Volkswagen Aktie: 100.000 Stellen auf dem Prüfstand

Volkswagen droht ein massiver Stellenabbau. Konzernchef Blume beziffert die Kostenlücke auf 20 Prozent, während Werksschließungen blockiert werden.

Die Kernpunkte:
  • Bis zu 100.000 Stellen könnten wegfallen
  • Aufsichtsrat blockiert Werksschließungen
  • Auslieferungen in China brechen ein
  • ID.Cross feiert Weltpremiere

Konzernchef Oliver Blume warnte laut Reuters vor bis zu 100.000 Stellenstreichungen – zusätzlich zu den bereits vereinbarten 50.000 Arbeitsplätzen, die im Zuge früherer Sparrunden wegfallen sollen. Als Grund nannte Blume eine Kostenlücke von 20 Prozent gegenüber der Konkurrenz. Der Aktienkurs bewegt sich nach diesen Nachrichten weiterhin unter Druck: Zum Donnerstagsschluss stand das Papier bei 73,30 Euro, nach einem Minus von 15,40 Prozent in den vergangenen 30 Tagen. Vom 52-Wochen-Hoch bei 109,10 Euro, erreicht im Dezember 2025, trennen die Aktie inzwischen 32,81 Prozent.

Aufsichtsrat blockiert Werksschließungen

Der Konflikt um die Zukunft der Werke eskaliert auf mehreren Ebenen. Am 9. Juli hatte der Betriebsrat die geplante Restrukturierung blockiert, der Aufsichtsrat lehnte Werksschließungen mit einer Mehrheit von 12 zu 7 Stimmen ab. Betroffen von möglichen Schließungen sind die Standorte Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm – insgesamt bis zu vier Werke stehen zur Disposition. Parallel dazu treibt Volkswagen den Aufbau einer eigenen Batteriefertigung voran: Das Werk in Salzgitter läuft bereits, Valencia soll ab 2027 folgen, verantwortet durch die Tochter PowerCo. Die operativen Zahlen liefern wenig Entlastung: Im zweiten Quartal 2026 brachen die weltweiten Auslieferungen um 8,6 Prozent ein, in China sogar um 36,6 Prozent. Das Modellportfolio soll von 150 auf maximal 100 Varianten schrumpfen, die Gesamtkapazität wird auf 9 Millionen Fahrzeuge gedeckelt.

In Emden warnte Oberbürgermeister Tim Kruithoff eindringlich vor den Folgen einer Werksschließung für die Region. Ein Treffen mit Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies und Vertretern weiterer VW-Standorte ist für Mitte August in Hannover angesetzt. Kruithoff kritisierte fehlende Reformen, Managementfehler und eine schlechte Kommunikation seitens des Konzerns. Die Beschäftigungssicherung am Standort läuft offiziell bis Ende 2030 – Blumes Sparpläne zielen jedoch bereits auf die Zeit danach.

Zwickau und Osnabrück als politische Baustellen

In Sachsen bringt sich die Landespolitik in Stellung. Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) fordert eine Verdopplung der EU-Einfuhrzölle auf chinesische Elektroautos, die derzeit zwischen 7,8 und 35,3 Prozent liegen. Ziel ist es, ein chinesisches Joint Venture für das bedrohte Werk Zwickau attraktiver zu machen. Blume selbst prüft laut den Berichten die Produktion chinesischer Modelle in Europa – ein Schritt, der Zwickau eine neue Perspektive geben könnte, gleichzeitig aber die Debatte um Handelspolitik und heimische Wertschöpfung anheizt.

Auch am Standort Osnabrück steht Volkswagen vor einer heiklen Entscheidung. Niedersachsen prüft einen Einstieg in eine neue Produktionsgesellschaft, um dem israelischen Rüstungskonzern Rafael die Fertigung von Iron-Dome-Komponenten am Standort zu ermöglichen. Das Vorhaben sieht eine Aufteilung in zwei Gesellschaften vor – eine für Liegenschaften, eine für die operative Produktion. Komplikationen bereitet dabei Katar: Der Großaktionär lehnt das Joint Venture ab, eine Landesbeteiligung soll nur bei nachgewiesener wirtschaftlicher Tragfähigkeit erfolgen.

Bewertung am Boden – ID.Cross als Lichtblick

Wie tief die Branchenkrise sitzt, zeigt eine Analyse des Handelsblatt: Volkswagen wird demnach mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von lediglich 3,4 gehandelt, bei einem Dax-Durchschnitt von 15. Die Dividendenrendite liegt bei 7,4 Prozent. Laut der Handelsblatt-Auswertung summierte sich der Nettogewinn der drei großen deutschen Autobauer 2025 auf 19,8 Milliarden Euro, gegenüber 48 Milliarden Euro im Jahr 2022 – ein Rückgang von 59 Prozent. Die Dividendenausschüttungen der drei Hersteller sanken im selben Zeitraum von 15,4 Milliarden auf 8,6 Milliarden Euro. Ein Analyst der Commerzbank warnte laut dem Bericht vor weiter sinkenden Gewinnen, als Ursachen nannte er die Absatzflaute in China, die Kosten der E-Umstellung sowie US-Zölle.

Operativ liefert Volkswagen zumindest im Elektrosegment neue Impulse: Am 16. Juli feierte der ID. Cross seine Weltpremiere. Der E-SUV startet zu Preisen ab 28.000 Euro, ist 4,15 Meter lang und bietet je nach Ausstattung eine Reichweite von bis zu 436 Kilometern. Der Marktstart in Europa ist für den Herbst 2026 vorgesehen, produziert wird das Modell unter anderem im spanischen Landaben. Ob solche Modellneuheiten reichen, um die strukturellen Probleme in Deutschland auszugleichen, dürfte sich frühestens im Spätsommer zeigen – wenn die Gespräche zwischen VW-Führung, Landesregierungen und Betriebsräten in eine entscheidende Phase gehen.

Anzeige

Volkswagen-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Volkswagen-Analyse vom 17. Juli liefert die Antwort:

Die neusten Volkswagen-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Volkswagen-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 17. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Volkswagen: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Volkswagen