Volkswagen Aktie: Aufsichtsrat lehnt Sparplan mit 7 zu 19 ab

Volkswagens Aufsichtsrat lehnt das Sparpaket von CEO Blume ab. Werksschließungen und Stellenabbau bleiben umstritten, eine Entscheidung steht im September an.

Die Kernpunkte:
  • Sparpläne von Blume gescheitert
  • Niedersachsen und Arbeitnehmer stimmten dagegen
  • Bis zu 120.000 Stellen gefährdet
  • Absatz in China bricht massiv ein

Juli 2026 zu Fall gebracht. Nur sieben der 19 Kontrolleure stimmten für den Plan, zwölf votierten dagegen. Arbeitnehmervertreter und das Land Niedersachsen sorgten gemeinsam für die Ablehnung. Blume kündigte dennoch an, an der „umfassendsten Neuausrichtung der Konzerngeschichte“ festzuhalten. Eine endgültige Entscheidung soll erst im September fallen.

Widerstand von Arbeitnehmern und Land Niedersachsen

Der Vorstand hatte vorgeschlagen, die Modellpalette außerhalb Chinas bis 2035 zu halbieren und die Variantenvielfalt um bis zu 75 Prozent zu reduzieren. Die Produktionskapazität soll von zuletzt rund 10 Millionen auf 9 Millionen Fahrzeuge pro Jahr sinken. Medienberichten zufolge stehen bis zu 120.000 Stellen weltweit zur Disposition, vier deutsche Werke gelten als gefährdet: Hannover, Emden, Zwickau und Audi Neckarsulm. Eine Garantie für den Fortbestand dieser Standorte gibt es derzeit nicht.

Das VW-Gesetz von 1960 räumt Niedersachsen bei Werksschließungen ein Vetorecht ein – genau dieses Instrument nutzte das Land nun gegen Blumes Plan. Betriebsratschefin Daniela Cavallo stellte dem Vorstand ein Ultimatum bis Freitag. Bleibt eine Klärung aus, drohen nach der Sommerpause außerordentliche Betriebsversammlungen. IG Metall organisierte bereits Protestaktionen an rund 20 Standorten. Finanzvorstand Arno Antlitz machte deutlich, dass reine Kostensenkungen aus seiner Sicht nicht ausreichen und eine grundlegende Neuausrichtung nötig sei.

Automobilexperten sehen unterschiedliche Wege aus der Krise. Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management hält die Schließung von zwei Standorten für ausreichend, um die Überkapazitäten in den Griff zu bekommen. Analyst Frank Schwope rechnet dagegen nicht mit einer Schließung von Emden und Zwickau und verortet einen möglichen Stellenabbau eher in den 2030er-Jahren. Als Alternative zu Werksschließungen wird zudem eine Vier-Tage-Woche diskutiert.

Schwacher Absatz verschärft den Druck

Die Zahlen liefern den Hintergrund für die Dringlichkeit des Umbaus. Im zweiten Quartal 2026 lieferte der Konzern weltweit 2,08 Millionen Fahrzeuge aus, ein Rückgang von 8,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Besonders schwer wiegt der Einbruch in China: Dort brachen die Auslieferungen um 36,6 Prozent auf 424.300 Fahrzeuge ein. Die Kernmarke Volkswagen verlor 14 Prozent auf 1,02 Millionen Einheiten, Porsche sackte um 18 Prozent auf 61.300 Fahrzeuge ab, Audi gab um 8 Prozent auf 367.000 nach. Einzig Skoda konnte mit einem Plus von 4,8 Prozent auf 283.800 Fahrzeuge gegen den Trend wachsen.

Im gesamten ersten Halbjahr 2026 lieferte der Konzern 4,13 Millionen Fahrzeuge aus, ein Minus von 6 Prozent. China verzeichnete dabei einen Rückgang von 26 Prozent, die USA gaben um 3 Prozent nach. Bei den vollelektrischen Modellen kamen weltweit 438.500 Auslieferungen zusammen, ebenfalls 6 Prozent weniger als im Vorjahr. Immerhin: In Europa legten die BEV-Auslieferungen um 8 Prozent zu, der Auftragsbestand für reine Elektrofahrzeuge liegt dort mittlerweile 50 Prozent über dem Niveau von Ende 2025. Für die neue günstige Elektro-Modellfamilie mit VW ID. Polo, Skoda Epiq und Cupra Raval gingen bereits mehr als 54.000 Bestellungen ein.

Auf der Ertragsseite zeigte bereits das erste Quartal 2026 die Belastung: Der Nettogewinn brach um 28 Prozent auf 1,56 Milliarden Euro ein, der Umsatz sank um 2 Prozent auf 75,7 Milliarden Euro.

Kursverlauf spiegelt die Unsicherheit

Die Aktie schloss am Freitag bei 71,06 Euro und gab damit um 1,31 Prozent nach. Auf Wochensicht steht ein Minus von 5,25 Prozent zu Buche, über 30 Tage summiert sich der Rückgang auf 17,85 Prozent. Seit Jahresbeginn hat das Papier fast ein Drittel an Wert verloren, konkret 33,03 Prozent. Auf Zwölfmonatssicht beträgt das Minus 24,45 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 109,10 Euro, erreicht am 15. Dezember 2025, trennen die Aktie mittlerweile 34,87 Prozent. Zum erst kürzlich markierten 52-Wochen-Tief von 69,20 Euro vom 1. Juli 2026 beträgt der Abstand dagegen nur noch 2,69 Prozent.

Auch die technischen Indikatoren signalisieren anhaltenden Verkaufsdruck: Der Kurs liegt 15,51 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 84,11 Euro und 24,22 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 93,78 Euro. Der Relative-Stärke-Index von 30,2 deutet auf eine überverkaufte Aktie hin, während die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 32,21 Prozent die Nervosität der Anleger unterstreicht. Die Marktkapitalisierung beläuft sich derzeit auf umgerechnet 34,72 Milliarden Euro. Wie es mit dem Umbau weitergeht, dürfte sich erst nach den für September angesetzten weiteren Beratungen im Aufsichtsrat zeigen.

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