Volkswagen Aktie: Heiss komplettiert Aufsichtsrat vor Entscheidung

Volkswagen besetzt den Aufsichtsrat vor der Sitzung am 4. September neu. Zugleich belasten Sparpläne, Gegenentwürfe und ein Indien-Deal den Konzern.

Die Kernpunkte:
  • Marianne Heiss übernimmt Anteilseigner-Mandat
  • Arbeitnehmer und Niedersachsen entwickeln Gegenpläne
  • Vorzugsaktie steigt auf 77,04 Euro
  • Goldman Sachs setzt Kursziel auf 88 Euro

Fünf Tage vor der entscheidenden Sitzung am 4. September rückt bei Volkswagen ein personelles Detail in den Vordergrund: Der Aufsichtsrat soll wieder voll besetzt sein. Marianne Heiss werde den offenen Anteilseigner-Sitz übernehmen und den Prüfungsausschuss leiten, berichtete Reuters. Damit ist das Gremium komplett, wenn es über den nach eigenen Angaben größten Turnaround-Plan der Konzerngeschichte entscheidet.

Fronten zwischen Management, Belegschaft und Niedersachsen

Die Nachrichtenlage der vergangenen Tage zeigt, wie verhärtet die Positionen sind. Reuters berichtete, dass Arbeitnehmervertreter und das Land Niedersachsen eigene, alternative Turnaround-Vorschläge erarbeitet haben.

Vorstandschef Oliver Blume drängte laut Reuters intern auf tiefere Kostenschnitte und lässt offenbar weitergehende Maßnahmen prüfen, darunter zusätzliche Stellenstreichungen und mögliche Werksschließungen. Der Widerstand im Aufsichtsrat gegen diese Linie ist Reuters zufolge offen sichtbar, weil Gewerkschafts- und Landesvertreter eigene Gegenentwürfe vorgelegt haben.

Verschärft wird der Konflikt durch die Stimmung in der Belegschaft. Der Konzernbetriebsrat hatte laut Reuters eine interne Umfrage vorgelegt, wonach Beschäftigte die externe Kommunikation des Vorstands als „desaströs“ kritisieren – verunsicherte Mitarbeiter und Familien seien die Folge.

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies rief laut Reuters zu einer gemeinsamen Lösungssuche auf, um Werksschließungen zu verhindern. Das Land hält bekanntlich einen bedeutenden Anteilseigner-Sitz und dürfte am 4. September eine gewichtige Stimme haben.

Blume selbst hatte die Dimension des Problems Ende August konkretisiert: Die Gemeinkosten des Konzerns lägen laut Reuters mehr als 30 Prozent über denen vergleichbarer Wettbewerber. Die häufig kolportierte Zahl von 50.000 Jobs sei kein fixes Ziel, sondern lediglich ein Größenindikator für den notwendigen Maßnahmenumfang, stellte er klar.

Indien-Geschäft als Nebenschauplatz

Parallel zum Machtkampf um den Sparplan verhandelt Volkswagen an einer ganz anderen Front. Škoda-Chef Klaus Zellmer sagte laut Reuters, ein Deal mit einem lokalen Partner in Indien – im Marktgespräch werden Gespräche mit JSW genannt – könne noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Belastend bleibt dort eine von Volkswagen bestrittene Steuerforderung über 1,4 Milliarden US-Dollar aus dem Jahr 2024.

Kurs zeigt sich robust vor der Entscheidung

Trotz der ungelösten Konflikte im Aufsichtsrat reagierte die Vorzugsaktie zuletzt freundlich: Am Freitag legte sie um 3,1 Prozent auf 77,04 Euro zu. Über die vergangenen 30 Tage summiert sich der Zugewinn auf 2,5 Prozent, der Kurs liegt damit rund 4,0 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt.

Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Minus von 26 Prozent zu Buche – ein Hinweis darauf, dass der Markt die Unsicherheit rund um den Umbau noch nicht ausgepreist hat.

Analysten hatten die Aktie bereits vor der jüngsten Zuspitzung vorsichtig eingeschätzt: Goldman Sachs senkte Ende August das Kursziel für die Vorzugsaktien leicht von 89 auf 88 Euro und stufte das Papier mit „Neutral“ ein.

Für Anleger bleibt der 4. September der entscheidende Termin. Ob Blumes Sparkurs eine Mehrheit findet oder die Gegenentwürfe aus Belegschaft und Niedersachsen den Ton angeben, dürfte darüber entscheiden, wie belastbar die jüngste Kurserholung ist.

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