VanEck Semiconductor ETF: 3,52 Mrd. Dollar Zuflüsse in fünf Tagen

Trotz Wochenverlust von 8,6 Prozent verzeichnet der Halbleiter-ETF massive Mittelzuflüsse. Hedgefonds-Zwangsverkäufe lösten zuvor extreme Marktbewegungen aus.

Die Kernpunkte:
  • Hedgefonds-Zwangsverkäufe erschüttern Chip-Sektor
  • Milliardenschwere Zuflüsse trotz Kursrücksetzer
  • Morgan Stanley sieht attraktive Kaufgelegenheit
  • Fed lässt Leitzins unverändert bei 3,5 Prozent

Der VanEck Semiconductor ETF hat eine der volatilsten Handelswochen des Jahres hinter sich – und Anleger schicken trotzdem frisches Kapital in großem Stil in den Fonds. Zum Wochenschluss legte das Papier um 5,77 Prozent zu und schloss bei 465,35 Euro. Auf Sieben-Tage-Sicht steht dennoch ein Minus von 8,61 Prozent zu Buche, ein Beleg dafür, wie ruppig der Handel in den vergangenen Tagen verlief.

Zwangsverkäufe eines Hedgefonds erschütterten den Sektor

Auslöser der Turbulenzen war ein spektakulärer Fall aus der Welt der gehebelten KI-Wetten. Der Hedgefonds Situational Awareness des Managers Leopold Aschenbrenner hatte im ersten Halbjahr 2026 ein Plus von 439 Prozent erzielt, verlor im Juli aber 67 Prozent seines Werts. Margin Calls zwangen den Fonds, sein Aktienportfolio im Volumen von rund 16 Milliarden US-Dollar mit einem Abschlag von mehr als 10 Prozent an Citadel zu übertragen. Die Transaktion beendete die Verkaufswelle bei Chip- und KI-Titeln abrupt: Am 30. Juli sprang der Philadelphia Semiconductor Index um 7,5 Prozent, der Nasdaq um 2,8 Prozent. Der deutsche Nachrichtensender n-tv brachte die Stimmung an den Börsen zu Wochenbeginn auf den Punkt und sprach von einer geplatzten „Chip- und KI-Blase“.

Auch in Asien zeigte sich das Ausmaß der Bewegung: Der südkoreanische Kospi-Index verlor im Juli 22,19 Prozent, erholte sich am 31. Juli aber um 17,91 Prozent – der stärkste Tagesgewinn seiner Geschichte. Halbleiterwerte wie SK Hynix und Samsung schossen an diesem Tag um bis zu 30 Prozent nach oben. Diese Gegenbewegung erklärt einen Großteil des kräftigen Freitagsplus beim VanEck Semiconductor ETF, dessen Bestandteile stark in Asien und den USA verankert sind.

Anleger stocken auf, obwohl der Fonds fällt

Bemerkenswert ist der Kontrast zwischen Kursverlauf und Anlegerverhalten: Binnen fünf Handelstagen flossen dem Fonds netto 3,52 Milliarden US-Dollar zu – trotz eines Wochenverlusts. Offenbar nutzen viele Investoren den Rücksetzer gezielt als Einstiegschance. Diese Einschätzung deckt sich mit der Haltung von Morgan Stanley: Die Bank empfiehlt, Rückgänge bei KI-Infrastruktur-Aktien zu kaufen, und bezeichnet die Marktkorrektur trotz Sorgen um KI-Ausgaben und chinesische Konkurrenz als „ungewöhnlich attraktive Kaufgelegenheit“.

Bestätigung liefern die Fundamentaldaten der großen ETF-Bestandteile. Nvidia bleibt trotz US-Exportbeschränkungen zentral im KI-Wettrüsten, während der chinesische Anbieter Moonshot AI Berichten zufolge über Alibaba auf 20.000 H200-Grafikprozessoren zugreift. Taiwan Semiconductor Manufacturing plant für 2027 Preiserhöhungen von 5 bis 10 Prozent und baut seine Investitionen in Arizona weiter aus. Broadcom notiert zwar 22 Prozent unter seinem Rekordhoch, rechnet aber mit jährlichen KI-Chip-Umsätzen von mehr als 100 Milliarden US-Dollar bis 2027 und einer mehrjährigen Partnerschaft mit Samsung im Volumen von 200 Milliarden US-Dollar.

Fed hält still, Zinssorgen bleiben

Für zusätzliche Nervosität sorgte die US-Notenbank: Sie beließ den Leitzins am Donnerstag zum siebten Mal in Folge bei 3,50 bis 3,75 Prozent, drei Mitglieder plädierten für eine Erhöhung. Fed-Chef Kevin Warsh signalisierte „keine Toleranz“ für anhaltenden Preisdruck – ein Ton, der Wachstumswerte wie Halbleiteraktien tendenziell belastet.

Charttechnisch bleibt der VanEck Semiconductor ETF angeschlagen: Der Relative-Stärke-Index von 41,7 deutet auf keine überkaufte, aber auch keine überverkaufte Lage hin. Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob die massiven Zuflüsse tatsächlich einen nachhaltigen Boden markieren oder ob die Zwangsliquidationen im gehebelten KI-Handel weitere Nachbeben auslösen.

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