Volkswagen Aktie: Tarifbruch spaltet Belegschaft

Nach zehn Vertragskündigungen fordert die IG Metall Verhandlungen; mögliche längere Arbeitszeiten und der Stellenabbau sorgen für Konflikte.

Die Kernpunkte:
  • Protest bei Betriebsversammlung in Zwickau
  • Volkswagen kündigte zehn Tarifverträge
  • Längere Wochenarbeitszeit als Verhandlungsthema
  • Weltweit 50.000 Stellenabbau zusätzlich geplant

Der Konflikt bei Volkswagen eskaliert auf mehreren Ebenen. Nach der Kündigung zahlreicher Tarifverträge protestieren Beschäftigte, die IG Metall wirft dem Vorstand mangelnden Respekt vor und CEO Oliver Blume bringt längere Arbeitszeiten ins Spiel. An der Börse bleibt die Reaktion bislang gelassen: Die Aktie notierte im Xetra-Handel zeitweise knapp ein Prozent im Plus bei 68,68 Euro.

Protest in Zwickau

Besonders sichtbar wurde der Unmut gestern im sächsischen Fahrzeugwerk. Bei einer Betriebsversammlung verließ ein Teil der rund 3.000 Anwesenden aus Protest die Halle und boykottierte den Bericht der Geschäftsführung. Der Betriebsrat unterbrach die Versammlung nur, um sie bei Bedarf rasch fortsetzen zu können.

Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Mike Rösler sprach von großem Frust. Die Belegschaft zeige seit Monaten maximale Flexibilität und erwarte dafür Verlässlichkeit und eine belastbare Perspektive. Die Zukunft des Standorts Zwickau nach 2030 ist allerdings offen, ebenso die der Werke in Emden und Hannover sowie des Audi-Standorts Neckarsulm.

Blume will über Arbeitszeit verhandeln

Volkswagen hatte am Mittwoch zehn Tarifverträge gekündigt, darunter den Manteltarifvertrag, der Arbeitszeit und Urlaubstage regelt. Das Unternehmen verweist auf den Kostendruck und will so Raum für Verhandlungen schaffen.

Blume nannte die Arbeitskosten in Deutschland etwa doppelt so hoch wie in anderen europäischen VW-Ländern. Denkbar seien weniger Urlaubstage oder eine längere Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich. Das solle in den nächsten Wochen und Monaten verhandelt werden.

Eine konkrete Forderung gibt es bislang nicht. Aus Konzernkreisen heißt es, mehr Stunden brächten vor allem dort etwas, wo Mehrarbeit anfällt und sonst Neueinstellungen nötig wären. In Bereichen mit Personalüberhang ergebe das keinen Sinn.

Gewerkschaft rüstet auf

IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger nannte das Vorgehen „respektlos gegenüber den eigenen Beschäftigten“ und „verantwortungslos gegenüber dem Unternehmen selbst“. Die Kündigung des Manteltarifvertrags sei „ein einmaliger Vorgang in der Geschichte von Volkswagen“. Außerdem habe das Unternehmen die Arbeitnehmervertreter zuvor 50 Minuten informiert, ohne die Pläne zu erwähnen. Die Presse habe schon während des Gesprächs berichtet.

Die IG Metall in Niedersachsen kündigte an, sich „mit aller Macht“ gegen ein Rütteln an der 35-Stunden-Woche zu stemmen. Sie warnt, längere Arbeitszeiten senkten den rechnerischen Personalbedarf und könnten weiteren Stellenabbau nach sich ziehen. Dabei steht der Abbau ohnehin im Raum: Der Vorstand will weltweit zusätzlich 50.000 Stellen streichen, bis zur Hälfte davon könnte Deutschland treffen. Konkrete Programme müssen mit den Arbeitnehmern verhandelt werden.

Die Verhandlungen über die gekündigten Verträge sollen in den kommenden Wochen und Monaten beginnen. Gröger sagte, die Arbeitnehmerseite sei auf die Auseinandersetzung vorbereitet.

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