Volkswagen Aktie: Zwei Wege aus der China-Delle
VW senkt seine Jahreskapazität auf neun Millionen Fahrzeuge und erwartet 2026 höchstens ein Prozent operative Umsatzrendite.

- China-Auslieferungen im Halbjahr um 25,9 Prozent gesunken
- Zwei Millionen Fahrzeuge Jahreskapazität bereits abgebaut
- Weitere Kürzungen in China und Europa vorgesehen
- Mehr als 54.000 Bestellungen für neue E-Auto-Familie
Volkswagen und Mercedes-Benz stecken in derselben Zwickmühle, wählen aber verschiedene Auswege. Während Stuttgart auf eine breite Modelloffensive setzt, schrumpft Wolfsburg gezielt auf ein niedrigeres Absatzniveau. Heute richtet sich der Blick zudem auf die Konzerntochter Porsche, die um 9 Uhr einen Kapitalmarkttag abhält.
Weniger Kapazität, mehr Kostendisziplin
Im ersten Halbjahr 2026 lieferte der Konzern rund 4,13 Millionen Fahrzeuge aus, sechs Prozent weniger als im Vorjahr. In China brachen die Auslieferungen um 25,9 Prozent ein, außerhalb Chinas legten sie leicht zu. Konzernchef Oliver Blume hält die frühere Volumenplanung für unrealistisch.
Der vom Aufsichtsrat gebilligte Zukunftsplan 2030 zieht die Konsequenz. Von einst mehr als zwölf Millionen Fahrzeugen Jahreskapazität hat VW bereits zwei Millionen abgebaut. Je weitere 500.000 sollen in China und Europa folgen. Das finanzielle Gerüst richtet sich künftig auf durchschnittlich neun Millionen Fahrzeuge pro Jahr aus.
Prognose und Sondereffekte
Wie groß der Druck ist, zeigte die Prognosesenkung vom 18. September. Die operative Umsatzrendite soll 2026 höchstens ein Prozent erreichen, zuvor standen vier bis 5,5 Prozent im Plan. Sondereffekte von rund zehn Milliarden Euro belasten das Ergebnis.
Den größten Teil macht eine nicht zahlungswirksame Abschreibung auf den Firmenwert von Porsche aus. Bereinigt läge die Marge bei rund vier Prozent. Mögliche Folgen des Zukunftsplans sind in der Prognose noch nicht enthalten. Bis 2030 peilt der Konzern eine Umsatzrendite von neun Prozent an.
Neue Modelle als Hoffnungsträger
Der Konzern setzt nicht nur auf Schrumpfung. Für die neue Electric Urban Car Family lagen im ersten Halbjahr bereits mehr als 54.000 Bestellungen vor. Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht im ID. Polo und weiteren Neuheiten des Konzerns einen Preisdruck auf ältere elektrische Kleinwagen. Er erwartet, dass sich dieser Trend in den kommenden Monaten verstärkt.
Die Preislücke zwischen E-Autos und Verbrennern ist laut einer aktuellen Marktstudie im September auf durchschnittlich 2.124 Euro gesunken. Im Juli hatte sie noch 2.363 Euro betragen.
An der Börse überzeugt bislang weder Wolfsburgs Anpassungskurs noch Stuttgarts Offensive. Beide Aktien haben 2026 auf Xetra weit mehr als ein Drittel an Wert verloren.
Als Nächstes stehen konkrete Termine an: Heute informiert Porsche beim Kapitalmarkttag über seine Pläne, am 12. Oktober folgt dessen Pre-Close-Call zum dritten Quartal. Dann dürfte sich zeigen, wie stark die Abschreibung und das schwache China-Geschäft die Tochter prägen.
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