Vanguard FTSE All-World ETF: 16 Prozent Jahresplus trotz Tech-Ausverkauf

Inflations- und Zinssorgen belasten den globalen Fonds; seit Jahresbeginn beträgt sein Wertzuwachs weiterhin 16 Prozent.

Die Kernpunkte:
  • ETF verliert am Freitag 1,1 Prozent
  • Wochenbilanz weist minus 2,2 Prozent aus
  • Seit Jahresbeginn liegt der Fonds 16 Prozent vorn
  • September-Zuflüsse erreichen geschätzte 2,7 Milliarden Euro

Der weltweite Ausverkauf bei Technologie- und Chipwerten hat auch den Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (USD, thesaurierend, ISIN IE00BK5BQT80) zuletzt belastet. Grund ist keine fondsspezifische Entwicklung, sondern eine breite Marktbewegung: Seit Wochenbeginn sorgen Zweifel an der Finanzierung des KI-Ausbaus und steigende Zinssorgen für Druck auf die großen Technologiewerte, die in globalen Aktienindizes ein erhebliches Gewicht tragen.

Reuters berichtete am Freitag, dass die globalen Aktienmärkte nach den teils deutlichen Verlusten der Vortage nur noch moderat nachgaben. Zuvor hatten laut Reuters sowohl US- als auch europäische Indizes nachgegeben, während der südkoreanische KOSPI besonders kräftig einbrach.

Am Donnerstag kam laut Reuters zusätzlicher Druck durch skeptische Aussagen von Taiwan Semiconductor Manufacturing Company zur gesamtwirtschaftlichen Unsicherheit hinzu – trotz eines Rekordgewinns des Chipherstellers.

Zinssorgen als Auslöser

Befeuert wurde die Verkaufswelle durch den US-Inflationsbericht vom Mittwoch: Die Verbraucherpreise zogen im September auf 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr an, nach 3,4 Prozent im August, wie die Nachrichtenagentur Associated Press meldete.

Die höhere Inflationsrate nährte Erwartungen auf weitere Zinsanhebungen der US-Notenbank und verstärkte damit die Zurückhaltung gegenüber stark fremdfinanzierten KI-Investitionen von Technologiekonzernen und Rechenzentrumsbetreibern.

Für einen breit gestreuten Indexfonds wie den Vanguard FTSE All-World, der tausende Aktien aus Industrie- und Schwellenländern bündelt, schlägt sich eine solche sektorübergreifende Belastung unmittelbar im Kurs nieder. Am Freitag schloss der ETF bei 169,30 Euro, ein Minus von 1,1 Prozent auf Tagesbasis. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 2,2 Prozent zu Buche.

Jahresbilanz bleibt deutlich positiv

Trotz der jüngsten Schwäche relativiert sich das Bild im längerfristigen Vergleich: Seit Jahresbeginn liegt der ETF weiterhin mit 16 Prozent im Plus. Die aktuelle Konsolidierung folgt damit auf eine ausgeprägte Aufwärtsbewegung der vergangenen Monate und wirkt eher wie eine Verschnaufpause als wie eine Trendwende.

Die Marktbewegung fällt in eine Phase, in der der Fonds bei Anlegern besonders gefragt ist. Erst Anfang Oktober hatte der Finanzdatendienst LSEG Lipper gemeldet, dass der Vanguard FTSE All-World UCITS ETF im September mit geschätzten Netto-Zuflüssen von 2,7 Milliarden Euro der meistverkaufte ETF Europas war.

Diese Nachfrage unterstreicht, wie stark sich passive, breit diversifizierte Produkte in den vergangenen Monaten als Kernbaustein vieler Portfolios etabliert haben – auch wenn das aktuelle Umfeld zeigt, dass selbst ein global gestreuter Fonds von sektoralen Verwerfungen bei Technologiewerten nicht abgekoppelt ist.

Anleger, die den ETF langfristig halten, dürften die Entwicklung der kommenden Wochen vor allem daraufhin beobachten, ob sich die Zinserwartungen weiter verschärfen oder ob sich die Lage an den Technologiemärkten beruhigt. Beides wird maßgeblich darüber entscheiden, ob die Konsolidierung kurzfristig bleibt oder sich fortsetzt.

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