Volkswagen Aktie: Benner bezweifelt Umbauziele

Volkswagens Aufsichtsrat billigt den Umbau, doch IG-Metall-Chefin Benner zweifelt an den Zielen; vier Werke bleiben bis 2027 ungeklärt.

Die Kernpunkte:
  • Benner stellt Renditeziele infrage
  • Vier deutsche Werke bleiben offen
  • Xpeng als möglicher Partner genannt
  • Volkswagen-Aktie legt wöchentlich 5,2 Prozent zu

Der Kurssprung ist da, die Zweifel bleiben. Nachdem der Aufsichtsrat von Volkswagen den „Zukunftsplan 2030“ gebilligt hat, meldet sich mit Christiane Benner ausgerechnet die Vizechefin des Kontrollgremiums kritisch zu Wort. Die IG-Metall-Chefin bezweifelt, dass die vereinbarten Rendite- und Kostensenkungsziele überhaupt erreichbar sind. Der Aufsichtsrat wolle das in einer eigenen Planungsrunde noch einmal prüfen.

Kampf um jedes Werk

Benner kündigte an: „Wir werden um jedes Werk hart kämpfen.“ Damit richtet sich der Blick erneut auf die vier deutschen Standorte Emden, Hannover, Neckarsulm und Zwickau, deren Zukunft ab 2031 offen ist. Zugleich bringt Benner einen überraschenden Vorschlag ins Spiel: Ein Unternehmen wie der chinesische Hersteller Xpeng könnte für deutsche Werke interessant sein, etwa über Joint Ventures.

Eine automatische Kopplung des angekündigten Stellenabbaus an Werkschließungen gebe es aus ihrer Sicht nicht – die genannten 50.000 zusätzlichen Stellen seien vielmehr eine Rechengröße, kein fixer Beschluss.

Am Standort Emden sorgt das für gemischte Reaktionen. Betriebsrat Manfred Wulff verweist auf einen Tarifvertrag aus dem Jahr 2024, der dem Werk mit seinen 7.700 Beschäftigten die Produktion von ID.4 und Tiguan bis mindestens 2031 zusichert. Die Tür für den Standort sei damit nicht zu, so Wulff. Das Land Niedersachsen, das über seine Beteiligung an Volkswagen mitentscheidet, stellt sich hinter den Standort.

Konzern zwischen Konsolidierung und Konfliktlinien

Der Konflikt zeigt, wie fragil der intern gefeierte Kompromiss tatsächlich ist. Formal hat der Aufsichtsrat einstimmig zugestimmt, die Ausgliederung der Kernmarke ist vom Tisch.

Doch die konkrete Ausgestaltung für die vier gefährdeten Werke soll erst bis Juni 2027 stehen – ein langer Zeitraum, in dem Belegschaften, Kommunen und Landesregierungen weiter um Zusagen ringen dürften. Sachsens Ministerpräsident zeigte sich zuletzt zuversichtlich für den Erhalt des Werks Zwickau, während andere Kommunen skeptischer bleiben.

Für Anleger bedeutet das: Die grundsätzliche Marschrichtung – Konzentration der Modellpalette, Abbau von Komplexität, ein Renditeziel von 9 Prozent bis 2030 – steht. Doch die Details, insbesondere zu Werksschließungen und der tatsächlichen Zahl betroffener Stellen, bleiben Verhandlungssache zwischen Management, Betriebsrat und Politik.

Genau diese Unsicherheit könnte den bisherigen Kursgewinn belasten, sollte sich abzeichnen, dass die vereinbarten Ziele intern stärker angezweifelt werden als am Tag der Einigung kommuniziert.

Die Vorzugsaktie von Volkswagen schloss am Freitag bei 81,30 Euro, nach einem Plus von 2,4 Prozent auf Tagesbasis. Auf Wochensicht steht ein Anstieg von 5,2 Prozent zu Buche, verglichen mit dem 52-Wochen-Hoch von 109,10 Euro liegt das Papier aber weiterhin rund ein Viertel im Minus.

Die Marktkapitalisierung beläuft sich auf gut 35 Milliarden Euro – ein Wert, der zeigt, wie sehr der Konzern trotz der jüngsten Erholung von seiner Bewertung vor der Krise entfernt bleibt.

Ob Benners Zweifel den Umbauplan tatsächlich noch einmal ins Wanken bringen, dürfte sich in den kommenden Monaten in der angekündigten Planungsrunde zeigen. Für die vier deutschen Werke bedeutet das: Die Entscheidung ist vertagt, nicht getroffen.

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