Verteidigungs-Aktien: Rheinmetall setzt auf Kampfdrohnen, OHB rutscht trotz Rekordauftragsbuch ab

Rheinmetall kooperiert bei Kampfdrohnen mit Boeing, während OHB trotz Rekordaufträgen Kursverluste erleidet. Analysten honorieren zunehmend operative Stärke.

Die Kernpunkte:
  • Rheinmetall: Drohnenpartnerschaft mit Boeing
  • OHB: Rekordaufträge, aber Kursrutsch
  • Renk: Höchster Quartalsauftragseingang der Geschichte
  • Airbus: RBC erhöht Kursziel nach Lieferzahlen

Rekordaufträge allein reichen offenbar nicht mehr, um Anleger zu begeistern. Während Rheinmetall und Renk Group historische Auftragsbücher vorlegen, reagieren die Kurse mit Achselzucken oder gar Kursverlusten. Bei DroneShield und OHB SE zeigt sich unterdessen, wie unterschiedlich der Markt auf Drohnenvorfälle und Kapitalerhöhungen reagieren kann.

Die europäische Rüstungsbranche verschiebt ihren Fokus. Nach Wochen mit spektakulären Auftragsmeldungen geht es jetzt um Umsetzung, Diversifikation und strategische Positionierung in einem zunehmend dichten Markt. Fünf Namen zeigen dabei fünf sehr unterschiedliche Geschichten.

Rheinmetall: Kampfdrohnen als neues Standbein

Rheinmetall notiert aktuell bei 1.125,00 Euro und damit 1,78 Prozent leichter als am Vortag. Der Wert bleibt deutlich unter seinem 52-Wochen-Hoch von 2.007,00 Euro, das er noch im Oktober markiert hatte. Auf Jahressicht steht ein Minus von 27,54 Prozent, ausgelöst unter anderem durch die Streichung des F126-Fregattenprogramms durch die Bundesregierung im Juni.

Bei der Vorlage der Halbjahreszahlen musste der Konzern seine Jahresprognose um 300 Millionen Euro nach unten korrigieren. Trotzdem legte der Umsatz um 39 Prozent zu, der Gewinn stieg um 74 Prozent. Rheinmetall rechnet nun mit Jahresumsätzen zwischen 13,7 und 14,2 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand kletterte zum Halbjahresende auf 80,5 Milliarden Euro – ein deutlicher Sprung gegenüber den 56 Milliarden Euro vor einem Jahr.

Parallel zum Fregatten-Rückschlag baut der Konzern eine neue Wachstumssäule auf. Zusammen mit Boeing Australia will Rheinmetall die Kampfdrohne MQ-28 Ghost Bat als ausgereifte Lösung für die Bundeswehr-Beschaffung von Begleitdrohnen bis 2029 anbieten. Rheinmetall übernimmt dabei die Rolle des Systemintegrators in Deutschland und passt die Plattform an nationale Anforderungen an. Konzernchef Armin Papperger bezifferte das Umsatzpotenzial aus der Partnerschaft auf einen dreistelligen Millionenbetrag.

Jefferies bestätigte nach den Zahlen die Kaufempfehlung für die Aktie mit einem unveränderten Kursziel von 1.300 Euro. Trotz des Rückschlags durch die Fregatten-Stornierung bleibt das operative Wachstum also intakt – die Bewertung am Markt hat damit aber bislang nicht Schritt gehalten.

DroneShield: Flughafen-Zwischenfälle beflügeln die Fantasie, die deutsche Order fehlt weiter

DroneShield notiert bei 1,33 Euro, ein Rückgang von 2,67 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht dagegen ein Plus von 14,50 Prozent – ein Beleg für die enorme Schwankungsbreite der Aktie, die sich mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von fast 75 Prozent bemerkbar macht. Vom 52-Wochen-Hoch bei 3,79 Euro ist der Titel weiterhin fast 65 Prozent entfernt.

Der jüngste Kursimpuls hat einen konkreten Auslöser: Der Fund einer mit Sprengstoff bestückten Drohne am Flughafen Leipzig/Halle hat die deutsche Sicherheitsdebatte spürbar verschärft. Für DroneShield übersetzt sich das aber nicht automatisch in Aufträge. Entscheidend wird sein, ob aus politischen Ankündigungen dauerhafte Beschaffungsprogramme für Flughäfen und andere kritische Infrastruktur werden. Die Bundesregierung hat für 2026 immerhin 50 Millionen Euro für die Drohnenabwehr der Bundespolizei eingeplant, davon 30 Millionen für Abwehrsysteme an Flughäfen.

Das Unternehmen selbst hat vorgesorgt: Im Juni lief die erste in der EU gefertigte DroneShield-Anlage vom Band. Zwei im Juli gemeldete Aufträge für einen europäischen Militärkunden im Gesamtwert von 23,2 Millionen australischen Dollar zeigen, dass sich diese Strategie bereits auszahlt.

Für das erste Halbjahr rechnet DroneShield vorläufig mit einem Umsatz von 125,8 Millionen australischen Dollar, ein Plus von 74 Prozent. Für das Gesamtjahr sind bereits 206 Millionen australische Dollar vertraglich gesichert, das Management stellt bis zu 270 Millionen in Aussicht. Die Analystenmeinungen bleiben gespalten: Jefferies beließ es Ende Juli bei einer Verkaufsempfehlung, während Bell Potter einen Tag zuvor an seiner Kaufempfehlung festhielt.

Renk Group: Rekordauftragseingang ohne Kursbelohnung

Renk notiert bei 49,66 Euro, ein Minus von 1,96 Prozent zum Vortag. Auf Sicht von sieben Tagen steht dennoch ein leichtes Plus, und über 30 Tage hat die Aktie fast 14 Prozent zugelegt. Die Halbjahresbilanz, vorgelegt am 6. August, zeigte einen Auftragseingang von rund 1,2 Milliarden Euro – ein Anstieg von knapp 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Das zweite Quartal markierte mit 612,8 Millionen Euro den höchsten Quartalsauftragseingang der Firmengeschichte. Der Gesamtauftragsbestand kletterte damit auf ein Rekordhoch von 7,4 Milliarden Euro. Besonders stark entwickelte sich die Sparte Vehicle Mobility Solutions, wo der Auftragseingang um 42,6 Prozent zulegte und das Book-to-Bill-Verhältnis von 1,7 auf 2,3 stieg.

Strategisch treibt Renk zudem seine Übernahmepläne voran. Die geplante Akquisition von David Brown Defence soll Zugang zu wichtigen Marineprogrammen verschaffen, darunter das Global-Combat-Ship-Programm mit bis zu 34 Schiffen für Kanada, Großbritannien, Australien und Norwegen. Der Abschluss wird für das vierte Quartal erwartet.

Das Management bekräftigte die Jahresprognose: Umsatz über 1,5 Milliarden Euro und ein bereinigtes EBIT zwischen 255 und 285 Millionen Euro. Finanzchefin Anja Mänz-Siebje verwies auf die solide Finanzierungsbasis für weiteres profitables Wachstum und weitere Zukäufe. Dass der Kurs trotz dieser Zahlen kaum reagiert, zeigt: Anleger verlangen inzwischen mehr als nur Auftragsrekorde.

Airbus: RBC erhöht Kursziel nach starker Auslieferungsquote

Airbus notiert bei 213,95 Euro, nahezu unverändert zum Vortag. Der Titel bewegt sich damit nur gut drei Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 221,25 Euro und hat seit Jahresbeginn bereits über acht Prozent zugelegt. Auf Zwölfmonatssicht steht sogar ein Plus von 21,59 Prozent – die mit Abstand solideste Performance unter den fünf Werten.

Nach den Auslieferungszahlen für das zweite Quartal hob RBC Capital sein Kursziel von 200 auf 215 Euro an und bestätigte die Einstufung „Outperform“. Grund waren 237 ausgelieferte Flugzeuge im Quartal – ein Plus von 39 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, verteilt auf A220, A320, A330 und A350. Nach den Julizahlen bekräftigte die Bank ihre konstruktive Haltung mit einem Kursziel von 250 Euro, nachdem der Flugzeugbauer im Juli 67 Jets auslieferte und damit den Vorjahreswert exakt hielt.

Auch finanziell überzeugte der Konzern: Der Umsatz im zweiten Quartal lag bei 20.525 Millionen Euro, der Nettogewinn bei 1.657 Millionen Euro. Von 19 Analysten empfehlen 18 den Kauf der Aktie, nur einer rät zum Verkauf – ein Bild ausgesprochener Geschlossenheit, wie es unter den fünf Titeln sonst nirgends zu finden ist.

OHB SE: Rekordauftragsbestand trifft auf Gewinnmitnahmen

OHB SE ist der auffälligste Fall im Sektor. Die Aktie fällt heute um 4,89 Prozent auf 223,50 Euro und liegt damit bereits mehr als 17 Prozent unter ihrem Stand vor 30 Tagen. Gleichzeitig steht seit Jahresbeginn ein Plus von über 91 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar von mehr als 215 Prozent – die Korrektur der vergangenen Wochen relativiert sich vor diesem Hintergrund etwas.

Operativ liefert das Unternehmen weiter ab: Der Auftragsbestand erreichte zum Halbjahresende ein Rekordhoch von 3.304 Millionen Euro, ein Plus von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert. Das Management sieht mittelfristig ein Pipeline-Potenzial von rund 20 Milliarden Euro im institutionellen und Verteidigungsgeschäft, getrieben von steigenden ESA- und EU-Ausgaben.

Auch die Profitabilität zog an. Die Sparte Space Systems steigerte den Umsatz im ersten Halbjahr um 8 Prozent auf 472 Millionen Euro, die EBITDA-Marge kletterte auf 10,1 Prozent gegenüber 4,3 Prozent im Vorjahreszeitraum. Gestärkt wurde zudem die Bilanz: Eine Ende Juni abgeschlossene Kapitalerhöhung brachte brutto rund 480 Millionen Euro ein und drückte die Nettoverschuldung ins Negative. Die Fuchs-Familie hält weiterhin die Mehrheit von über 60 Prozent, KKR rund 20 Prozent.

Für das Gesamtjahr bestätigte OHB seine Prognose: eine operative Gesamtleistung von 1.400 Millionen Euro und eine bereinigte EBITDA-Marge zwischen 10,5 und 11,0 Prozent. Mittelfristig peilt der Konzern eine Gesamtleistung von über 4 Milliarden Euro bei einer Marge von rund 13 Prozent an. Der RSI von 35,5 signalisiert dabei eine bereits überverkaufte Situation nach der jüngsten Talfahrt.

Sektordynamik im Überblick

Die fünf Werte zeigen, wie unterschiedlich sich strukturelles Wachstum in Kursreaktionen übersetzt:

  • Rheinmetall: Umsatzwachstum von 39 Prozent, trotzdem Kursrückgang – belastet durch Prognosesenkung und Fregatten-Stornierung
  • Renk Group: Auftragseingang plus 30 Prozent, Auftragsbestand auf Rekordhoch, Kurs bewegt sich seitwärts
  • Airbus: Stetige Auslieferungsdynamik und geschlossene Analystenmeinung sorgen für die stabilste Performance im Vergleich
  • DroneShield: Kurs reagiert primär auf Einzelmeldungen und Drohnenvorfälle, nicht auf Fundamentaldaten
  • OHB SE: Rekordauftragsbestand trifft auf Gewinnmitnahmen nach starkem Lauf seit Jahresbeginn

Der gemeinsame Nenner bleibt Europas steigendes Verteidigungsbudget. Die 27 EU-Mitgliedstaaten gaben 2025 rund 418 Milliarden Euro für Verteidigung aus, ein Plus von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für 2026 wird ein weiterer Anstieg auf 454 Milliarden Euro erwartet. Dieser Rückenwind stützt die Auftragsbücher aller fünf Unternehmen – Anleger honorieren aber zunehmend nur noch jene Werte, die auch bei Cashflow und Ausführungsrisiko überzeugen. Die Stornierung des F126-Programms hat diese Skepsis erst richtig ausgelöst.

Worauf Anleger jetzt achten sollten

Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob Auftragswachstum sich in nachhaltigen Kursgewinnen niederschlägt. Rheinmetalls Einstieg ins Kampfdrohnen-Geschäft über die Boeing-Partnerschaft eröffnet eine neue Umsatzquelle, wird aber Jahre bis zur Marktreife brauchen. Bei DroneShield hängt viel davon ab, ob aus Deutschlands aufgestocktem Drohnenabwehr-Budget tatsächlich ein konkreter Inlandsauftrag wird.

Renks Übernahme von David Brown Defence, deren Abschluss für das vierte Quartal erwartet wird, könnte neue Marineprogramme erschließen und das Wachstumsprofil bis 2027 verändern. Airbus steht die nächste planmäßige Zahlenvorlage Ende Oktober bevor, wobei die Auslieferungsquote im zweiten Halbjahr der entscheidende Faktor für weitere Kurszielanhebungen bleibt. OHB muss nun zeigen, ob sich die milliardenschwere Pipeline im institutionellen und Verteidigungsgeschäft in feste Auftragseingänge verwandeln lässt – insbesondere bei anstehenden ESA- und EU-Entscheidungen.

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