Voestalpine Aktie: Analysten spalten sich bei 42–60 Euro
JPMorgan stuft Voestalpine hoch, während die Wiener Privatbank verkaufen rät. Neue EU-Zölle und die greentec steel Transformation prägen die Aktie.

- JPMorgan hebt Kursziel auf 50 Euro
- Wiener Privatbank rät weiter zum Verkauf
- Dividende steigt um 25 Prozent
- Erste Quartalszahlen am 5. August
Während JPMorgan das Papier vom Verkaufs- ins Kauflager hob, bestätigte die Wiener Privatbank nur wenige Tage später ihr „Verkaufen“-Votum. Dazwischen liegt eine verschärfte EU-Handelspolitik, die den europäischen Stahlmarkt neu ordnet – und ein Unternehmen, das mitten in seiner größten Transformation steckt.
Am Montag schloss die Aktie bei 44,14 Euro und büßte damit 1,78 Prozent ein. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 16,90 Prozent zu Buche, zum 52-Wochen-Hoch von 49,22 Euro aus Ende Februar fehlen aktuell 10,32 Prozent.
JPMorgan dreht, Deutsche Bank bleibt optimistisch
Den Ausschlag für die Neubewertung gab die Europäische Union. Zum 1. Juli 2026 traten verschärfte Schutzmaßnahmen für die heimische Stahlindustrie in Kraft: Die zollfreien Importkontingente sinken auf jährlich 18,3 Millionen Tonnen, für Mengen darüber hinaus greift künftig ein Zollsatz von 50 Prozent. JPMorgan-Analyst Dominic O’Kane reagierte darauf am 10. Juli 2026 mit einer Hochstufung von „Underweight“ auf „Overweight“ und hob sein Kursziel von 40 auf 50 Euro an. Als Begründung nannte er den verbesserten Schutz der europäischen Stahlbranche durch die neuen Zollregeln.
Am selben Tag bekräftigte Bastian Synagowitz von der Deutschen Bank Research seine Kaufempfehlung für Voestalpine mit einem unveränderten Kursziel von 60 Euro – dem höchsten der drei genannten Einschätzungen. Er positionierte sich damit im Vorfeld der anstehenden Quartalszahlen deutlich optimistischer als der Markt.
Einen konträren Akzent setzte die Wiener Privatbank. Analyst Nicolas Kneip bestätigte am 15. Juli 2026 sein „Verkaufen“-Rating und passte den fairen Wert nur geringfügig von 41,50 auf 42,10 Euro an. Die Bandbreite der drei Kursziele reicht damit von 42,10 bis 60 Euro – ein Hinweis darauf, wie unterschiedlich die Marktteilnehmer die Aussichten der Zollreform und die operative Erholung des Konzerns gewichten.
Höhere Dividende nach starkem Geschäftsjahr
Operativ hatte Voestalpine zuletzt geliefert. Für das am 31. März 2026 beendete Geschäftsjahr 2025/26 wies das Unternehmen einen Umsatz von 15,1 Milliarden Euro aus, nach 15,7 Milliarden Euro im Vorjahr. Das EBITDA kletterte dagegen auf 1,5 Milliarden Euro von zuvor 1,3 Milliarden Euro, das EBIT lag bei 724 Millionen Euro. Trotz rückläufigem Umsatz verbesserte sich damit die operative Ertragskraft spürbar.
Diese Entwicklung honorierte das Management mit einer deutlich höheren Ausschüttung: Die Dividende für 2025/26 stieg um 25 Prozent auf 0,75 Euro je Aktie, nach 0,60 Euro im Vorjahr. Die Auszahlung an die Aktionäre wurde am 14. Juli 2026 abgeschlossen.
Für das laufende Geschäftsjahr 2026/27 stellte das Unternehmen bereits am 3. Juni 2026 eine Guidance in Aussicht: Das EBITDA soll zwischen 1,60 und 1,85 Milliarden Euro liegen – ein weiterer Anstieg gegenüber dem bereits verbesserten Vorjahreswert.
Transformation läuft weiter, nächste Zahlen im August
Auf der 34. ordentlichen Hauptversammlung am 1. Juli 2026 bestätigte der Konzern den Fahrplan für das Transformationsprojekt „greentec steel“. Die ersten Elektrolichtbogenöfen in Linz und Donawitz sollen wie geplant im ersten Halbjahr 2027 in Betrieb gehen – ein zentraler Baustein für die Umstellung der Stahlproduktion auf CO2-ärmere Verfahren.
Der Kapitalmarkt bekommt die nächste Standortbestimmung am 5. August 2026, wenn Voestalpine den Bericht zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026/27 veröffentlicht. Dann dürfte sich zeigen, wessen Einschätzung näher an der Realität liegt: die der optimistischen Kursziel-Anheber oder die der skeptischen Wiener Privatbank.
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