Vanguard All-World ETF: Amazon-Sprung um 15,63 Prozent

Der Vanguard All-World ETF nähert sich dank sinkender Ölpreise und überzeugender US-Tech-Ergebnisse wieder seinem Jahreshoch. Geopolitische Entspannung stützt die globale Aktienrally.

Die Kernpunkte:
  • Kurs nahe am Jahreshoch
  • Ölpreis sinkt nach Iran-Gesprächen
  • Amazon treibt Tech-Rally an
  • 85 Prozent übertreffen Gewinnerwartungen

Sinkende Ölpreise, starke Tech-Gewinne, weniger geopolitische Angst: Diese Mischung treibt Aktien weltweit an. Der Vanguard FTSE All-World UCITS ETF profitiert direkt davon und notiert nur noch knapp unter seinem Jahreshoch.

Der Fonds bildet rund 4.000 große und mittelgroße Unternehmen weltweit über den FTSE All-World Index ab. Am Montag liegt der Kurs bei 164,10 Euro, nur 1,80 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 167,10 Euro. Ausschlaggebend für die gute Stimmung sind zwei Entwicklungen: eine Entspannung im Nahen Osten und ein starker Abschluss der US-Berichtssaison.

Iran-Gespräche drücken Ölpreis

US-Präsident Donald Trump kündigte für Montag neue Gespräche mit dem Iran an. Zuvor hatte er nach eigenen Angaben „massive“ Angriffe gegen das Land angeordnet. Die Ankündigung neuer Verhandlungen ließ die Ölpreise deutlich fallen – sowohl West Texas Intermediate als auch Brent gaben spürbar nach.

Das entschärft eines der zentralen Risiken, das die Märkte zuletzt belastet hat: hohe Energiepreise als Inflationstreiber. „Die globalen Aktienmärkte starten offensiv in die Woche und setzen genau dort an, wo die Freitagssitzung endete“, kommentierte Daniela Hathorn, Senior Market Analyst bei Capital.com. Auch europäische Börsen zogen im Sog der Öl-Nachrichten an.

Amazon treibt Rally, Apple bremst

Die gute Laune speist sich aus einer starken Vorwoche. Der S&P 500 legte 0,70 Prozent zu, der Dow Jones 0,53 Prozent, der Nasdaq 100 0,60 Prozent. Zugpferd war Amazon: Die Aktie sprang um mehr als 15 Prozent nach oben, nachdem die Cloud-Sparte das stärkste Umsatzwachstum seit fünf Jahren meldete.

Für den All-World-ETF ist das relevant, weil US-Technologiewerte einen Großteil seiner Gewichtung ausmachen. Amazon, Nvidia, Microsoft und Alphabet zählen zu den größten Positionen des Fonds. Am Freitag zeigte sich aber auch die Kehrseite dieser Konzentration: Während Amazon (plus 15,63 Prozent), Alphabet (plus 7,12 Prozent) und Nvidia (plus 3,46 Prozent) kräftig zulegten, verlor Apple 7,13 Prozent. Boeing und UnitedHealth gaben ebenfalls nach.

Diese Streuung zeigt ein Grundproblem des Index: Wenige US-Techwerte bestimmen die Richtung – nach oben wie nach unten.

Die Gewinnsaison insgesamt läuft rund. Von den knapp 300 S&P-500-Unternehmen, die bereits berichtet haben, übertrafen 85 Prozent die Erwartungen, wie FactSet-Daten zeigen. Die aggregierten Unternehmensgewinne im S&P 500 wachsen demnach um mehr als 47 Prozent.

Ruhige Charttechnik trotz Nachrichtenflut

Trotz der Schlagzeilen aus Nahost und der Gewinnsaison bleibt die Kursbewegung des ETF selbst unauffällig. Der RSI von 50,6 signalisiert weder Über- noch Unterhitzung – ein Markt, der die jüngsten Gewinne verdaut, bevor neue Wirtschaftsdaten und Quartalszahlen anstehen. Auch die 30-Tage-Volatilität von 11,66 Prozent liegt auf einem moderaten Niveau, gemessen an den Ausschlägen einzelner Schwergewichte wie Amazon oder Apple.

Diese Ruhe im Gesamtfonds ist kein Zufall. Ein breit gestreuter, marktkapitalisierungsgewichteter Fonds mit Tausenden Positionen gleicht Turbulenzen einzelner Faktoren oder Sektoren tendenziell aus. Das zeigte sich zuletzt beim iShares MSCI USA Momentum Factor ETF, der im Juli einen der schlechtesten Monate seiner Geschichte verzeichnete – mit einem Minus von mehr als 12 Prozent – bevor er am Donnerstag und Freitag wieder deutlich zulegte.

Die kommende Woche bringt weitere Belastungsproben: eine dichte Berichtssaison und am Freitag der US-Arbeitsmarktbericht. Wie sich der ETF entwickelt, hängt weiterhin stark davon ab, wie seine größten Positionen mit Quartalszahlen und der Lage rund um Iran und die Ölmärkte umgehen.

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