Volkswagen Aktie: 12 zu 7 gegen Blume
Volkswagen-Chef Blume sucht nach Alternativen zu Werksschließungen, nachdem der Aufsichtsrat sein Konzept ablehnte. Die Aktie notiert nahe dem Jahrestief.

- Aufsichtsrat lehnt Sanierungskonzept ab
- Blume sucht intelligentere Lösungen
- Vier deutsche Standorte weiter gefährdet
- Aktie fällt auf Jahrestief-Niveau
Mit 12 zu 7 Stimmen lehnte das Gremium den Vorschlag ab, wie mehrere Medien übereinstimmend berichten. Blume reagierte in einem Interview mit der „Bild am Sonntag“ und kündigte an, nach Alternativen zu suchen: „Es gibt intelligentere Lösungen, als Werke zu schließen.“
„Intelligentere Lösungen“ statt Werksschließungen
Der VW-Chef verweist darauf, dass die Fabrikkosten in Deutschland im vergangenen Jahr bereits um 20 Prozent gesenkt wurden. Werksschließungen seien damit vom Tisch, so Blume. Trotzdem stehen vier deutsche Standorte weiter unter Beobachtung: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm gelten als besonders gefährdet. Medienberichten zufolge drohen weltweit bis zu 120.000 Stellenstreichungen, andere Berichte sprechen von 100.000 Arbeitsplätzen. Parallel dazu will der Konzern seine Modellpalette um bis zu die Hälfte straffen und die Variantenzahl um 75 Prozent reduzieren. Die jährliche Produktionskapazität soll von 10 auf 9 Millionen Fahrzeuge sinken. Blume begründet den Kurs mit einem strukturellen Problem: Die Produkte seien beliebt, brächten aber zu wenig Gewinn.
Absatzeinbruch in China belastet die Bilanz
Die Zahlen untermauern den Handlungsdruck. Im ersten Halbjahr 2026 lieferte der Konzern weltweit 4,13 Millionen Fahrzeuge aus, ein Rückgang von 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders schwer traf es China: Dort brachen die Verkäufe um 25,9 Prozent auf 973.000 Einheiten ein. In Europa dagegen legte Volkswagen um 3,5 Prozent auf 2,04 Millionen Fahrzeuge zu, auch bei batterieelektrischen Modellen wuchs das Europageschäft um 8,4 Prozent auf 377.000 Einheiten. Im zweiten Quartal 2026 verkaufte der Konzern insgesamt 2,08 Millionen Fahrzeuge, neun Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Der Analyst Frank Schwope bezifferte den chinesischen Rückgang sogar auf 37 Prozent bei einem globalen Minus von 9 Prozent. Im ersten Quartal 2026 war der Nettogewinn bereits um 28 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro eingebrochen, der Umsatz sank um 2,5 Prozent auf 75,7 Milliarden Euro. Die Gewinnmargen des Konzerns haben sich zwischen 2021 und 2025 mehr als halbiert.
Etwas Hoffnung liefert das neue Elektromodell ID. Polo: Zusammen mit Skoda Epiq und Cupra Raval kamen die drei Modelle auf mehr als 54.000 Bestellungen. Auch Plug-in-Hybride und Range-Extender-Modelle legten um 27 Prozent auf 246.000 Auslieferungen zu.
Betriebsrat wirft Blume mangelnde Klarheit vor
Die Belegschaft reagiert mit offener Kritik. Der Betriebsrat wirft Blume vor, mit seinen öffentlichen Äußerungen keine Klarheit zu schaffen, sondern die Verunsicherung noch zu verschärfen. „Macht alles nur noch schlimmer“, heißt es aus dem Gremium. Betroffen sind mehr als 40.000 Beschäftigte an fünf Standorten – neben den vier genannten Werken zählt auch Osnabrück dazu. Der Betriebsrat spricht von einem Vertrauensverlust gegenüber dem Vorstandschef und kündigt Betriebsversammlungen nach der Sommerpause an. Bereits am 10. Juli hatte die IG Metall protestiert. Ein Kommentar der taz bezeichnete Blumes Formulierung von den „intelligenteren Lösungen“ als dreist und brachte alternative Szenarien wie eine Umstellung auf Rüstungsproduktion oder die Fertigung chinesisch entwickelter VW-Modelle ins Spiel.
Aktie nahe am Jahrestief
Der Kapitalmarkt hat die Krisensignale längst eingepreist. Volkswagen schloss am Freitag bei 71,06 Euro, nach einem Wochenminus von 5,81 Prozent und einem Rückgang von 20,07 Prozent binnen 30 Tagen. Seit Jahresbeginn steht ein Verlust von 33,03 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es 23,13 Prozent. Vom Jahreshoch bei 109,10 Euro, erreicht am 15. Dezember 2025, trennen die Aktie inzwischen 34,87 Prozent. Zum Jahrestief von 69,20 Euro vom 1. Juli 2026 beträgt der Abstand dagegen nur noch 2,69 Prozent. Der Titel notiert damit auch deutlich unter seinen gleitenden Durchschnitten: 15,51 Prozent unter der 50-Tage-Linie und 24,22 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 93,78 Euro. Der RSI von 30,2 signalisiert eine überverkaufte Aktie, während die annualisierte Volatilität von 32,21 Prozent die Nervosität der Anleger widerspiegelt.
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