Volkswagen Aktie: Blume droht Sonder-Hauptversammlung

VW-Chef Blume erhöht Druck auf Kontrollgremium: Ohne Zustimmung zum Sparplan droht eine Sonder-Hauptversammlung. Der Sparkurs sieht tiefe Einschnitte vor.

Die Kernpunkte:
  • Blume pocht auf strikten Sparkurs
  • Mögliche Werkschließungen und Stellenabbau
  • Ausstieg aus Diesel-Motor EA288 geplant
  • Aktie nahe 52-Wochen-Tief erholt

Oliver Blume erhöht den Druck auf die eigenen Kontrollgremien. Der Volkswagen-Chef pocht auf seinen Sparkurs. Lehnt der Aufsichtsrat die Pläne ab, droht er offenbar mit einer Sonder-Hauptversammlung.

Machtkampf um den Sparkurs

Am kommenden Donnerstag, dem 9. Juli 2026, tagt der Aufsichtsrat. Blume will dort sein Sparprogramm durchsetzen. Verwässern die Kontrolleure die Maßnahmen zu stark, könnte er die Aktionäre direkt einschalten.

Das Programm hat es in sich. Bis zu 100.000 Stellen stehen zur Disposition, das wären rund 15 Prozent der weltweiten Belegschaft. Werke in Hannover, Zwickau, Emden und Neckarsulm könnten geschlossen werden.

Die Investitionen sollen um 15 Prozent auf 130 Milliarden Euro sinken. Der Grund: Die operative Rendite fiel 2025 auf etwa 3 Prozent. Blume will damit gegensteuern.

Abschied vom Diesel-Motor EA288

Parallel zum Sparkurs treibt Volkswagen den technischen Umbau voran. Der Konzern bereitet den Ausstieg aus dem 2,0-TDI-Dieselmotor der Baureihe EA288 in Europa vor. Euro-7-Vorgaben und wiederkehrende technische Probleme bei Kühlung und SCR-Systemen zwingen zum Umdenken.

Ab dem vierten Quartal 2026 sollen Hybridantriebe mit 136 bis 170 PS den Diesel ersetzen. Der T-Roc wird voraussichtlich das erste Modell ganz ohne Diesel-Option. In China setzt Volkswagen dagegen auf Wachstum: 13 neue Elektromodelle sollen 2026 verlorene Marktanteile zurückholen.

Charttechnisch angeschlagen, aber stabilisiert

Die Aktie schloss am Freitag bei 75,00 Euro, ein Plus von 2,60 Prozent. Auf Wochensicht steht ein leichtes Plus von 0,81 Prozent, auf Monatssicht bleibt ein Minus von fast 16 Prozent. Seit Jahresbeginn hat der Titel knapp 29 Prozent verloren.

Erst am 1. Juli markierte die Aktie mit 69,20 Euro ein neues 52-Wochen-Tief. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 85,44 Euro fehlen noch gut 12 Prozent. Der RSI von 35,8 signalisiert eine überverkaufte Marktlage – ein Hinweis auf möglichen Erholungsspielraum, aber keine Garantie.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 109,10 Euro aus dem Dezember trennen den Titel noch mehr als 31 Prozent. Diese Distanz zeigt, wie tief der Vertrauensverlust bei Investoren sitzt.

Belastender Branchenrahmen

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer warnt vor einer mehrjährigen Durststrecke für den Standort Deutschland. Hohe Energiekosten und Bürokratie drosseln die Produktion seit Jahren. Von 5,6 Millionen Fahrzeugen im Jahr 2014 ist die Fertigung auf zuletzt unter 4,1 Millionen Einheiten gesunken.

Die Aufsichtsratssitzung am 9. Juli entscheidet, ob Blume seinen Sanierungskurs ohne Blockaden der Arbeitnehmervertreter durchsetzen kann. Verweigert das Gremium die Zustimmung, steht die angedrohte Sonder-Hauptversammlung als nächster Schritt im Raum.

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