Volkswagen Aktie: China als Rettungsanker

Niedersachsens Ministerpräsident schlägt vor, in China entwickelte VW-Fahrzeuge in Deutschland zu produzieren, um Werksschließungen zu verhindern.

Die Kernpunkte:
  • Sparplan sieht bis zu 100.000 Stellenstreichungen vor
  • Vier deutsche Werke von Schließung bedroht
  • China-Entwicklungen sollen deutsche Produktion sichern
  • Aufsichtsrat berät am 9. Juli über Zukunftskurs

Während der Konzern intern an einem Sparplan arbeitet, der bis zu 100.000 Stellen kosten könnte, zeigt Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies einen ungewöhnlichen Ausweg: In China entwickelte VW-Modelle sollen künftig in deutschen Werken gebaut werden — um Auslastung zu sichern, statt Standorte zu schließen.

Verschärfter Sparkurs trifft auf breiten Widerstand

Der Auslöser der aktuellen Debatte ist ein Medienbericht, der ein neues „Zielbild 2030“ skizziert: Die Zahl der Fahrzeugmodelle soll von 150 auf unter 100 sinken, die Investitionen über fünf Jahre um 15 Prozent gekürzt werden. Vier Werke — Hannover, Zwickau, Emden und der Audi-Standort Neckarsulm — könnten mittelfristig schließen. Das wären mehr als 45.000 Stellen, die allein durch Werksstilllegungen wegfielen. Der Aufsichtsrat soll am 9. Juli darüber beraten.

Die Reaktion war prompt. IG Metall und Betriebsrat kündigten an, solche Pläne „mit aller Macht“ zu verhindern. Das Land Niedersachsen — mit 20 Prozent der Stimmrechte beteiligt und mit Veto-Recht ausgestattet — lehnte Werksschließungen kategorisch ab. Im Aufsichtsrat haben Arbeitnehmervertreter und Niedersachsen gemeinsam die Mehrheit. Konzernchef Oliver Blume hat also keinen leichten Weg vor sich.

Immerhin: Von den bisher angekündigten 50.000 Stellen, die bis 2030 abgebaut werden sollen, sind bereits mehr als 37.000 Austritte vertraglich abgesichert — knapp drei Viertel des vereinbarten Abbaus.

Lies‘ Gegenmodell: China-Know-how nach Wolfsburg

Interessanter als die bekannten Spardebatten ist Lies‘ Vorschlag, die China-Strategie umzukehren. Statt Produktion aus Deutschland zu verlagern, sollen Fahrzeuge, die VW gemeinsam mit Partnern wie XPeng und SAIC in China entwickelt, auch in Europa gefertigt werden. Der Konzern ist seit 42 Jahren in China aktiv und produziert dort in normalen Jahren rund drei Millionen Fahrzeuge jährlich.

Das Argument ist schlüssig: Leere Werke kosten Fixkosten, chinesische Technologiepartner liefern Modelle, die auf dem europäischen Markt wettbewerbsfähig sein könnten. Eine Abschottung gegenüber chinesischen Innovationen sei der falsche Weg, so Lies — besser, man nutze sie für deutsche Arbeitsplätze.

Ob sich das im Aufsichtsrat am 9. Juli als tragfähiges Gegenmodell zum harten Sparkurs durchsetzen lässt, hängt auch davon ab, wie konkret Blume seine Pläne vorlegt. Bisher hat der Konzern Details bewusst offengehalten — die Sitzung im Juli wird zeigen, ob aus dem „Zielbild 2030“ ein Beschluss wird.

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