VanEck Semiconductor ETF: 23. Juli Intel-Zahlen

Chinesisches KI-Modell Moonshot lässt Chip-Aktien einbrechen. Analysten sehen teils Kaufchance, teils Warnsignal vor Intels Quartalszahlen.

Die Kernpunkte:
  • VanEck-ETF verliert 8,8 Prozent in sieben Tagen
  • Moonshot-KI stellt Bedarf an Rechenleistung infrage
  • Europäische Chipwerte wie Infineon geben nach
  • Intel-Zahlen am 23. Juli als nächster Richtungstest

Ein chinesisches KI-Modell reicht aus, um Milliarden an Börsenwert zu vernichten. Der VanEck Semiconductor UCITS ETF schloss am Freitag bei 92,15 Euro, ein Minus von 1,01 Prozent zum Vortag. Innerhalb von sieben Handelstagen summierte sich der Verlust auf 8,83 Prozent.

Auslöser ist ein neues KI-Modell des chinesischen Start-ups Moonshot. Das Unternehmen behauptet, seine Software arbeite auf Augenhöhe mit den Spitzensystemen von OpenAI und Anthropic. Für Anleger in Chip-Werte ist das eine unangenehme Nachricht.

Warum ein KI-Modell die Chip-Branche erschüttert

Die gesamte Rally rund um Halbleiter-Aktien basiert auf einer einfachen These: Mehr Rechenleistung bedeutet bessere KI, und bessere KI braucht mehr Chips. Moonshot stellt genau diese Annahme infrage.

Wenn günstigere, offene KI-Modelle ähnliche Ergebnisse liefern wie die teuren US-Systeme, sinkt der Bedarf an immer mehr Rechenkapazität. Genau diese Sorge trieb den US-Leitindex Nasdaq am Freitag um 1,4 Prozent nach unten, auf Wochensicht verlor er 2,9 Prozent. Der VanEck-ETF selbst fiel an der US-Börse zeitweise um mehr als 4 Prozent und verzeichnete damit den dritten Wochenverlust innerhalb von vier Wochen.

Die Verkaufswelle blieb nicht auf die USA beschränkt. In Europa gaben die niederländischen Ausrüster ASML und ASMI am Freitagvormittag um 3,8 beziehungsweise 4,6 Prozent nach. STMicroelectronics verlor 5 Prozent, Infineon 4,2 Prozent und BE Semiconductor 3,7 Prozent. Diese Werte zählen zu den europäischen Ausrüstungsfirmen im zugrunde liegenden MVIS-Index — der Ausverkauf aus den USA schlug damit direkt auf die Freitagsperformance des ETFs durch.

Analysten uneins: Kaufchance oder Warnsignal

Nicht jeder an der Wall Street sieht schwarz. JPMorgan-Analysten raten dazu, den Rücksetzer als Kaufgelegenheit zu nutzen. Die langfristigen Wachstumsaussichten für den Sektor blieben intakt, so die Begründung.

Andere Strategen bezeichnen den Einbruch als „Mid-Cycle-Reset“ — eine normale Verschnaufpause mitten im Zyklus, nicht das Ende der Rally. Sie halten an ihren Zwölf-Monats-Kurszielen für Chiphersteller wie Nvidia und Micron fest und verweisen auf starkes Gewinnwachstum bei attraktiven Bewertungen. Laut FactSet soll der Gewinn der Halbleiterbranche im zweiten Quartal 2026 um 131 Prozent zulegen. UBS und Barclays bleiben trotz des Kurseinbruchs ebenfalls bullish für den Sektor gestimmt.

Intel-Zahlen als nächster Test

Die kommende Woche dürfte richtungsweisend werden. Am 23. Juli meldet Intel seine Quartalszahlen. Der Markt wird genau beobachten, ob der Chipriese die inzwischen hohen Erwartungen übertrifft.

Nach den zuletzt vorgelegten Ergebnissen von TSMC könnte Intels Bericht den Ton für die gesamte Branche vorgeben. Hinzu kommt geopolitische Unsicherheit: Die erneute Eskalation zwischen den USA und dem Iran hat die Risikoaversion an den Märkten verstärkt und dürfte auch in der neuen Handelswoche für zusätzliche Nervosität sorgen.

Konzentrationsrisiko im Portfolio

Der ETF bündelt seine Position in den größten Chipdesignern, Foundries und Ausrüstungsherstellern der US-Börsen. Diese Konzentration wirkt in beide Richtungen: Sieben Namen stellen mehr als 60 Prozent des Portfolios. Strauchelt eine dieser Aktien, spürt der gesamte Fonds die Wirkung deutlich.

Mit einem Abstand von 17,12 Prozent zum 52-Wochen-Hoch von 111,18 Euro Ende Juni notiert der ETF klar unter seinen jüngsten Bestmarken. Der RSI von 41,9 signalisiert dabei keine überverkaufte Lage, sondern eher eine Konsolidierung nach der starken Rally der vergangenen Monate. Ob sich diese Konsolidierung stabilisiert oder vertieft, dürfte sich an zwei Faktoren entscheiden: den Intel-Zahlen vom 23. Juli und der Frage, ob aus China weitere KI-Modelle mit ähnlichem Störpotenzial folgen.

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