Visa Aktie: Walmart stellt Vergleich infrage

Handelskonzerne und Verbände bekämpfen Visas US-Gebührenvergleich, während der Konzern mit Moov Money zugleich neue Zahlungswege erschließt.

Die Kernpunkte:
  • Visa-Aktie verliert 1,7 Prozent
  • Walmart beanstandet erzwungene Klägerbeteiligung
  • 978 Unternehmen verlangen Ablehnung
  • Moov Money startet mit Mastercard

Der juristische Streit um die Gebühren beim Karteneinsatz in den USA spitzt sich für Visa erneut zu. Große Handelskonzerne und Hunderte Branchenverbände stellen sich gegen den vorläufig ausgehandelten Milliardenvergleich. Nach einem Tagesverlust von 1,7 Prozent ging die Visa-Aktie gestern bei 317,20 Euro aus dem Handel. Anleger blicken besorgt auf die drohende juristische Hängepartie, da die erzielte Einigung vor Gericht zu scheitern droht.

Im Zentrum des Konflikts stehen die Gebühren, die Händler bei jeder Kartenzahlung entrichten müssen. Das Verfahren zieht sich bereits seit dem Jahr 2005 vor dem Bundesgericht in Brooklyn hin.

Nachdem zwei frühere Vergleichsversuche von US-Gerichten gekippt worden waren, hatten sich die Streitparteien Ende vergangenen Jahres auf einen neuen Vorschlag verständigt. Dieser erhielt zwar im Juni eine vorläufige Genehmigung, stößt nun aber auf geschlossenen Widerstand einflussreicher Marktteilnehmer.

Walmart rügt Verfassungsverstoß

Zu den schärfsten Kritikern zählen Walmart und Circle K Stores. In einem 299 Seiten umfassenden Schriftsatz vom 14. September rügt Walmart die geplante Zwangseinbindung in die Klägerklasse als verfassungswidrig.

Die Anwälte des Handelsriesen sehen darin eine Verletzung des fünften Zusatzartikels der US-Verfassung und fordern einen Ausstieg aus dem Verfahren. Bis zum 14. Oktober müssen die Anwälte der Klägerklasse nun gegenüber Richter Brian Cogan Stellung beziehen.

Für Visa und Mastercard steht bei diesem Verfahren viel auf dem Spiel. Sollte das Gericht den Einwänden der Handelskonzerne folgen, wäre der mühsam ausgehandelte Kompromiss hinfällig. Das Unternehmen müsste sich dann entweder auf schmerzhafte Zugeständnisse einlassen oder den Gang in einen langwierigen Prozess riskieren. Ein solches Szenario könnte die Ertragskraft im wichtigen Heimatmarkt spürbar dämpfen.

Geringe Zugeständnisse erzürnen Händler

Parallel dazu fordern 978 Unternehmen und Verbände die Zurückweisung der Einigung. Ein zentraler Kritikpunkt lautet, dass die Gebühren lediglich um 0,1 Prozentpunkte sinken und diese Regelung nur fünf Jahre gelten soll. Zudem greife die Begrenzung nicht für Netzwerkgebühren und bevorteile Standardkarten, während Kunden überwiegend teurere Prämienkarten nutzen.

Zusätzlicher Druck droht Visa von der US-Politik. Im Kongress liegt der überparteiliche Credit Card Competition Act vor, der Großbanken zur Unterstützung alternativer Zahlungsnetzwerke verpflichten soll.

Laut dem Nilson Report kletterten die Gebühren für Händler im vergangenen Jahr auf den Rekordwert von 198,25 Milliarden US-Dollar. Visa und Mastercard kontrollieren zusammen 85 Prozent des US-Kartenmarktes, weshalb Handelsverbände auf einen echten Systemwechsel pochen.

Ausbau des Direktzahlungsgeschäfts

Ungeachtet des Rechtsstreits treibt Visa den Ausbau alternativer Transaktionskanäle voran. Gemeinsam mit Mastercard und dem Fintech Moov startete gestern die Echtzeit-Zahlungslösung Moov Money. Über die Schnittstelle Visa Direct und die Banno-Plattform von Jack Henry erhalten mehr als 1.000 Banken direkten Zugang zu dem System. Damit lassen sich Geldtransfers zwischen Privatkunden künftig bankenübergreifend per Mobiltelefon abwickeln.

An der Börse zeigt sich das Visa-Papier trotz der jüngsten Unruhe robust. Mit 331,05 Euro bleibt die Aktie allerdings unter ihrem vor wenigen Wochen erreichten 52-Wochen-Hoch. Ob der Zahlungsriese die anhaltenden Angriffe auf seine Gebührenstruktur ohne Blessuren übersteht, entscheidet sich in den kommenden Wochen vor Gericht.

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