Voestalpine Aktie: Stahl trotzt Zöllen und Autoflaute

Voestalpine steigert operativen Gewinn um 59 Prozent, senkt Schulden auf 20-Jahres-Tief und sichert Milliardenaufträge aus Luftfahrt und Bahn.

Die Kernpunkte:
  • Operativer Gewinn steigt um 59 Prozent
  • Nettoverschuldung auf tiefstem Stand seit 20 Jahren
  • Milliardenaufträge aus Luftfahrt und Bahn
  • Dividende auf 0,75 Euro je Aktie erhöht

Der österreichische Stahl- und Technologiekonzern liefert ein Geschäftsjahr ab, das auf den ersten Blick überrascht: Umsatz rückläufig, aber die Ergebnisse ziehen kräftig an. Das zeigt, wie stark voestalpine an der Kostenschraube gedreht hat.

Gewinnsprung trotz Gegenwind

Das operative Ergebnis (EBIT) kletterte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2025/26 auf 724 Millionen Euro — ein Plus von 59 Prozent gegenüber den 455 Millionen Euro des Vorjahres. Das Ergebnis vor Steuern mehr als verdoppelte sich auf 587 Millionen Euro, und der Jahresgewinn nach Steuern sprang um fast 138 Prozent auf 424 Millionen Euro.

Der Umsatz hingegen sank um 4,3 Prozent auf 15,10 Milliarden Euro. Schwache Nachfrage aus Baubranche, Maschinenbau und Konsumgütern sowie die anhaltende Flaute in der europäischen Automobilindustrie drückten auf die Erlöse.

Hinzu kamen die US-Stahltarife von 50 Prozent, die seit Juni 2025 in Kraft sind und das Ergebnis um einen hohen zweistelligen Millionenbetrag belasteten. Die österreichische Röhrensparte in Kindberg, die primär für den amerikanischen Markt produziert, musste die Fertigung drosseln. CEO Herbert Eibensteiner betonte, der strategische Kurs habe sich erneut als widerstandsfähig erwiesen.

Schulden auf tiefstem Stand seit 20 Jahren

Finanziell steht voestalpine so gut da wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Der freie Cashflow erreichte 537 Millionen Euro. Die Nettoverschuldung sank um 23,4 Prozent auf 1,30 Milliarden Euro, bei einem Eigenkapital von 7,80 Milliarden Euro. Das Verhältnis beider Größen — die Gearing Ratio — fiel auf 16,2 Prozent: den niedrigsten Wert seit dem Geschäftsjahr 2005/06.

Die Belegschaft schrumpfte um 1,8 Prozent auf rund 48.800 Vollzeitstellen, was die laufenden Umstrukturierungen in der Hochleistungsmetall-Sparte und im Automobilkomponentenbereich widerspiegelt.

Luft- und Raumfahrt als Wachstumsanker

Auf der Wachstumsseite sicherte sich voestalpine Luft- und Raumfahrtaufträge von rund einer Milliarde Euro über fünf Jahre, ein Großteil davon von Airbus. Abgedeckt sind Hochleistungswerkstoffe, Schmiedeteile und Logistikleistungen. Dazu kommen Eisenbahnaufträge von der Deutschen Bahn und den Schweizerischen Bundesbahnen im Umfang von 500 Millionen Euro für Schienen, Weichen, Signal- und Überwachungstechnik.

Das Dekarbonisierungsprogramm „greentec steel“ mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 1,50 Milliarden Euro ist zu rund 60 Prozent umgesetzt. Die neuen Elektrolichtbogenöfen in Linz und Donawitz sollen in der ersten Hälfte 2027 den Betrieb aufnehmen. Das Unternehmen rechnet bis 2029 mit CO₂-Einsparungen von bis zu 30 Prozent gegenüber 2019.

Für das laufende Geschäftsjahr 2026/27 erwartet voestalpine ein EBITDA zwischen 1,60 und 1,85 Milliarden Euro. Der Vorstand schlägt außerdem eine auf 0,75 Euro je Aktie erhöhte Dividende vor — nach 0,60 Euro im Vorjahr. Darüber abstimmen werden die Aktionäre auf der Hauptversammlung am 1. Juli 2026.

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