Volkswagen Aktie: Zehn neue Modelle ab Juli

Volkswagen plant zehn neue Modelle gegen die Absatzflaute, sieht sich aber mit US-Anklagen konfrontiert. Analysten streiten über das Kurspotenzial.

Die Kernpunkte:
  • Zehn neue Modelle angekündigt
  • US-Anklage gegen Ex-Ingenieure
  • Kursziele zwischen 80 und 121 Euro
  • Aktie nahe am Jahrestief

Volkswagen setzt im zweiten Halbjahr auf eine breite Produktoffensive, um die anhaltende Absatzschwäche der Kernmarke zu bekämpfen. Am 29. Juli kündigte der Konzern zehn neue Modelle für den Rest des Jahres an, darunter den ID. Polo, Hybrid-Versionen des Golf und einen neuen Elektro-Tiguan. Medienberichten zufolge soll die Modellwelle die schwache Nachfrage auffangen, mit der die Kernmarke seit Monaten kämpft. Parallel dazu belasten neue rechtliche Probleme in den USA das Bild.

Anklage in den USA trifft Rivian-Kooperation

Das US-Justizministerium erhob am 25. Juli Anklage gegen zwei ehemalige Volkswagen-Ingenieure. Ihnen wird mutmaßlicher Insiderhandel im Zusammenhang mit dem Joint Venture zwischen Volkswagen und Rivian Automotive vorgeworfen, das mit 5 Milliarden US-Dollar dotiert ist. Die Beschuldigten sollen vertrauliche Informationen aus dem intern als „Project Climb“ bezeichneten Projekt für eigene Aktiengeschäfte genutzt haben. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die sensible Phase, in der sich die Kooperation mit dem US-Elektroautobauer befindet – gerade jetzt, wo Volkswagen auf die Partnerschaft als Baustein seiner Elektrostrategie setzt.

Die rechtlichen Turbulenzen treffen den Konzern in einer ohnehin angespannten Lage. Am 24. Juli veröffentlichte Volkswagen den Halbjahresfinanzbericht 2026 und verwies dabei auf operative Herausforderungen sowie laufende Restrukturierungsprogramme. Bereits Ende Juni waren Medienberichte über weitreichende Sparmaßnahmen im Kernmarken-Bereich aufgekommen, die den Wegfall von bis zu 100.000 Arbeitsplätzen in den kommenden Jahren vorsehen könnten. Wie weit diese Pläne tatsächlich umgesetzt werden, ist offen – der Konzern hat sich dazu nicht abschließend festgelegt.

Analysten zwischen Kaufempfehlung und Verkaufsrat

Die Einschätzungen der Analysehäuser zur Vorzugsaktie gehen weit auseinander. Berenberg bestätigte am 28. Juli die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 100,00 Euro und sieht damit deutliches Aufwärtspotenzial. Konträr dazu positioniert sich UBS: Das Institut bekräftigte am 27. Juli seine Verkaufsempfehlung mit einem Kursziel von 80,00 Euro – nur knapp über dem aktuellen Kursniveau. Zwischen diesen beiden Polen bewegen sich weitere Häuser: Die Deutsche Bank beließ ihr Kursziel bei 115,00 Euro, RBC Capital Markets kalibrierte seine Bewertung auf 121,00 Euro, und Jefferies bestätigte die Kaufempfehlung, senkte das Kursziel jedoch leicht auf 120,00 Euro. JPMorgan-Analyst Jose Asumendi beließ seine Einstufung nach den Halbjahreszahlen bei „Neutral“ mit einem Kursziel von 110,00 Euro. In der Summe zeichnet sich damit kein einheitliches Bild ab – die Spanne der Kursziele reicht von 80 bis 121 Euro.

Aktie pendelt nahe am Jahrestief

Der Kapitalmarkt spiegelt diese Unsicherheit wider. Vorbörslich notiert die Vorzugsaktie am Donnerstag bei 76,50 Euro und legt damit um 0,37 Prozent zu. Auf Jahressicht bleibt die Bilanz jedoch deutlich negativ: Seit Jahresbeginn hat das Papier 26,55 Prozent verloren. Zum 52-Wochen-Tief von 69,20 Euro, das erst Anfang Juli markiert wurde, beträgt der Abstand aktuell nur 10,55 Prozent – die Aktie bewegt sich also weiterhin nahe ihrer Jahrestiefstände und weit entfernt vom Höchststand aus dem Dezember.

Strategisch versucht Volkswagen unterdessen, auf mehreren Feldern gleichzeitig Boden gutzumachen. Im Februar hatte der Konzern seine China-Aktivitäten neu ausgerichtet und Hefei als Machtzentrum für die Entwicklung lokaler Elektromodelle über die sogenannte „China Main Platform“ definiert – ein Markt, der für die künftige Ertragskraft des Konzerns als entscheidend gilt. Auf der Hauptversammlung im Juni entlasteten die Aktionäre Vorstand und Aufsichtsrat für das Geschäftsjahr 2025, ohne dass damit die operativen Fragezeichen ausgeräumt wären.

Investoren erhalten in den kommenden Wochen weitere Gelegenheit, sich ein Bild von der Konzernstrategie zu machen. Volkswagen ist auf einer Nordics-Roadshow in Stockholm, Helsinki und Kopenhagen vom 23. bis 26. August vertreten, bevor Anfang September Auftritte auf der Commerzbank- und ODDO-BHF-Konferenz in Frankfurt sowie der Kepler-Cheuvreux-Herbstkonferenz in Paris folgen. Diese Termine dürften zeigen, wie überzeugend der Konzern seine Modelloffensive und die Sparmaßnahmen dem Kapitalmarkt vermitteln kann.

Anzeige

Volkswagen-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Volkswagen-Analyse vom 6. August liefert die Antwort:

Die neusten Volkswagen-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Volkswagen-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 6. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Volkswagen: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Volkswagen