Verbio Aktie: Raps statt Erdöl

Die neue Anlage verarbeitet Rapsmethylester zu Chemikalien; Verbio plant den Produktionshochlauf entsprechend der Kundennachfrage.

Die Kernpunkte:
  • Kapazität von bis zu 60.000 Tonnen jährlich
  • Investition von knapp 100 Millionen Euro
  • Rund 50 zusätzliche Stellen am Standort
  • Verbio-Aktie zeitweise 1,81 Prozent schwächer

Verbio erschließt sich ein neues Geschäftsfeld: In Bitterfeld-Wolfen hat der Biokraftstoffhersteller eine Anlage für biobasierte Chemikalien in Betrieb genommen. Aus Rapsöl sollen dort Grundstoffe entstehen, die bislang meist aus Erdöl stammen. Das Unternehmen spricht von der weltweit ersten großtechnischen Ethenolyseanlage auf Basis von Rapsmethylester.

Vom Biodiesel zum Chemie-Baustein

Rapsmethylester dient bisher vor allem als Biodiesel. In Bitterfeld soll er nun zu chemischen Bausteinen weiterverarbeitet werden, etwa für Wasch- und Reinigungsmittel, Schmierstoffe und Kunststoffe. Die Anlage kann bis zu 60.000 Tonnen biobasierter Chemikalien pro Jahr herstellen. Verbio investierte nach eigenen Angaben knapp 100 Millionen Euro.

Konzernchef Claus Sauter sieht darin eine zusätzliche Wertschöpfungsstufe für die bestehende Bioraffinerie. Europäisches Rapsöl stärke zudem die regionale Landwirtschaft und verringere die Abhängigkeit von globalen Lieferketten.

Hochlauf braucht Geduld

Volle Auslastung gibt es nicht sofort. Kunden müssen die neuen Produkte zunächst für ihre Anwendungen testen und zulassen. Verbio will die Produktion deshalb schrittweise mit der Nachfrage steigern.

Der Start fällt in eine schwierige Phase für die europäische Chemiebranche. Hohe Produktionskosten und starke internationale Konkurrenz belasten die Hersteller. Michael Carus vom nova-Institut wertet das Projekt als Beispiel dafür, wie biobasierte Rohstoffe eine wettbewerbsfähigere und widerstandsfähigere Chemieproduktion in Europa unterstützen könnten.

Am Standort entstehen rund 50 neue Arbeitsplätze. Damit sollen künftig etwa 130 Menschen für Verbio in Bitterfeld-Wolfen arbeiten.

An der Börse blieb der Jubel aus. Die Aktie gab im Xetra-Handel zeitweise 1,81 Prozent auf 26,08 Euro nach. Die Anlage verbreitert die Geschäftsbasis jenseits von Biokraftstoffen. Ihren Beitrag zum Ergebnis dürfte sie allerdings erst entfalten, wenn die ersten Kunden die Produkte zugelassen haben und die Auslastung steigt.

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