Volkswagen Aktie: Bis zu 50.000 Stellen in Gefahr

Volkswagen plant umfassende Restrukturierung mit möglichem Stellenabbau. Analysten senken Kursziele, die Aktie verliert seit Jahresbeginn 30 Prozent.

Die Kernpunkte:
  • Konzern kündigt tiefgreifenden Sanierungskurs an
  • Bis zu 50.000 Stellen möglicherweise betroffen
  • Vier deutsche Werke ohne wettbewerbsfähige Auslastung
  • VW-Aktie verliert seit Jahresbeginn 30 Prozent

Der Volkswagen-Konzern steht vor einer der schwierigsten Phasen seiner Unternehmensgeschichte. Vorstandschef Oliver Blume hat die Belegschaft in den vergangenen Tagen sowohl intern als auch öffentlich auf einen tiefgreifenden Sanierungskurs eingeschworen. Er bezeichnete die aktuelle Situation als „mehr als kritisch“ und betonte, dass die kommenden Wochen entscheidend für die Neuausrichtung des Autobauers sein werden.

Hinter den Kulissen bereitet das Management offenbar den größten Umbau in der Historie des Wolfsburger Konzerns vor, der weitreichende Konsequenzen für die deutschen Standorte und Zehntausende Arbeitsplätze haben könnte.

Drastische Kostensenkungen und Sorgen um Standorte

Die Ursachen für den verschärften Sparkurs liegen unter anderem in einer mangelnden Wettbewerbsfähigkeit der Verwaltung und Produktion. Laut Reuters wies Blume in einer internen Mitteilung darauf hin, dass die Gemeinkosten bei Volkswagen mehr als 30 Prozent über dem Niveau vergleichbarer Wettbewerber liegen.

Besonders besorgniserregend ist die Prognose für die deutschen Fertigungsstätten: Vier Werke werden voraussichtlich auch in den 2030er-Jahren keine wettbewerbsfähige Auslastung erreichen.

Medienberichten zufolge könnten die geplanten Restrukturierungsmaßnahmen bis zu 50.000 Stellen betreffen. Dabei stehen insbesondere die Standorte Emden, Hannover, Zwickau sowie das Audi-Werk in Neckarsulm im Fokus der Debatte.

Der Konzern bereitet die Mitarbeiter bereits auf umfangreiche Einschnitte vor, wofür bis Ende des Monats mehrere außerordentliche Versammlungen an den deutschen Standorten angesetzt wurden. Parallel dazu wird an einer Neuaufstellung des US-Geschäfts gearbeitet, die unter anderem die Einführung eines elektrischen Pick-ups bis zum Jahr 2030 vorsieht.

Kritik der Belegschaft und politischer Druck

Innerhalb des Unternehmens wächst der Widerstand gegen die Pläne des Vorstands. Die Beschäftigten kritisierten am Montag in einem internen Werkstattrats-Artikel eine „katastrophale externe Kommunikation“ der Konzernführung.

Die Belegschaft zeigt sich zutiefst beunruhigt über die Zukunft der Standorte sowie die Fortführung von Abfindungsprogrammen und Frühverrentungsmodellen. Blume forderte die Mitarbeiter unterdessen zu Geschlossenheit auf, um den bevorstehenden Umbruch gemeinsam zu bewältigen.

Auch die Politik schaltet sich zunehmend in die Krise ein. Der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies forderte nach Gesprächen mit Betriebsräten und Gewerkschaften einen stärkeren Einsatz der Anteilseigner, um die Zukunft des Automobilherstellers abzusichern.

Das Land Niedersachsen ist traditionell einer der wichtigsten Großaktionäre des Konzerns und spielt bei strategischen Entscheidungen eine Schlüsselrolle. Eine erste wichtige Wegmarke für den weiteren Kurs wird die Aufsichtsratssitzung am 4. September sein, auf der die Umbaupläne detailliert aufgearbeitet werden sollen.

Analysten reagieren auf den Abwärtstrend

Am Kapitalmarkt spiegelt sich die angespannte Lage in einer schwachen Kursentwicklung wider. Die Volkswagen-Aktie beendete den gestrigen Handelstag bei 73,34 Euro. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus damit auf 30 Prozent. Damit notiert das Papier derzeit 19 Prozent unter seinem gleitenden Durchschnitt der letzten 200 Tage, was den anhaltenden negativen Trend untermauert.

Analysten haben ihre Erwartungen zuletzt nach unten angepasst. Christian Frenes von Goldman Sachs senkte am Dienstag das Kursziel für die Vorzugsaktie von 89 auf 88 Euro und beließ die Einstufung auf „Neutral“. Als Gründe nannte der Experte neben den jüngsten Geschäftszahlen auch die Einschätzungen zum China-Geschäft sowie die Erwartungen an die Tochtergesellschaften Porsche AG und Traton.

Bereits am 14. August hatte RBC das Kursziel leicht von 121 auf 120 Euro reduziert, hält jedoch an der Einstufung „Outperform“ fest. Die Marktteilnehmer blicken nun gespannt auf die kommenden Tage, an denen die konkrete Ausgestaltung der Restrukturierung deutlicher werden dürfte.

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