Vincorion Aktie: Auftragseingang auf 149,4 Millionen

Vincorion steigt schnell in den SDAX auf, doch der Aktienkurs leidet unter dem Lock-up von Großaktionär STAR Capital. Operativ läuft es gut.

Die Kernpunkte:
  • SDAX-Aufnahme nach nur drei Monaten
  • Lock-up von STAR Capital belastet Kurs
  • Umsatzplus von 40 Prozent im ersten Quartal
  • NATO-Auftrag über 60 Millionen Euro

Drei Monate nach dem Börsenstart ist Vincorion bereits im SDAX. Das ist bemerkenswert schnell. Weniger bemerkenswert: Der Kurs notiert trotzdem rund 30 Prozent unter seinem Allzeithoch.

Die Aufnahme in den Index trat am 22. Juni in Kraft. Vincorion ersetzte dabei Borussia Dortmund und ProSiebenSat.1. Physisch replizierende ETFs waren damit verpflichtet, Anteile zu kaufen — ein kurzfristiger Stützkauf, der den Kurs am Donnerstag um knapp zwei Prozent auf 16,61 Euro schob. Nachhaltig war der Effekt bislang nicht.

Das eigentliche Problem heißt STAR Capital

Der Kursrückstand hat wenig mit dem operativen Geschäft zu tun. Private-Equity-Firma STAR Capital hält 47,5 Prozent der Aktien. Die Lock-up-Frist läuft bis Herbst 2026. Solange dieses Paket über dem Markt schwebt, bleibt der Kurs gedeckelt — unabhängig davon, wie gut die Zahlen ausfallen.

Und die Zahlen sind gut. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 40 Prozent auf 69 Millionen Euro. Das bereinigte EBIT kletterte um 30 Prozent auf rund 12,4 Millionen Euro. Der Auftragseingang vervierfachte sich nahezu auf 149,4 Millionen Euro. Der Auftragsbestand erreichte ein Allzeithoch von rund 1,2 Milliarden Euro — mehr als 90 Prozent des für 2026 geplanten Umsatzes sind durch feste Aufträge gedeckt.

Rückenwind aus Brüssel und der NATO

Rüstungspolitisch kommt Vincorion weiterer Schub zugute. Auf der Eurosatory präsentierte das Unternehmen das SENTINEL-Projekt: Vincorion leitet ein deutsches Konsortium innerhalb eines Netzwerks aus 42 Partnern in 16 Ländern. Ziel ist ein autonomes Energiesystem für mobile Feldlager — ein 50-Kilowatt-Generatormodul plus Speichereinheit. Der Europäische Verteidigungsfonds steuert 39,9 Millionen Euro bei.

Hinzu kommt ein NATO-Rahmenvertrag über 60 Millionen Euro bis 2030. Die NATO-Beschaffungsagentur NSPA beauftragte Vincorion mit der PATRIOT-Modernisierung in fünf Mitgliedsstaaten.

Cashflow als offene Rechnung

Das Management bestätigt die Jahresprognose: Umsatz zwischen 280 und 320 Millionen Euro, bereinigte EBIT-Marge von 18 bis 19 Prozent. Mittelfristig peilt Vincorion mehr als 15 Prozent jährliches Umsatzwachstum und eine Marge von rund 20 Prozent an.

Ein Wermutstropfen bleibt. Der freie Cashflow rutschte im ersten Quartal auf minus 7,1 Millionen Euro — nach plus 1,6 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Vorstand erklärt das mit dem rasanten Kapazitätsausbau. Kredite oder eine Kapitalerhöhung plant er nicht.

Als Gegengewicht zu STAR Capital halten Fidelity International, Invesco und T. Rowe Price jeweils knapp vier Prozent. Cornerstone-Zusagen von rund 105 Millionen Euro stützen die Aktionärsstruktur zusätzlich.

Die Halbjahreszahlen erscheinen im August. Dreht der freie Cashflow ins Positive, dürfte der Markt den Lock-up-Überhang spürbar niedriger gewichten — und das Kurs-Potenzial zur 52-Wochen-Hochzone von 23,78 Euro wäre wieder im Gespräch.

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