Volkswagen Aktie: IAV-Verkauf an Accenture geprüft

VW verhandelt über den Verkauf seiner IAV-Anteile an Accenture und plant den Abbau von über 2.000 Stellen. Der Schritt ist Teil eines umfassenden Konzernumbaus.

Die Kernpunkte:
  • VW verhandelt mit Accenture über IAV-Anteile
  • Über 2.000 Stellen bei IAV bedroht
  • Umsatzprognose für 2026 gesenkt
  • China-Absatz bricht um 26 Prozent ein

Volkswagen treibt den Umbau seines Entwicklungsnetzwerks voran. Der Konzern prüft den Verkauf seiner 50-Prozent-Beteiligung am Entwicklungsdienstleister IAV an die Beratungsgesellschaft Accenture, wie Automobilwoche berichtet. Ein Abschluss noch in diesem Jahr gilt als Ziel. Bei IAV drohen tiefe Einschnitte: Mehr als 2.000 der rund 5.000 deutschen Stellen sollen wegfallen.

Der mögliche IAV-Verkauf reiht sich in eine Serie von Deals ein, mit denen Volkswagen sein Portfolio an Randgeschäften verschlankt. Erst im Juni hatte sich der Konzern mit Bain Capital auf den Verkauf von 51 Prozent an Everllence, dem früheren MAN Energy Solutions, geeinigt – ein Volumen von rund 7,4 Milliarden Euro.

Die Botschaft ist dieselbe: Volkswagen zieht sich aus Beteiligungen zurück, die nicht zum Kerngeschäft der Fahrzeugproduktion gehören, um Kapital freizusetzen und die Konzernstruktur zu straffen.

Zahlen zwingen zum Handeln

Der Hintergrund dieser Bewegung ist eine Halbjahresbilanz, die deutlich schwächer ausfiel als geplant. Ende Juli musste Volkswagen seine Umsatzprognose für das laufende Jahr kassieren: Statt eines Wachstums von bis zu 3 Prozent erwartet der Konzern nun einen Rückgang von bis zu 3 Prozent.

Das Konzernergebnis nach Steuern brach im zweiten Quartal um fast ein Drittel auf 1,54 Milliarden Euro ein, verglichen mit 2,29 Milliarden Euro im Vorjahresquartal. Die operative Marge für 2026 soll zwar in der Spanne von 4,0 bis 5,5 Prozent bleiben, doch die Auslieferungen sanken im ersten Halbjahr um 6,3 Prozent auf 4,1 Millionen Fahrzeuge.

Besonders schwer wiegt der Einbruch in China, wo die Auslieferungen im ersten Halbjahr um ein Fünftel zurückgingen. Im zweiten Quartal verkaufte Volkswagen dort nur noch 424.300 Fahrzeuge, ein Minus von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Der Konzern reagiert mit einer beschleunigten „In China, for China“-Strategie, die lokale Entwicklung und Produktion stärker verzahnen soll. Hinzu kommen laut Konzernangaben US-Zölle, die Volkswagen mit rund 4 Milliarden Euro jährlich belasten, sowie ein Produktionsstopp des ID.4 in Nordamerika mit Kosten von etwa 500 Millionen Euro.

Sparkurs trifft auf schwaches Marktumfeld

Vor diesem Hintergrund erscheint der geprüfte IAV-Verkauf konsequent: Wo Volkswagen keine strategische Notwendigkeit für eine Mehrheitsbeteiligung sieht, sucht der Konzern Käufer, um Kapital für den Kerngeschäftsbereich freizuschaufeln.

Gleichzeitig bleibt der Stellenabbau bei IAV ein Risiko für die Akzeptanz solcher Deals – 2.000 wegfallende Stellen sind ein erheblicher Einschnitt für einen Dienstleister mit rund 5.000 Beschäftigten in Deutschland.

An der Börse bleibt der Kurs unter Druck. Am Donnerstag schloss die Aktie bei 73,20 Euro, ein Minus von 1,1 Prozent gegenüber dem Vortag. Damit notiert das Papier rund ein Drittel unter seinem 52-Wochen-Hoch von 109,10 Euro, das im Dezember erreicht wurde, und liegt zugleich fast 20 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 91,58 Euro. Die Marktkapitalisierung beläuft sich derzeit auf knapp 35 Milliarden Euro.

Anleger richten den Blick nun auf den weiteren Verlauf der Restrukturierung. Ein möglicher Abschluss des IAV-Deals noch 2026 würde die Serie der Portfoliobereinigungen fortsetzen, während die für Ende Oktober angesetzte Präsentation der Zahlen zum dritten Quartal zeigen dürfte, ob sich die operative Lage in China und Nordamerika stabilisiert hat.

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