Volkswagen Aktie: Aufsichtsrat entscheidet über vier Werke heute

VW-Aufsichtsrat diskutiert Sanierungsplan mit möglichen Werksschließungen. IG Metall protestiert, Niedersachsen stellt sich quer.

Die Kernpunkte:
  • Aufsichtsratssitzung zu Sparprogramm
  • IG Metall ruft zu Protesten auf
  • Xpeng-Fertigung in deutschen Werken geprüft
  • Aktie nahe 52-Wochen-Tief

Heute um 14:30 Uhr trifft sich der Aufsichtsrat von Volkswagen in Wolfsburg. Auf dem Tisch liegt ein Sanierungsprogramm, das mehrere deutsche Standorte schließen könnte. Parallel dazu ruft die IG Metall zu einem bundesweiten Protesttag auf.

Blume will Milliarden einsparen

Konzernchef Oliver Blume stellt dem Gremium sein Konzept „Group Target Picture 2030″ vor. Das Ziel: radikal Fixkosten senken. Der Konzern kämpft gegen schwache Nachfrage und starken Druck aus China.

Laut Medienberichten will Volkswagen die weltweiten Investitionen um 15 Prozent kürzen. Damit sänke das Budget auf 130 Milliarden Euro.

Im Zentrum der Debatte stehen vier Werke: Emden, Hannover, Zwickau und das Audi-Werk Neckarsulm. Zwickau und Neckarsulm genießen keinen Schutz durch das VW-Gesetz. Für Emden und Hannover gilt theoretisch eine Standortsicherung bis 2030.

Branchenexperten sehen die Schließungsdiskussion vor allem als Verhandlungstaktik. Der Vorstand will damit offenbar Druck aufbauen, um bei den Personalkosten weitere Zugeständnisse zu erzwingen.

IG Metall protestiert, Niedersachsen blockiert

Die Gewerkschaft lässt das nicht auf sich sitzen. Sie organisiert heute Kundgebungen in Wolfsburg, Kassel und an den sächsischen Standorten. Arbeitnehmervertreter fordern eine klare Zukunftsperspektive für die deutschen Werke.

Das Land Niedersachsen hält 20 Prozent der Stimmrechte. Die Landesregierung hat bereits vorab signalisiert: Werksschließungen lehnt sie ab.

Arbeitnehmerseite und Land verfügen gemeinsam über die Mehrheit im Aufsichtsrat. Ein sofortiger Schließungsbeschluss gilt deshalb als unwahrscheinlich. Erwartet wird stattdessen eine grundsätzliche Richtungsentscheidung zum Sparkurs.

Xpeng-Autos aus deutschen Werken?

Volkswagen prüft eine ungewöhnliche Lösung für die Überkapazitäten in Europa. Nach Informationen regionaler Medien könnte der Konzern chinesische Elektroautos in deutschen Werken bauen lassen.

Konkret geht es um Modelle des Partners Xpeng, gefertigt in Zwickau oder Emden. Volkswagen und Xpeng kooperieren bereits bei Software und Fahrzeugarchitekturen. Eine solche Fertigung könnte die Auslastung der umgerüsteten E-Auto-Werke sichern.

Aktie nahe Jahrestief, Analysten sehen Konsolidierung

Die Volkswagen-Aktie schloss am Mittwoch bei 72,88 Euro. Seit Jahresbeginn verlor das Papier 31,31 Prozent. Damit notiert der Kurs nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 69,20 Euro vom 1. Juli.

Die technischen Signale zeigen die Verunsicherung deutlich. Zum 200-Tage-Durchschnitt fehlen 22,44 Prozent, zum 50-Tage-Durchschnitt 13,95 Prozent. Der RSI liegt bei 33,1 – nahe der überverkauften Zone.

Zu den strukturellen Problemen kommen schwache Zahlen. Im ersten Quartal 2026 brach der Nettogewinn um 28 Prozent ein, auf 1,56 Milliarden Euro. Zusätzlich beendete Volkswagen die Allianz mit Bosch beim autonomen Fahren.

Analysten werten diesen Schritt als Zeichen einer weiteren Konsolidierung der Forschungsbudgets. Die heutige Aufsichtsratssitzung dürfte zeigen, wie hart Blume seinen Sparkurs durchsetzen kann – und wie viel Widerstand Gewerkschaft und Landesregierung tatsächlich leisten.

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