Volkswagen Aktie: Hälfte der Modelle bis 2030

VW plant drastische Reduzierung der Modellpalette und Produktion. Analysten zeigen sich vom angekündigten Umbau bislang wenig beeindruckt.

Die Kernpunkte:
  • Aktie fällt auf Jahrestief
  • Modellpalette soll halbiert werden
  • Gewerkschaft protestiert gegen Stellenabbau
  • Analysten vermissen konkrete Details

Volkswagen will die Hälfte seiner Modelle streichen. Der Konzern kündigte am Donnerstag einen radikalen Umbau bis 2030 an. Am Markt kommt der Plan schlecht an: Die Aktie fällt am Freitag um 1,88 Prozent auf 70,94 Euro.

Damit rutscht das Papier fast auf sein 52-Wochen-Tief von 69,20 Euro. Seit Jahresbeginn hat die Aktie 33 Prozent verloren. Der Kurs liegt inzwischen 25 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 93,78 Euro.

Weniger Modelle, weniger Fabriken

Volkswagen will seine Modellpalette um bis zur Hälfte reduzieren. Die Zahl der Fahrzeugvarianten soll um bis zu 75 Prozent sinken. Der Konzern begründet das mit sinkenden Kosten und weniger Komplexität.

Parallel dazu senkt Volkswagen seine Produktionskapazität auf neun Millionen Fahrzeuge pro Jahr. Vor der Corona-Pandemie hatte der Konzern noch zwölf Millionen als Ziel ausgegeben. CEO Oliver Blume nennt den Umbau einen Schritt „aus eigener Kraft“. Er verweist auf geopolitische Spannungen, Zölle und verschärften globalen Wettbewerb als Auslöser.

Der Aufsichtsrat billigte am Donnerstag ein Paket aus zwölf Initiativen. Einige Maßnahmen laufen bereits: die Straffung der Produktpalette, eine engere Ausrichtung an regionalen Märkten und der Abbau von Beteiligungen. Offen bleibt dagegen, welche Werke betroffen sind.

Gewerkschaft mobilisiert, Fragen bleiben offen

Während der Aufsichtsrat in Wolfsburg tagte, organisierte die IG Metall bundesweite Proteste. Demonstranten versammelten sich vor der Konzernzentrale, weitere Aktionen liefen an rund 20 Standorten von VW, Audi, Porsche, MAN und Cariad. Gewerkschaftsvertreter warnen vor einem „großen Konflikt“ mit der Belegschaft.

Der Grund für die Sorge: Berichten zufolge plant Volkswagen den Abbau von 100.000 Stellen weltweit. Das wären mehr als 15 Prozent der Belegschaft. Zusätzlich sollen vier deutsche Werke schließen — Hannover, Emden, Zwickau und das Audi-Werk Neckarsulm.

Sollten sich diese Zahlen bestätigen, würde das die Vereinbarung von 2024 deutlich übertreffen. Damals hatten sich Konzern und Gewerkschaften auf einen Abbau von 35.000 Stellen bis 2030 verständigt. Der am Donnerstag vorgestellte Plan äußerte sich zu Werksschließungen oder Stellenabbau nicht konkret.

Analysten sehen kaum neue Substanz

Die Reaktion der Analysten fiel entsprechend nüchtern aus. Jefferies bemängelte, der Plan liefere „begrenzte neue Informationen“. Ein Fortschritt bei Werksschließungen, einem Fünfjahres-Investitionsplan oder dem angekündigten Stellenabbau sei nicht erkennbar.

Ein Fondsmanager beschrieb die Lage gegenüber CNBC als „perfekten Sturm“. Chinesische Konkurrenten drücken die Margen, Zölle belasten das Geschäft. Andere Hersteller haben laut dem Fondsmanager aktuell das bessere Angebot.

Die Kennzahlen unterstreichen den Druck: Mit einem RSI von 30 gilt die Aktie als überverkauft, die 30-Tage-Volatilität liegt bei über 32 Prozent. CEO Blume selbst bringt es auf den Punkt: „Die nächsten Jahre werden darüber entscheiden, wer künftig eine entscheidende Rolle in der Automobilindustrie spielen wird.“ Konkrete Antworten zu Werken und Stellen bleibt der Konzern bislang schuldig.

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