Volkswagen Aktie: Belegschaft pfeift Blume aus
Bei Volkswagen prallen Umbaupläne und Arbeitnehmerwiderstand aufeinander, während die Vorzugsaktie trotz Belastungen zuletzt zulegte.

- Über 10.000 Beschäftigte buhten Konzernchef Blume aus
- Arbeitnehmerseite präsentierte eigenen Umbauplan
- Vier Werke stehen zur Diskussion
- Vorzugsaktie legte binnen einer Woche zu
Der Unmut in der Volkswagen-Belegschaft entlädt sich offen. Bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg am Mittwoch pfiffen über 10.000 Beschäftigte Konzernchef Oliver Blume aus. Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo kritisierte die Konzernführung frontal. Blume selbst nannte die Lage „mehr als kritisch“, relativierte die diskutierten Werksschließungen aber als „theoretische Rechengröße“.
Die Versammlungen in Wolfsburg sowie tags darauf in Emden und Zwickau markierten den Auftakt einer Serie an neun deutschen Standorten, bei der der Vorstand seine Umbaupläne der Belegschaft direkt vorstellt. Der Ton dabei war deutlich schärfer als in den offiziellen Verlautbarungen der vergangenen Wochen.
Aufsichtsrat vor Grundsatzentscheidung
Parallel dazu eskaliert der Machtkampf auf Kontrollebene. Die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat legte am Samstag einen Alternativplan vor, der die Vorstandspläne für Werksschließungen offen in Frage stellt. Die nächste Aufsichtsratssitzung ist für den 4. September angesetzt – dort dürfte sich entscheiden, wie weit der Konzern bei seinem angekündigten Stellenabbau und der Reduzierung der Modellpalette tatsächlich gehen kann.
Der Konflikt dreht sich im Kern um das vor rund zwei Wochen vorgestellte Strategiekonzept zur Neuausrichtung, mit dem Volkswagen die Overhead-Kosten von rund 45 auf etwa 34 Milliarden Euro drücken will.
Bis zu 50.000 zusätzliche Stellen stehen weltweit zur Disposition, zusätzlich zu dem bereits 2024 beschlossenen Abbau in gleicher Höhe. Vier Werke – Hannover, Zwickau, Emden und Audi Neckarsulm – stehen dabei zur Diskussion. Genau an diesem Punkt setzt der Gegenentwurf der Arbeitnehmervertreter an.
Zusätzlichen Druck erzeugt die Tochter Audi: Medienberichten zufolge kappte sie am Donnerstag ihre eigene Jahresguidance – ein Signal, dass der Gegenwind aus dem chinesischen Markt und der schwächelnden Nachfrage auch die Kernmarken des Konzerns über Volkswagen hinaus trifft.
Kurs trotzt den schlechten Nachrichten
Bemerkenswert ist die Reaktion der Börse auf diese Gemengelage. Die Vorzugsaktie schloss am Freitag bei 77,04 Euro, ein Plus von 3,1 Prozent gegenüber dem Vortag.
Auf Wochensicht steht ein Anstieg von 4,7 Prozent zu Buche, ein expliziter Auslöser für diesen jüngsten Sprung lässt sich aus der Nachrichtenlage nicht ableiten. Anleger scheinen die Aussicht auf den Aufsichtsrats-Showdown am 4. September eher als Chance auf Klarheit denn als Risiko zu werten.
Auf Jahressicht bleibt die Aktie mit einem Minus von 26 Prozent dennoch tief im roten Bereich, der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 109,10 Euro beträgt 29 Prozent.
Seit dem Verkauf der Großmotorentochter Everllence an Bain Capital, den die EU-Kommission vor rund zwei Wochen genehmigte, hat sich der Kurs bereits um 4,5 Prozent erholt – ein Hinweis darauf, dass der Markt konkrete Fortschritte beim Konzernumbau goutiert, auch wenn der innerbetriebliche Widerstand wächst.
Für Anleger bleibt die Gemengelage widersprüchlich: Operativ belastet der China-Einbruch mit einem Rückgang der Auslieferungen von 26 Prozent im ersten Halbjahr, während die Kapitalmarktreaktion auf Strukturmaßnahmen positiv ausfällt. Der 4. September dürfte zeigen, ob sich Vorstand und Arbeitnehmerseite auf einen gemeinsamen Weg einigen – oder ob der Machtkampf den Umbau weiter verzögert.
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