Volkswagen Aktie: Porsche und Piëch erhöhen Spardruck
VW-Eigentümer verlangen öffentlich schnelle Kostensenkungen. Der Konzern überarbeitet parallel seine US-Strategie und erhält EU-Zustimmung für Everllence-Verkauf.

- Eigentümer erhöhen Druck auf VW
- Milliardenverlust bei Porsche SE
- EU genehmigt Everllence-Verkauf
- VW-Aktie verliert deutlich an Wert
Die kontrollierenden Familien Porsche und Piëch drängen Volkswagen öffentlich zu sofortigen, harten Kostensenkungen und einer beschleunigten Restrukturierung. Reuters berichtete am Freitag zudem über einen möglichen zusätzlichen Stellenabbau im Konzern. Der Vorstoß der Eigentümerfamilien markiert eine neue Eskalationsstufe im Sparstreit, der Volkswagen schon länger begleitet.
Porsche SE macht Druck nach Milliardenverlust
Als größter Aktionär von Volkswagen forderte auch die Porsche SE ein schnelleres Vorgehen bei der Neuausrichtung des Konzerns. Medienberichten zufolge steht dahinter ein Wertverlust von 3,5 Milliarden US-Dollar, den die Holding durch ihre Volkswagen-Beteiligung verbucht hat.
Laut Bloomberg erhöhten die Milliardärseigner Porsche/Piëch den Druck, die angekündigten Kostensenkungen zügig umzusetzen. Für Wolfsburg bedeutet das: Die größten Anteilseigner sind nicht mehr bereit, den Umbau im gewohnten Tempo geschehen zu lassen.
Der zeitliche Druck trifft Volkswagen in einer Phase, in der der Konzern ohnehin mehrere Baustellen gleichzeitig bearbeitet. Parallel zur Kostendiskussion arbeitet Volkswagen laut Reuters an einer Überarbeitung seiner US-Strategie.
Geplant sind eine neue Führung vor Ort und ein neu ausgerichtetes Produktangebot, zu dem auch ein Pick-up gehören soll, der noch vor Ende des Jahrzehnts auf den Markt kommen soll. Damit reagiert der Konzern auf die anhaltende Schwäche im nordamerikanischen Geschäft, die zuletzt zu den zentralen Belastungsfaktoren zählte.
Everllence-Deal von EU-Kommission freigegeben
Eine strukturelle Weichenstellung hat Volkswagen inzwischen abgeschlossen: Die EU-Kommission hat den Verkauf des Motorenbauers Everllence an Bain Capital genehmigt. Der Deal war bereits mehrfach Thema, seine Freigabe schließt nun einen Baustein der laufenden Neuordnung des Konzernportfolios ab.
Für die Eigentümerfamilien dürfte das kein ausreichendes Signal sein – ihre Forderung zielt auf das Kerngeschäft und auf die Kostenstruktur der Marke Volkswagen selbst.
Aktie bleibt unter Druck
Am Freitag schloss die Volkswagen-Vorzugsaktie bei 73,88 Euro, ein Plus von 0,9 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Rückgang von 3,3 Prozent zu Buche, seit Jahresanfang hat das Papier rund 29 Prozent verloren.
Zum 200-Tage-Durchschnitt von 91,46 Euro beträgt der Abstand 19 Prozent – ein Hinweis darauf, dass der mittelfristige Abwärtstrend trotz der jüngsten Stabilisierung nahe dem 52-Wochen-Tief noch nicht gebrochen ist.
RBC Capital Markets senkte am Freitag vergangener Woche das Kursziel für Volkswagen von 121 auf 120 Euro, beließ die Einstufung aber auf „Outperform“. Die charttechnische Sicht liefert derzeit kein einheitliches Bild: 4investors und UBS verwiesen zuletzt auf Widerstände bei der Vorzugsaktie, was eher für eine Konsolidierung als für eine schnelle Erholung spricht.
Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex. Der öffentliche Druck der Eigentümerfamilien signalisiert, dass Kompromisse beim Sparkurs kaum mehr möglich sind – gleichzeitig zeigt die US-Neuausrichtung, dass Volkswagen operativ an mehreren Fronten gleichzeitig umsteuert. Ob das reicht, um das Vertrauen der Kapitalgeber zurückzugewinnen, dürfte sich erst zeigen, wenn konkrete Zahlen zum Stellenabbau vorliegen.
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