia führte den Absturz an, mit einem Einbruch von 238 Milliarden Dollar. Speicherchip-Hersteller traf es besonders hart: SK Hynix, Samsung Electronics, Micron, AMD und TSMC verloren allesamt mehr als 100 Milliarden Dollar an Wert.
Beobachter führen die Schwankungen vor allem auf Stimmung zurück, weniger auf fundamentale Probleme. Michael Field, Chefstratege für Aktien bei Morningstar, beschreibt den Einbruch als reinen Vertrauensverlust. Ein Großteil des Werts bei KI-Aktien basiere auf Cashflows, die weit in der Zukunft liegen. Das erfordere viel Vertrauen der Anleger, so Field.
Nicht alle sehen das negativ. Der Vermögensverwalter Aberdeen bewertet den Ausverkauf als Chance statt als Warnsignal. Die Bewertungen seien durch den Rücksetzer wieder attraktiver geworden, argumentiert das Haus.
Die Nvidia-Deckelung zahlt sich aus
Die Fondsstruktur selbst rückt gerade in den Fokus. VanEck deckelt die Nvidia-Position im Fonds bei zehn Prozent und gleicht sie quartalsweise neu aus. Das hat sich ausgezahlt: Als Nvidia in der ersten Jahreshälfte deutlich schwächer lief als der Rest des Sektors, verteilte sich das Gewicht der Top-Positionen gleichmäßiger, als es ein reiner Marktkapitalisierungs-Ansatz erlaubt hätte.
Besonders die Hersteller von Fertigungsausrüstung stechen 2026 hervor. Sie übertreffen den breiteren Sektor deutlich, getrieben von zwei prägenden Merkmalen des aktuellen Marktzyklus.
Im Wettbewerbsvergleich positioniert sich der VanEck-Fonds neben Alternativen wie dem iShares Semiconductor ETF, der ebenfalls breit über Chipdesigner und Ausrüstungshersteller streut. Der SPDR S&P Semiconductor ETF verfolgt dagegen eine gleichgewichtete Methodik, die Mid-Cap-Halbleiterwerten mehr Raum gibt.
Wo der Fonds gerade steht
Der aktuelle Kurs liegt gut 15 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 111,18 Euro, das der Fonds am 30. Juni erreichte. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 97,88 Euro fehlen knapp vier Prozent — ein Hinweis darauf, dass der Markt die jüngste Erholung noch nicht vollständig bestätigt hat.
Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob die milliardenschweren Investitionspläne der Hyperscaler tatsächlich die aktuellen Bewertungen im Sektor rechtfertigen. Die Investitionsprognosen von Morgan Stanley und Bank of America liefern dafür zumindest ein starkes Argument.
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