Volkswagen Aktie: Blume vor neun Betriebsversammlungen

VW-Betriebsrat fordert Konzernchef Blume zu neun außerordentlichen Versammlungen. Bis zu 140.000 Stellen sind gefährdet.

Die Kernpunkte:
  • Neun außerordentliche Betriebsversammlungen im August
  • Bis zu 140.000 Stellen wackeln
  • China-Joint-Venture als mögliche Lösung für Zwickau
  • VW-Aktie fällt auf Jahrestief

Nachdem Konzernchef Oliver Blume ein Ultimatum des Betriebsrats verstreichen ließ, lädt die Arbeitnehmervertretung ihn nun zu insgesamt neun außerordentlichen Betriebsversammlungen zwischen dem 25. und 31. August ein. Blume soll persönlich in Wolfsburg (25. August), Emden und Zwickau (26. August) sowie in Hannover (31. August) vor die Belegschaft treten. In Wolfsburg, Emden und Zwickau wird er dabei von Markenchef Schäfer begleitet.

140.000 Stellen in der Diskussion

Der Betriebsrat rechnet vor, dass bis zu 140.000 Stellen im Konzern gefährdet sein könnten. Blume selbst hatte zuvor 50.000 zusätzliche Stellenstreichungen weltweit als Worst-Case-Szenario genannt – zusätzlich zu bereits angekündigten Einschnitten bis 2030. Besonders betroffen sind laut Betriebsrat die Werke Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm, die in den 2030er Jahren ohne wettbewerbsgerechte Auslastung dastehen könnten. Der Aufsichtsrat berät bereits seit Mitte Juli über die Sparmaßnahmen, eine weitere Sitzung ist für den 4. September angesetzt. Blume betont, er wolle Werksschließungen vermeiden und verweist darauf, die Fabrikkosten 2025 bereits um ein Fünftel gesenkt zu haben. Die Modellpalette soll um bis zu die Hälfte schrumpfen, um Überkapazitäten abzubauen.

Die Süddeutsche Zeitung beschreibt den Konzern angesichts der widerstreitenden Interessen von Familien Porsche und Piëch, Betriebsrat, dem Land Niedersachsen und Großaktionär Katar als kaum noch regierbar – ein Kompromiss sei zwingend nötig, um die Blockade aufzulösen. Die Berliner Zeitung beziffert die weltweit geplanten Stellenstreichungen bis 2030 auf 100.000, wovon in Deutschland vier Werke mit rund 40.000 Beschäftigten betroffen seien.

China-Joint-Venture als Rettungsanker für Zwickau

Eine mögliche Lösung für das sächsische Werk Zwickau zeichnet sich über ein Joint Venture mit einem chinesischen Hersteller ab. Sachsens Wirtschaftsminister Panter (SPD) schlägt vor, die EU-Zölle auf chinesische Elektroautos zu verdoppeln, um ein solches Joint Venture für Zwickau wirtschaftlich attraktiver zu machen. Volkswagen prüft parallel, chinesische Modelle künftig in Europa zu produzieren. Der Automobilexperte Bratzel dämpft laut NDR jedoch die Erwartungen: Chinesische Hersteller bevorzugten in der Regel günstigere Produktionsstandorte wie Ungarn, Portugal oder die Türkei – eine dauerhafte Lösung für die deutschen Werke sei eine Fremdproduktion damit nicht. Der ADAC bewertet chinesische Elektroautos immerhin als qualitativ gleichwertig zu europäischen Modellen.

Zusätzliche Unsicherheit bringt die Personalfrage im Vorstand. Die als Personalvorstandskandidatin gehandelte Erika Rasch von Bosch ist vorerst an den Bedingungen des Postens gescheitert, die Position bleibt unbesetzt – ausgerechnet in der Phase, in der der Konzern seinen größten Personalabbau der jüngeren Geschichte verhandeln muss.

Aktie bleibt unter Druck

An der Börse spiegelt sich die angespannte Lage in der Kursentwicklung wider. Die Volkswagen-Vorzugsaktie schloss am Freitag bei 73,26 Euro und liegt damit seit Jahresbeginn 29,66 Prozent im Minus. Zugleich notiert das Papier nur noch 5,87 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 69,20 Euro, das erst Anfang Juli markiert wurde. Die kommenden Betriebsversammlungen dürften zeigen, ob Blume die Belegschaft von seinem Sanierungskurs überzeugen kann – oder ob der Konflikt mit Betriebsrat und Standorten weiter eskaliert.

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