Volkswagen Aktie: Vier Millionen Fahrzeuge im Rückruf

Der Rückruf belastet Volkswagen zusätzlich zu Sonderkosten von rund zehn Milliarden Euro und einer auf maximal ein Prozent gesenkten Renditeprognose.

Die Kernpunkte:
  • Lenkungsproblem betrifft vier Konzernmarken
  • Rund 2,16 Millionen VW-Fahrzeuge betroffen
  • Porsche-Wertberichtigung von rund sechs Milliarden Euro
  • Aktie liegt nahe dem 52-Wochen-Tief

Ein fehlerhaftes Bauteil bringt die Wolfsburger Mehrmarkenstrategie in Bedrängnis: Am Freitag wurde der größte Rückruf bei Volkswagen seit dem Dieselskandal bekannt. Über vier Millionen Fahrzeuge müssen wegen möglicher technischer Probleme an der Lenkung in die Werkstätten beordert werden. Der Vorfall trifft den Konzern mitten in einer ohnehin schwierigen Umbauphase.

Großrückruf erfasst vier Konzernmarken

Auslöser der weltweiten Serviceaktion ist das Risiko einer abreißenden Befestigungsschraube an der Lenkung, falls Streusalz über längere Zeit zu Korrosion führt. Allein auf die Kernmarke mit den Modellen Tiguan, Touran, Golf und Caddy entfallen rund 2,16 Millionen Einheiten.

Die tschechische Konzerntochter Skoda verzeichnet mehr als eine Million betroffene Fahrzeuge, während bei Audi rund 700.000 Exemplare des Kompakt-SUV Q3 in die Werkstatt gerufen werden.

Der Vorfall verdeutlicht die Kehrseite der plattformübergreifenden Gleichteilestrategie: Fällt eine einzelne Komponente aus, pflanzt sich das Problem über das gesamte Portfolio fort. Für den Konzern bedeutet dies nicht nur einen erheblichen organisatorischen Kraftakt zur Koordination der Werkstattaufenthalte, sondern auch eine spürbare Belastung für das Kundenvertrauen quer durch unterschiedliche Marken.

Sonderbelastungen drücken auf die Jahresrendite

Die zusätzlichen Werkstattbesuche fallen in eine Phase schrumpfender Erträge. Das Management senkte die Prognose für die operative Umsatzrendite des Gesamtjahres auf maximal 1 Prozent. Hauptgrund dafür war eine Wertberichtigung auf den Firmenwert der Tochtergesellschaft Porsche im Umfang von rund 6 Milliarden Euro, ausgelöst durch Absatzprobleme in China sowie drohende US-Zölle.

Insgesamt summieren sich die Sonderbelastungen für das laufende Jahr auf rund 10 Milliarden Euro, nachdem im ersten Halbjahr bereits rund 900 Millionen Euro verbucht worden waren. Zugleich belasten tiefgreifende Restrukturierungen das operative Geschäft. Vor rund zwei Wochen wurden Restrukturierungskosten und ein weitreichender Stellenabbau bekannt, seither verlor die Aktie 11,6 Prozent an Wert.

Werksschließungen und personeller Neubeginn

Die Transformation stößt in den Stammwerken auf erbitterten Widerstand. Um die Einhaltung bestehender Zusagen für Standorte wie Emden, Zwickau und Hannover zu erörtern, treffen sich IG Metall und Betriebsrat am kommenden Mittwoch, dem 30. September, mit der Konzernführung in Hannover zu einem Überprüfungsgespräch.

Im Vorstand soll zudem eine neue Personalie für Beruhigung sorgen: Zum 1. Oktober übernimmt Erika Rasch die Zuständigkeit für das Personalressort und das Amt der Arbeitsdirektorin.

Am Aktienmarkt schlägt sich die Serie an Belastungsfaktoren deutlich nieder. Das Papier beendete den Handel am Freitag bei 71,90 Euro mit einem leichten Tagesplus von 0,9 Prozent. Damit notiert der Titel nur 3,9 Prozent über seinem bisherigen 52-Wochen-Tief, was die anhaltende Skepsis der Investoren bezüglich der Sanierungsfortschritte unterstreicht.

Zwar verbucht Volkswagen mit Auszeichnungen für kompakte Elektrofahrzeuge wie den ID. Polo oder Neuvorstellungen wie dem ID.3 GTI vereinzelte Produkterfolge, doch die operativen Baustellen überwiegen. Neben der Abwicklung der millionenfachen Reparaturen muss das Management vor allem die Werksschließungsdebatten moderieren, um den geplanten Konzernumbau nicht im Streit mit der Belegschaft zu blockieren.

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