Volkswagen Aktie: Gericht drückt beim Dieselprozess auf Pause

Der Prozess gegen drei frühere Führungskräfte pausiert bis zum 5. November; Europas Elektroauto-Bestellungen legten um 39 Prozent zu.

Die Kernpunkte:
  • Ein Angeklagter fehlte beim Prozessauftakt
  • Gericht setzt Verhandlung bis Donnerstag aus
  • Elektroauto-Bestellungen in Europa stiegen um 39 Prozent
  • Fünfter Dieselskandal-Prozess soll am 24. November starten

Der vierte große Betrugsprozess zum Dieselskandal beginnt mit einem Dämpfer. Am Landgericht Braunschweig fehlte zum Auftakt einer von drei Angeklagten, die Anklageschrift wurde nicht verlesen. Die Aktie notiert im Xetra-Handel zeitweise 1,06 Prozent tiefer bei 68,88 Euro.

Streit um die Entschuldigung

Die Verteidigung verwies auf gesundheitliche Gründe des fehlenden Angeklagten. Der Vorsitzende Richter sah das anders: Aus Sicht des Gerichts ist der Mann nicht ausreichend entschuldigt. Das Verfahren wurde bis Donnerstag, den 5. November, unterbrochen.

Angeklagt sind drei ehemalige Führungskräfte. Sie sollen die illegale Abschalteinrichtung mitentwickelt oder nicht gegen deren Weiterentwicklung eingeschritten sein. Einem von ihnen wirft die Staatsanwaltschaft zudem eine uneidliche Falschaussage vor.

Ursprünglich richtete sich das Verfahren gegen elf Beschuldigte. Gegen acht wurde es gegen Geldauflagen eingestellt.

Ein Skandal, der noch Jahre dauert

Die Affäre kam im September 2015 ans Licht. US-Behörden wiesen nach, dass Dieselfahrzeuge eine Software nutzten, die Testsituationen erkannte und die Stickoxid-Werte nur dort senkte. Im Alltag lagen sie deutlich höher. Der Skandal kostete den damaligen Konzernchef Martin Winterkorn das Amt und den Konzern Milliarden.

Die juristische Aufarbeitung zieht sich. Der erste Betrugsprozess endete im Mai 2025 mit einem Urteil: Zwei Angeklagte erhielten Haftstrafen, zwei Bewährungsstrafen. Die Verurteilten sehen sich als Bauernopfer und gingen in Revision. Ein Haftantritt dürfte daher auf sich warten lassen. Winterkorns Verfahren wurde abgetrennt und ist wegen Verhandlungsunfähigkeit vorläufig eingestellt.

Für das aktuelle Verfahren sind 150 Verhandlungstage bis Ende 2028 angesetzt. Das ist ein langer Horizont, finanziell neue Belastungen sind daraus zunächst nicht erkennbar.

Operativ läuft es im Elektrogeschäft besser

Abseits des Gerichtssaals gibt es freundlichere Signale. Die Bestellungen für Elektrofahrzeuge stiegen in Europa nach neun Monaten um 39 Prozent. Zudem gilt China für den Konzern längst nicht mehr nur als Absatzmarkt. Vorstandsmitglied Thomas Schmall nannte das Land bei der deutsch-chinesischen Automobilkonferenz in Wolfsburg einen unverzichtbaren Technologiestandort.

Der nächste juristische Termin steht fest: Am 24. November soll in Braunschweig der fünfte und wohl letzte Prozess beginnen. Dort geht es um sieben ehemalige Führungskräfte und Mitarbeiter, auch dafür sind 150 Verhandlungstage bis Ende 2028 geplant.

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