Volkswagen Aktie: China belastet
Volkswagen meldet starkes Wachstum bei Elektroautos in Europa, während die Verkäufe im Schlüsselmarkt China um 44 Prozent einbrechen. Diese regionale Schieflage belastet den Aktienkurs.

- Starker Elektroauto-Zuwachs von 32 Prozent weltweit
- Europa-BEVs steigen um 66 Prozent, China-BEVs fallen 44 Prozent
- Gesamtabsatz im vierten Quartal geht um 4,9 Prozent zurück
- Aktienkurs signalisiert überverkaufte Lage mit RSI von 27,8
Volkswagen meldet stabile Auslieferungen für 2025, doch unter der Oberfläche klafft eine deutliche Lücke: Europa treibt das Wachstum bei E-Autos, während China spürbar an Dynamik verliert. Für den Kurs ist diese Schieflage kein Randthema, sondern der zentrale Belastungsfaktor. Wie stark überlagert der Einbruch im wichtigsten Einzelmarkt den europäischen BEV-Erfolg?
Gestern schloss die Vorzugsaktie bei 97,30 Euro und liegt damit rund 11 % unter ihrem 52‑Wochen-Hoch – ein Zeichen dafür, dass die Börse die Risiken inzwischen klar einpreist.
Die Fakten im Überblick
- Weltweite Auslieferungen 2025: 8,98 Mio. Fahrzeuge (-0,5 %)
- BEV-Auslieferungen: +32 % auf 983.100 Einheiten
- BEV-Anteil am Gesamtabsatz: 10,9 % (Vorjahr: 8,2 %)
- Europa-BEVs: +66 % auf 742.800 Fahrzeuge
- China-BEVs: -44 % auf 115.500 Fahrzeuge
- China-Gesamtabsatz Q4: -17,4 % gegenüber Vorjahr
- Nordamerika-Gesamtabsatz Q4: -17,4 %
- Traton-Auslieferungen: -8,6 % auf 305.600 Einheiten
Der Aktienkurs liegt mit etwa 97 Euro knapp unter dem 100‑Tage-Durchschnitt (97,88 Euro). Der RSI von 27,8 signalisiert einen überverkauften Zustand, was die jüngste Schwächephase unterstreicht.
BEV-Offensive trägt – vor allem in Europa
Auf Konzernebene hält Volkswagen den Gesamtabsatz 2025 mit 8,98 Millionen ausgelieferten Fahrzeugen nahezu stabil. Der eigentliche Fortschritt liegt in der Elektromobilität.
Die BEV-Sparte wächst deutlich: 983.100 batterieelektrische Fahrzeuge bedeuten ein Plus von 32 %. Der Anteil von BEVs am Gesamtabsatz steigt auf 10,9 % und überschreitet damit die symbolisch und regulatorisch wichtige Zehn-Prozent-Marke. Für die CO₂-Ziele in Europa ist das ein Meilenstein.
Besonders Europa sticht hervor:
- Die BEV-Auslieferungen klettern hier um 66 % auf 742.800 Fahrzeuge.
- Die Bestellungen liegen 55 % über Vorjahr.
- Der Auftragsbestand umfasst über 200.000 BEVs und sorgt für gute Sichtbarkeit in das erste Halbjahr 2026.
Auch innerhalb des Markenportfolios gibt es klare Gewinner:
Skoda steigert seine BEV-Auslieferungen um 120 % auf 174.900 Einheiten. Porsche legt um 57,8 % auf 61.700 Fahrzeuge zu, Audi um 35,6 % auf 223.000 BEVs. Das zeigt, dass die Plattformstrategie im europäischen Markt durchaus greift.
Laut einer EY-Studie baut Volkswagen seinen Marktanteil bei E-Autos in Deutschland auf 43 % aus, während Tesla dort deutlich zurückfällt. Das stützt die Fokussierung auf das europäische BEV-Geschäft.
China und Nutzfahrzeuge als Bremsklötze
Die Kehrseite des Erfolgs liegt klar in China. Dort brechen die BEV-Verkäufe um 44 % auf 115.500 Einheiten ein. Im vierten Quartal liegt der gesamte Fahrzeugabsatz über alle Antriebsarten hinweg 17,4 % unter dem Vorjahresniveau. Das ist mehr als ein Dämpfer: Der Druck durch lokale Wettbewerber bei Technik und Preisen schlägt direkt in die Stückzahlen durch.
Auch in Nordamerika zeigt sich zum Jahresende Schwäche. Trotz eines BEV-Wachstums von 46 % im Gesamtjahr verzeichnet die Region im vierten Quartal ebenfalls einen Absatzrückgang von 17,4 %. Die Zahlen spiegeln eine abkühlende Konjunktur und Zurückhaltung bei größeren Anschaffungen wider.
Zusätzlich steht die Nutzfahrzeugsparte unter Druck. Die Lkw-Tochter Traton (mit Marken wie MAN und Scania) meldet für 2025 einen Absatzrückgang von 8,6 % auf 305.600 Einheiten. An der Börse führte das gestern zu einem Kursverlust der Traton-Aktie von rund 4 %. Damit zeigt sich: Zyklische Bereiche wie Trucks reagieren besonders sensibel auf die schwächere wirtschaftliche Lage.
Marktreaktion und Ausblick auf die Zahlen
Die Mischung aus starkem BEV-Wachstum in Europa und deutlicher Schwäche in China sorgt für ein fragiles Gesamtbild. Konzernweit geht der Absatz im vierten Quartal um 4,9 % zurück – ein Hinweis darauf, dass die globale Konjunkturbelastung inzwischen auch bei Volkswagen angekommen ist.
Am Aktienmarkt bleibt das nicht ohne Folgen:
- Die Aktie notiert mit 97,30 Euro gut 8 % unter dem Stand zu Jahresbeginn.
- Der Abstand zum 50‑Tage-Durchschnitt von 102,35 Euro beträgt knapp 5 %, was die jüngste Korrekturphase verdeutlicht.
- Der Kurs bewegt sich nur geringfügig über dem 200‑Tage-Durchschnitt (96,61 Euro) und testet damit einen zentralen mittelfristigen Unterstützungsbereich.
Charttechnisch ist die Zone um 97 Euro eine wichtige Marke. Ein nachhaltiger Rutsch darunter würde aus technischer Sicht den Weg in Richtung der Jahrestiefs öffnen. Gleichzeitig signalisiert der niedrige RSI, dass die Verkaufswelle bereits weit fortgeschritten ist.
Fundamental rückt nun der 10. März 2026 in den Mittelpunkt. Dann legt Volkswagen die vollständigen Finanzkennzahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2025 vor. Entscheidend wird sein, wie sich:
- der Margendruck aus dem Preiskampf in China,
- die höheren BEV-Anteile in Europa,
- und die Schwäche bei Traton
in den Ergebnissen niederschlagen.
Die Berenberg Bank bleibt trotz der aktuellen Unsicherheiten konstruktiv und bestätigt ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 118 Euro – ausgehend vom aktuellen Niveau entspricht das einem Aufwärtspotenzial von gut 20 %. Ob der Markt diese Sicht teilt, dürfte maßgeblich davon abhängen, ob Volkswagen im März überzeugend darlegen kann, wie die Gruppe den Spagat zwischen profitabler Elektromobilität in Europa und der Neuaufstellung in China meistern will.
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