Verbio Aktie: Brent unter 80 Dollar drückt Margen

Sinkende Ölpreise setzen die Aktie von Verbio unter Druck, während das Unternehmen operativ stark bleibt und die Jahresprognose bereits zweimal anhob.

Die Kernpunkte:
  • Aktie verliert über zwei Prozent
  • EBITDA-Prognose zuletzt zweimal erhöht
  • Bioethanol-Segment wächst um 35 Prozent
  • Neue Ethenolyse-Anlage in Bitterfeld geplant

Frieden im Iran-Konflikt — das klingt zunächst nach guter Nachricht. Für Verbio ist es ein Margenproblem. Berichte über eine mögliche US-iranische Einigung schickten den Brent-Preis erstmals seit Monaten unter 80 US-Dollar. Biokraftstoffe konkurrieren direkt mit fossilem Öl. Sinkt der Ölpreis, schrumpfen die relativen Margen für Biodiesel und Bioethanol.

Die Aktie verliert heute 2,51 Prozent auf 30,26 Euro. Auf Sieben-Tage-Sicht summiert sich das Minus auf gut sieben Prozent — der Kurs liegt damit rund 18 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt.

Operative Stärke trifft schwache Stimmung

Das fundamentale Bild erzählt eine andere Geschichte. Ende Mai hob Verbio die EBITDA-Prognose für 2025/2026 zum zweiten Mal an. Der Vorstand erwartet nun ein EBITDA zwischen 160 und 180 Millionen Euro — zuvor lag die Spanne bei 100 bis 140 Millionen Euro.

Besonders dynamisch läuft das Segment Bioethanol. Das Wachstum dort beträgt 35 Prozent. Der Hochlauf der Anlage in Nevada trägt maßgeblich dazu bei. Das operative EBITDA dieses Segments vervielfachte sich von 22,4 auf 105,7 Millionen Euro.

Hinzu kommt eine Wertaufholung bei Vorräten im Zusammenhang mit THG-Quoten — allerdings erst nutzbar im Quotenjahr 2027.

Regulierung als mittelfristige Stütze

Abseits der Ölpreis-Volatilität greifen neue gesetzliche Vorgaben. Der Bundestag hat die Erneuerbare-Energien-Richtlinie umgesetzt. Die Treibhausgasminderungsquote steigt 2027 von 12 auf 17,5 Prozent und soll bis 2040 schrittweise auf 65 Prozent wachsen.

Ab 2026 entfällt die Doppelanrechnung fortschrittlicher Biokraftstoffe. Importzertifikate aus undurchsichtigen Lieferketten verlieren dadurch massiv an Wert. Inlandsproduzenten mit transparenten Prozessen profitieren. Verbio zählt dazu.

Bitterfeld als zweites Standbein

Um die Abhängigkeit vom Kraftstoffmarkt zu verringern, baut Verbio in Bitterfeld die weltweit erste großtechnische Ethenolyse-Anlage. Investitionsvolumen: bis zu 100 Millionen Euro. Ab Herbst 2026 produziert das Unternehmen dort biobasierte Chemikalien — darunter 1-Decen für Hochleistungsschmierstoffe in Windkraftanlagen und modernen Motoren.

Das ist ein Markt mit stabiler Nachfrage, unabhängig vom Ölpreis. Verbio nutzt dabei eine Nobelpreis-prämierte Verfahrenstechnologie und erhält staatliche Förderung. Parallel erschließt das Unternehmen mit einer eigenen Delegation in Mexiko einen neuen Absatzmarkt.

Jahresabschluss im September

Die Nettofinanzverschuldung soll bis Ende des Geschäftsjahres auf unter 140 Millionen Euro sinken, nach 164 Millionen Euro im Vorjahr. Den Jahresfinanzbericht plant Verbio für September 2026 — dann lässt sich ablesen, ob der Ölpreisrückgang tiefere Spuren hinterlässt als die angehobene Prognose bisher unterstellt.

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