Volkswagen Aktie: Aufsichtsrat entscheidet über Werksschließungen
Volkswagen legt dem Aufsichtsrat erneut einen Umbauplan vor, während Arbeitnehmervertreter Werksschließungen und zusätzlichen Stellenabbau ablehnen.

- Aufsichtsrat berät erneut über Umbauplan
- Betriebsrat warnt vor weiteren Arbeitsplatzrisiken
- Wolfsburg erhöht Verbrenner-Produktion vorerst
- Volkswagen-Aktie bleibt unter Jahreshoch
Drei Tage vor der entscheidenden Aufsichtsratssitzung spitzt sich der Konflikt bei Volkswagen zu. Der Betriebsrat verlangt Klarheit darüber, ob neben den bereits geplanten 50.000 Stellen bis 2030 weitere 50.000 Arbeitsplätze gefährdet sind. Der Vorstand bereitet parallel Gespräche mit regionalen Vertretern in Hannover, Osnabrück, Emden und Zwickau vor, Betriebsversammlungen sind für Ende August angesetzt gewesen.
Der Streit um das Tempo der Restrukturierung hat sich verschärft. Porsche SE, mit 53,3 Prozent der Stimmrechte größter Anteilseigner, drängt auf ein schnelleres Vorgehen. Im Juli war ein Sanierungspaket im Aufsichtsrat mit 12 zu 7 Stimmen gescheitert – ein deutliches Signal, dass die Arbeitnehmerseite dem Vorstand nicht bedingungslos folgt.
Nun liegt dem Kontrollgremium für die Sitzung am 4. September erneut ein Vorstandsplan mit Werksschließungen und Stellenabbau vor, dem die Arbeitnehmerseite einen eigenen Gegenentwurf entgegensetzt, der auf radikale Einschnitte verzichten soll.
Widersprüchliches Bild an den Standorten
Während in Wolfsburg über Werksschließungen verhandelt wird, fährt das Stammwerk gleichzeitig zusätzliche Schichten für Verbrenner-Modelle wie Tiguan, Golf, Touran und Tayron hoch – 16 Montageschichten plus Sonderschichten in Karosseriebau und Lackiererei.
Grund ist die anhaltend hohe Nachfrage nach Benzin- und Dieselfahrzeugen: Im ersten Quartal 2026 entfielen in der EU 30,3 Prozent der Neuzulassungen auf Verbrenner, nur 19,4 Prozent auf reine Batterie-Elektrofahrzeuge. Der Widerspruch zwischen kurzfristiger Auslastung und langfristigem Kapazitätsabbau dürfte die Diskussion im Aufsichtsrat zusätzlich verkomplizieren.
Zur Neuausrichtung zählt auch die Modelloffensive im Elektro- und Hybridsegment. Im vierten Quartal sollen Golf Hybrid und T-Roc Hybrid in Europa starten, im September folgt der ID.3 GTI als elektrischer Hot-Hatch.
Diese Produktpremieren ändern jedoch nichts an der Grundspannung: Die Belegschaft fürchtet, dass frühere Zusagen aus dem Tarifabschluss der IG Metall – keine Werksschließungen und keine betriebsbedingten Kündigungen bis Ende 2030 – aufgeweicht werden könnten.
Personalwechsel begleiten den Umbau
Auch auf der Führungsebene bewegt sich einiges. Zum 1. September übernimmt Nicole Kösling den Vorstand Personal & Organisation bei Volkswagen Group of America, während Ingrid Rieken, zuvor Personalchefin bei der verkauften Tochter Everllence, seit August den Personalbereich Fahrzeugbau in Wolfsburg verantwortet.
Thomas Edig, langjähriger Personalverantwortlicher in Sachsen und zuvor bei Volkswagen Nutzfahrzeuge, wurde in den Ruhestand verabschiedet. Die Neubesetzungen fallen in eine Phase, in der Personalfragen im Konzern besonders im Fokus stehen.
An der Börse zeigt sich die Aktie von den internen Spannungen bislang unbeeindruckt. Der Kurs schloss am Montag bei 77,20 Euro, nach einem Plus von 5,5 Prozent auf Wochensicht. Die Marke liegt weiterhin rund 29 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 109,10 Euro – ein Abstand, der die tiefsitzende Skepsis der Anleger gegenüber dem schleppenden Umbautempo widerspiegelt.
Am 4. September fällt im Aufsichtsrat die Entscheidung, ob der Vorstandsplan oder der Arbeitnehmer-Alternativvorschlag die Grundlage für den weiteren Konzernumbau bildet. Der nächste Ergebnisbericht ist für den 29. Oktober terminiert und dürfte zeigen, ob sich die Beschlüsse bereits in den Zahlen niederschlagen.
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