VanEck Semiconductor ETF: 30. Juni Rekordhoch
Trotz deutlicher Verluste sehen UBS und Barclays im Chip-Ausverkauf keine Panik, sondern eine Portfolio-Bereinigung. Der VanEck Semiconductor ETF notiert 17 Prozent unter seinem Rekordhoch.

- VanEck ETF fällt 17 Prozent unter Rekordhoch
- UBS und Barclays sehen keine Panikverkäufe
- Asiatische Chip-Werte stärker unter Druck
- Fokus auf Quartalszahlen der Tech-Riesen
Der VanEck Semiconductor UCITS ETF schließt am Freitag bei 92,15 Euro, ein Minus von 1,01 Prozent. Der Fonds liegt damit 17,12 Prozent unter seinem Rekordhoch von 111,18 Euro vom 30. Juni. Trotzdem bleiben UBS und Barclays bei ihrer positiven Einschätzung für die Chipbranche.
Beide Banken sehen im aktuellen Rückgang keine Panik, sondern reine Portfolio-Bereinigung. Das ist eine wichtige Unterscheidung: Verkäufe aus Umschichtung sind ein anderes Signal als eine echte Investorenflucht.
Warum die Banken optimistisch bleiben
UBS rechnet für Unternehmen aus dem Philadelphia Semiconductor Index in diesem Jahr mit einem operativen Gewinnsprung von 92 Prozent. Im kommenden Jahr soll ein weiteres Plus von 40 Prozent folgen. Ulrike Hoffmann-Burchardi, globale Aktienchefin bei UBS, verweist auf die Nachfrage nach Rechenleistung für Künstliche Intelligenz. Diese übersteige das Angebot weiterhin deutlich, Engpässe in der Lieferkette dürften so schnell nicht verschwinden.
Barclays sieht ebenfalls keine Anzeichen von Panikverkäufen. Ein Analyst der Bank beschreibt die aktuellen Verkäufe als „eher passiv und nicht aggressiv, eher ein Trimmen von Positionen“. Beide Häuser verweisen zudem darauf, dass die wichtigsten Chip-Titel noch Luft nach oben hätten. Ein Argument dafür: Die meisten Produkte für dieses Jahr sind bereits ausverkauft.
Asiatische Chip-Werte unter Druck
Während die Analysten in New York gelassen bleiben, gerät der asiatische Sektor stärker unter Druck. Der Kospi-Index verliert am 20. Juli über 4 Prozent und fällt auf 6.525 Punkte. Zum Vergleich: Das Jahreshoch lag bei 9.387 Punkten. Sorgen um den Technologiesektor treffen hier auf den anhaltenden Konflikt zwischen den USA und dem Iran.
Samsung Electronics hat seit seinem Jahreshoch bereits 34 Prozent verloren, SK Hynix sogar 40 Prozent. In Japan befindet sich Kioxia im freien Fall, der Kurssturz hat dort bereits Milliardenwerte vernichtet.
Der Fonds in der Zange
Auch der VanEck Semiconductor ETF bleibt von der Turbulenz nicht verschont. Über die vergangene Woche verliert er rund 5 Prozent, über 30 Tage sogar mehr als 14 Prozent. Das ist bereits der dritte Wochenverlust innerhalb eines Monats.
Ein Teil des Drucks kommt von enttäuschenden Reaktionen auf eigentlich solide Zahlen. Taiwan Semiconductor, der größte Chiphersteller der Welt und eine zentrale Position im Fonds, meldet einen Gewinnsprung von 77 Prozent im Jahresvergleich. Die in den USA gelisteten Aktien fallen trotzdem vorbörslich um 3 Prozent — der Konzern hatte gleichzeitig seine Investitionsausgaben für das Gesamtjahr angehoben. Händler scheinen die Nachhaltigkeit der massiven Kapitalausgaben in der Branche zu hinterfragen, obwohl die operativen Zahlen stark bleiben.
Blick auf die Tech-Riesen
Die Aufmerksamkeit richtet sich nun auf die anstehenden Quartalszahlen der großen Cloud- und KI-Anbieter. Sie liefern wichtige Hinweise darauf, wie stark die Investitionen in Rechenzentren und KI-Infrastruktur weitergehen. Bleiben die Ausgaben hoch, dürfte das als bullisches Signal für Chiphersteller gelten.
Der Fonds notiert derzeit unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 97,27 Euro, aber deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt von 68,06 Euro. Mit einem RSI von 41,9 bewegt sich der Titel in neutralem Terrain, weder überkauft noch überverkauft. Seit Jahresbeginn steht trotz des jüngsten Einbruchs noch immer ein Plus von knapp 73 Prozent zu Buche — die Bewertungsfrage bleibt vorerst zwischen den optimistischen Analystenprognosen und der Verunsicherung um die KI-Infrastrukturausgaben ungeklärt.
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