Volkswagen Aktie: Streit um Haustarif
Fitch bestätigt Volkswagens A-Rating mit negativem Ausblick; die Tarifparteien setzen ihre Gespräche in der zweiten Oktoberhälfte fort.

- Zehn von 13 Haustarifverträgen gekündigt
- Manteltarifvertrag für über 100.000 Beschäftigte
- Beschäftigungssicherung bis Ende 2030 bleibt bestehen
- Fitch bestätigt A- bei negativem Ausblick
Volkswagen eröffnet den nächsten Konfliktabschnitt mit der eigenen Belegschaft. Der Konzern hat zehn seiner insgesamt 13 Haustarifverträge zum 31. Dezember 2026 gekündigt, darunter den Manteltarifvertrag. Die Arbeitnehmerseite kündigt Widerstand an.
Kündigung soll Verhandlungsraum öffnen
Beim sogenannten Überprüfungsgespräch in Hannover überreichte die Arbeitgeberseite die Kündigungen. Ein Unternehmenssprecher wollte die genaue Zahl nicht bestätigen, die IG Metall nennt zehn. Der Manteltarifvertrag gilt für mehr als 100.000 Beschäftigte in Deutschland und regelt unter anderem Arbeitszeit und Urlaubstage.
Markenpersonalvorstand Arne Meiswinkel begründet den Schritt mit einem strukturell verschärften Umfeld. Chinesische Hersteller drängten mit günstigen Exporten nach Europa und erhöhten den Preisdruck enorm. Der Zukunftsplan 2030 müsse deshalb schnell und konsequent umgesetzt werden. Die Kündigung soll Spielraum für Verhandlungen schaffen.
Nicht betroffen ist der Zukunftstarifvertrag von 2024 mit der Beschäftigungssicherung bis Ende 2030. Erste Folgen könnten Mitarbeiter nach Angaben der Arbeitnehmerseite ab Januar 2027 spüren.
Gewerkschaft spricht von „üblem Foul“
Die Reaktion fiel scharf aus. Niedersachsens IG-Metall-Chef Thorsten Gröger nannte das Vorgehen ein „übles Foul an der Belegschaft“, Betriebsratschefin Daniela Cavallo erwartet eine „heftige Auseinandersetzung“ zum Jahreswechsel. Hinzu kommt Misstrauen: Laut Gröger meldete das Unternehmen erhebliche Zweifel an, die 2024 zugesagten Investitionen in neue Modelle und Werke wie vereinbart umzusetzen. Meiswinkel hielt dagegen: „Volkswagen hält sich an Verträge.“
Der Hintergrund ist ein Umbau historischen Ausmaßes. Nach dem Aufsichtsratsbeschluss von Anfang September hat der Vorstand um Oliver Blume ein Mandat, Milliarden einzusparen. Weltweit sollen zusätzlich 50.000 Stellen wegfallen, die Hälfte davon könnte Deutschland treffen.
Konkrete Programme müssen allerdings erst verhandelt werden. Die Zukunft der Werke in Emden, Hannover und Zwickau sowie des Audi-Standorts Neckarsulm ist über die Jahre 2031 bis 2034 hinaus offen.
Fitch hält Rating, warnt aber
Am Kapitalmarkt fiel die Reaktion verhalten aus. Die VW-Aktie schloss im XETRA-Handel 0,82 Prozent tiefer bei 70,46 Euro.
Fitch bestätigte parallel das Rating „A-“, belässt den Ausblick aber auf negativ. Die Agentur rechnet damit, dass Rentabilität und freier Cashflow bis etwa 2028 wieder das erforderliche Niveau erreichen. Der negative Ausblick spiegelt die Ausführungsrisiken des Umbauprogramms wider. Eine Herabstufung droht, wenn die Profitabilität als strukturell beeinträchtigt gilt, etwa durch Marktanteilsverluste.
Der nächste Termin steht bereits fest: In der zweiten Oktoberhälfte kommen die Tarifparteien wieder zusammen. Vorher will die IG Metall einen Fragenkatalog vorlegen.
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