Visa Aktie: Vier Billionen und trotzdem rot

Trotz Rekordumsatz und angehobener Jahresprognose fällt die Visa-Aktie nachbörslich. Steigende Kosten und Stellenabbau belasten.

Die Kernpunkte:
  • Umsatz steigt auf 11,6 Milliarden Dollar
  • Zahlungsvolumen erreicht vier Billionen Dollar
  • Kostenanstieg durch Abfindungen und Anreize
  • Jahresausblick für Umsatz und Gewinn erhöht

Ein Rekordquartal, ein raketenhaftes Zahlungsvolumen von vier Billionen Dollar – und trotzdem gibt die Aktie nach. Bei Visa klafft die Diskrepanz zwischen operativer Stärke und Kursreaktion diesmal besonders deutlich auseinander.

Der Zahlungsdienstleister meldete für das dritte Geschäftsquartal einen Umsatz von 11,6 Milliarden Dollar, ein Plus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der bereinigte Gewinn je Aktie kletterte auf 3,32 Dollar, ein Anstieg von 11 Prozent. Beide Werte lagen über den Erwartungen der Analysten. Die Aktie gab dennoch nachbörslich um rund zwei Prozent nach.

Kostendruck überschattet starkes Volumenwachstum

Das Zahlungsvolumen erreichte erstmals die Marke von vier Billionen Dollar in einem Quartal – ein Meilenstein, der die anhaltende Verlagerung hin zu digitalen Zahlungen unterstreicht. Auch das grenzüberschreitende Volumen legte kräftig zu, um 13 Prozent auf Basis konstanter Wechselkurse. Die Kehrseite: Die operativen Kosten stiegen um 19 Prozent, die Kundenanreize um 18 Prozent auf 4,7 Milliarden Dollar – ein Zeichen für den zunehmenden Wettbewerbsdruck in der Branche.

Ein wesentlicher Treiber der Kostenexplosion war ein Abfindungspaket von 563 Millionen Dollar. Bloomberg berichtete unter Berufung auf eine interne Mitteilung von Firmenchef Ryan McInerney, dass Visa rund sieben Prozent der Stellen streicht – etwa 2.600 Arbeitsplätze. Das Management begründet den Schritt mit Effizienzsteigerungen, kurzfristig belastet die Maßnahme jedoch die Marge.

Ein Lichtblick bleibt der margenstarke Bereich Value-Added Services: Der Umsatz dort stieg um 34 Prozent auf konstanter Dollarbasis auf 3,8 Milliarden Dollar und wächst damit deutlich schneller als das klassische Zahlungsgeschäft. An die Aktionäre flossen im Quartal 6,2 Milliarden Dollar über Rückkäufe und Dividenden zurück.

Ausblick angehoben

Trotz der Kostenlast zeigt sich das Management zuversichtlich und hat die Jahresprognose angehoben. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Visa nun mit einem Umsatzwachstum am unteren Ende des niedrigen Zehner-Prozentbereichs sowie einem Gewinnwachstum am unteren Ende des mittleren Zehner-Prozentbereichs, jeweils auf bereinigter Basis zu konstanten Wechselkursen. Für das vierte Quartal erwartet der Konzern ein Umsatzwachstum am oberen Ende dieser Spanne. Ob die Investitionen in KI-gestützte Produktentwicklung und die Pismo-Plattform die aktuellen Kostensteigerungen mittelfristig auffangen können, wird sich an den kommenden Quartalszahlen zeigen müssen.

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