Volkswagen Aktie: 100.000 Jobs auf der Kippe
Volkswagen erwägt massive zusätzliche Kürzungen von bis zu 100.000 Stellen weltweit. Der Aufsichtsrat lehnte den ursprünglichen Sparplan des Vorstands ab.

- Aufsichtsrat lehnt Blumes Sparplan ab
- Zusätzliche 50.000 Stellenstreichungen geprüft
- Vier deutsche Standorte ohne Zukunftsperspektive
- Aktie fällt auf Jahrestief zurück
Volkswagen steckt in der größten Restrukturierung seiner Geschichte. Der Aufsichtsrat lehnte einen Sparplan von Konzernchef Oliver Blume ab. Trotzdem prüft das Management jetzt sogar noch mehr Stellenstreichungen als ursprünglich geplant.
Blumes Zwölf-Punkte-Plan
Am 9. Juli stellte der Vorstand dem Aufsichtsrat einen „Zukunftsplan“ vor. Zwölf Initiativen sollen Volkswagen bis 2030 wieder wettbewerbsfähig machen. Der Kern: weniger Komplexität, weniger Kapazität, weniger Kosten.
Konkret will Volkswagen seine globale Fertigungskapazität von aktuell rund 10 Millionen auf etwa 9 Millionen Fahrzeuge pro Jahr senken. Vor der Pandemie lag die Kapazität noch bei fast 12 Millionen Einheiten. Die Modellpalette soll um bis zu 50 Prozent schrumpfen, die Ausstattungsvarianten sogar um bis zu 75 Prozent. Bis 2030 will der Konzern damit jährlich über 6 Milliarden Euro einsparen.
Ein internes Memo von Blume vom 13. Juli bringt neue Brisanz in die Debatte. Reuters liegt das Dokument vor. Demnach prüft Volkswagen zusätzliche 50.000 Stellenstreichungen weltweit – zu den bereits vereinbarten 50.000 Kürzungen. Insgesamt könnten damit bis zu 100.000 Jobs wegfallen. Blume nennt in dem Memo einen Kostennachteil von 20 Prozent gegenüber der Konkurrenz.
Belegschaft wehrt sich
Der Aufsichtsrat hat Blumes ursprünglichen Vorschlag am 9. Juli bereits abgelehnt. Das Ergebnis: 12 zu 7 Stimmen gegen die Pläne. Am 15. Juli protestierten IG Metall und Betriebsrat koordiniert an mehreren deutschen Standorten.
Blume selbst bevorzugt „intelligente Lösungen“ statt Werksschließungen. Er will unterausgelastete Werke etwa durch Rüstungsaufträge oder die Produktion chinesischer Modelle nutzen. Trotzdem bleibt die Zukunft von vier deutschen Standorten unklar. Für Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm gebe es für die 2030er Jahre derzeit keine bestätigten, wettbewerbsfähigen Nutzungsszenarien, schreibt Blume im Memo.
Medienberichten zufolge könnte die Produktion in Zwickau und Emden bereits 2031 enden. Hannover könnte 2032 folgen, das Audi-Werk Neckarsulm 2034. Endgültig entschieden ist aber noch nichts.
Aktie unter Druck, Erholung nur kurzfristig
Die VW-Aktie spiegelt die Unsicherheit deutlich wider. Am Mittwoch schloss das Papier bei 74,38 Euro – zwar 3,31 Prozent über dem Stand vor sieben Tagen, aber seit Jahresbeginn steht ein Minus von 29,90 Prozent zu Buche. Auf Sicht von 30 Tagen verlor die Aktie sogar 15,86 Prozent.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 109,10 Euro aus dem Dezember trennen die Aktie mittlerweile fast 32 Prozent. Zum 52-Wochen-Tief von 69,20 Euro, erreicht am 1. Juli, sind es dagegen nur noch 7,49 Prozent nach oben. Der Kurs liegt weiterhin klar unter allen wichtigen gleitenden Durchschnitten: 20,46 Prozent unter dem 200-Tage-Schnitt von 93,51 Euro. Der RSI von 42 signalisiert einen neutralen Bereich, kein akutes Verkaufssignal, aber auch keine Erholungsdynamik.
Nächster Termin: September
Die kommenden Wochen dürften von harten Verhandlungen zwischen Vorstand und Betriebsrat geprägt sein. Als Alternative zu Werksschließungen prüft Volkswagen flexible Arbeitszeitmodelle. Parallel treibt der Konzern das 5,8-Milliarden-Dollar-Joint-Venture mit Rivian voran, um im Bereich Software und Elektromobilität den Anschluss zu halten.
Die nächste turnusgemäße Aufsichtsratssitzung findet im September statt. Bis dahin muss Blume eine sogenannte Etappenstrategie vorlegen – einen Weg, die Kostensenkungen auch gegen den Widerstand der Arbeitnehmervertreter durchzusetzen.
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