Volkswagen Aktie: Kommt das Sparpaket vor der Hauptversammlung durch?

Volkswagen-Chef Oliver Blume plant, das abgelehnte Sparpaket bis Ende 2026 durchzusetzen. Die Aktie leidet unter schwachen Quartalszahlen und einem massiven China-Absatzrückgang.

Die Kernpunkte:
  • Blume will Sparpaket bis Jahresende
  • Quartalsgewinn sinkt um 32,9 Prozent
  • China-Absatz bricht um 26 Prozent ein
  • Aktie notiert 33 Prozent unter Hoch

Ausgangslage: Der Konflikt spitzt sich zu

Volkswagen steuert auf eine Machtprobe zu, die den Konzern über Jahre prägen könnte. Vorstandschef Oliver Blume will das im Juli vom Aufsichtsrat abgelehnte Sparpaket bis Jahresende 2026 durchsetzen und erwägt dafür den Weg über eine außerordentliche Hauptversammlung.

Auf dem Spiel stehen bis zu 50.000 zusätzliche Stellen sowie die Zukunft von vier Werken – Emden, Hannover, Neckarsulm und Zwickau. Porsche-SE-Chef Hans Dieter Pötsch, Vertreter des Großaktionärs, drängt öffentlich auf eine rasche Entscheidung und stellt sich hinter Blumes Reformkurs. Der Zeitdruck ist real, denn operativ läuft dem Konzern die Zeit weg.

Für Anleger fällt dieser Streit in eine Phase ohnehin schwacher Zahlen. Im zweiten Quartal sank das Konzernergebnis nach Steuern um 32,9 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro, während der operative Umsatz mit 82,4 Milliarden Euro immerhin leicht zulegte.

Der China-Absatz brach um 26 Prozent auf 424.300 Fahrzeuge ein, die Produktion sank konzernweit um 13,4 Prozent. Die Aktie notiert aktuell bei 73,38 Euro und damit rund 33 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 109,10 Euro – aber auch nur 6,0 Prozent über dem erst vor rund sechs Wochen markierten Jahrestief.

Die entscheidende Frage: Bekommt Blume den Aufsichtsrat noch hinter sich?

Für den weiteren Kursverlauf zählt im Kern eine Frage: Gelingt es Blume, das Sparpaket noch in diesem Jahr zu verabschieden – notfalls gegen die ursprüngliche Ablehnung des Aufsichtsrats – oder verschleppt sich der Konflikt in eine offene Machtprobe zwischen Vorstand, Kapitalseite und Arbeitnehmervertretern?

Der Weg über eine außerordentliche Hauptversammlung ist bislang eine Option, kein beschlossener Schritt. Verschärft wird die Lage dadurch, dass der Aufsichtsrat schon die Besetzung des seit Juli 2025 vakanten Personalvorstandspostens verschleppt hat – die Abstimmung über Bosch-Managerin Erika Rasch als Favoritin wurde im Juli wegen des Sparpakete-Streits verschoben.

Der Betriebsrat knüpft seine Zustimmung an ein neues Technologie-Ressort. Ohne diese Personalie fehlt dem Vorstand ein wichtiger Verhandlungspartner auf Arbeitgeberseite.

Bullisches Szenario: Reformdruck erzwingt Klarheit

Sollte Blume den Rückhalt der Porsche SE in konkrete Beschlüsse ummünzen, könnte der Konzern noch 2026 Planungssicherheit gewinnen. Der Kapitalmarkt honoriert in der Regel harte Kostenschnitte, wenn sie glaubwürdig untermauert sind.

Erste operative Fortschritte gibt es bereits: Der Overhead-Kostenabbau summierte sich im ersten Quartal auf rund eine Milliarde Euro, die operative Umsatzrendite verbesserte sich im ersten Halbjahr auf 4,9 Prozent.

Parallel treibt der Konzern sein Produktportfolio voran – der Vorverkauf von Golf Hybrid und T-Roc Hybrid ist gestartet, die Markteinführung soll im vierten Quartal folgen. In Europa wächst der Bestellbestand bei E-Fahrzeugen laut Unternehmensangaben um 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr, für den ID. Polo soll es binnen wenigen Wochen über 70.000 Vorbestellungen gegeben haben.

Auch der geplante Verkauf einer 51-Prozent-Mehrheit an Everllence (vormals MAN Energy Solutions) an Bain Capital für rund 7,4 Milliarden Euro Erlöse könnte, sofern er wie vorgesehen bis Ende 2026 abgeschlossen wird, Bilanzspielraum schaffen.

Bärisches Szenario: Der Konflikt eskaliert weiter

Das Risiko liegt in einer offenen Blockade. Lehnt der Aufsichtsrat das Sparpaket erneut ab oder zieht sich eine außerordentliche Hauptversammlung monatelang hin, drohen weitere Reibungsverluste – gerade während China-Geschäft und Produktion schon jetzt schwächeln.

Die für 2026 gesenkte Guidance, die inzwischen einen Umsatzrückgang zwischen 0 und 3 Prozent statt eines Zuwachses erwartet, zeigt, wie wenig Puffer bleibt. Zusätzlich belastet die ungelöste Personalvorstandsfrage die Verhandlungsfähigkeit gegenüber der Arbeitnehmerseite.

Chart-technisch notiert die Aktie mit 76,94 Euro unterhalb ihres 50-Tage-Durchschnitts und mit 91,58 Euro deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt – ein Zeichen, dass der Markt die Unsicherheit bereits einpreist, ohne dass eine Trendwende erkennbar wäre.

Ausblick: Jahresende als Wendepunkt

Solange der Streit um das Sparpaket ungelöst bleibt, dürfte die Aktie in der breiten Spanne zwischen dem Jahrestief von 69,20 Euro und dem 50-Tage-Durchschnitt gefangen bleiben. Setzt sich Blume mit Unterstützung der Porsche SE durch und wird das Paket bis Jahresende verabschiedet, eröffnet sich Spielraum für eine Stabilisierung, gestützt durch die anlaufende Hybrid- und E-Modelloffensive.

Scheitert die Einigung erneut oder zieht sich der Machtkampf über eine außerordentliche Hauptversammlung weiter hin, dürfte die Unsicherheit die Bewertung zusätzlich drücken. Der nächste konkrete Prüfstein ist damit weniger ein Kalenderdatum als die Frage, ob und wann eine außerordentliche Hauptversammlung tatsächlich einberufen wird – und ob der Aufsichtsrat diesmal mitzieht.

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