Volkswagen startet Aufholjagd in den USA – Aktie jetzt ein Kauf?

Der Volkswagen-Konzern hat turbulente Zeiten hinter sich. Wochenlang löste eine negative Schlagzeile die andere ab. Die öffentliche Führungskrise, ausgelöst durch Ferdinand Piech, verunsicherte viele Anleger.

 

© Pixabay
© Pixabay

Piech wetterte gegen den Konzernchef Winterkorn, wollte ihn aus dem Amt drängen und verlor am Ende diesen Kampf. Daraufhin zog er sich gemeinsam mit seiner Ehefrau aus allen Ämtern im Konzern zurück. Volkswagen steht indes vor ganz anderen Aufgaben.

Der Autohersteller, dessen Zugpferd nach wie vor der Golf ist, soll umgebaut werden. Sinkende Absatzzahlen ließen Volkswagen zuletzt hinter der Konkurrenz zurück. Künftig sollen die zwölf Marken in vier Einheiten zusammengefasst werden. Dabei sollen die einzelnen Gruppen künftig selbst über das Modellangebot in den einzelnen Ländern entscheiden können.

 

Volkswagen punktet in den USA

Positiv entwickelte sich der Absatz von Volkswagen in den USA. Hier hinkte man zuletzt der Konkurrenz deutlich hinterher. Im Juni konnten die Wolfsburger jedoch wieder deutlich mehr Autos verkaufen.

Insgesamt stieg der Absatz dort um 5,6% auf 30.436 Fahrzeuge. Allen voran wurde der Golf am meisten verkauft. Künftig will Volkswagen hier mehr auf SUVs setzen. Gerade in Amerika boomt die Nachfrage nach Geländewagen und Pickup-Trucks.

Neben der Kernmarke konnte auch die Tochter Audi ihren Absatz um 8,3% steigern. Bei Porsche waren es mit 4.223 Fahrzeugen immerhin noch 2,9%. Zum Vergleich: BMW verkaufte in den USA 7,8% mehr als zuvor.

 

Absatz in China weiter rückläufig

Der Absatz im April fiel gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,3%. Im Mai ging es noch weiter bergab, bedingt durch die Schwäche am chinesischen Markt. Hier verkauft Volkswagen gut ein Drittel seiner Fahrzeuge. Im April wurden in China noch 0,2% mehr als im Vorjahresmonat verkauft. Im Mai dagegen ging es um 1,1% bergab.

Die PKW-Kernmarke von Volkswagen kämpft auch mit niedrigeren Absatzzahlen. Allein im Mai waren es 5,9%. In China ging der Absatz der Kernmarke im Mai um 3,7% abwärts und Analysten erwarten, dass dieser Trend für das Gesamtjahr anhält.

 

Bringt ein Billigauto den Durchbruch?

Für Anhänger der Marke Volkswagen war dies sicherlich eher ein Schock als eine gute Nachricht: Ab 2018 will der Konzern ein Billigauto in China produzieren. Wie passt das zusammen, steht doch der Name für Qualität und Innovation?

Erinnert sei an ein Model namens Nano des indischen Herstellers Tata, der 2008 ein Auto für umgerechnet 1.440 Euro präsentierte. Die Ausstattung war entsprechend, Komfort, Technik und Sicherheit suchte man vergebens. Dementsprechend war auch das Resultat. Selbst der nicht verwöhnte Inder wollte diesen Wagen nicht.

Mittlerweile läuft das Modell unter dem Namen GenX in aufgewerteter Form. Der Preis liegt jetzt zwischen 2.800 und 4.100 Euro, viele Teile von deutschen Herstellern wurden verbaut, aber richtig überzeugen kann auch dieses Modell nicht.

Dennoch will Volkswagen diesen Weg versuchen. Der Preis des in China produzierten Budget Car soll zwischen 8.000 bis 11.000 Euro liegen. Dafür wird es einen SUV und eine Schräg- und Stufenheck-Variante geben. Zugleich soll es mit einem in China ansässigen Partner eine Kooperation geben. Ob dieser Schritt den Durchbruch bringen wird, darüber streiten selbst Analysten.

 

Aktie stagniert

Fakt ist: In die Führungsetage ist wieder Ruhe eingekehrt, sodass man sich wieder auf die eigentlichen Aufgaben konzentrieren kann. Nur so wird es möglich sein, Volkswagen wieder nach vorn zu bringen.

Der geplante Umbau in der Konzernstruktur muss erst noch Ergebnisse zeigen. In der Vergangenheit reagierte Volkswagen oft zu spät. Die geplante Struktur könnte für mehr Flexibilität im Konzern stehen, jedoch allein nur dadurch werden nicht mehr Autos verkauft.

150702 Volkswagen

Alles in allem eine Menge an Aufgaben. Das sieht man auch mit Blick auf den Chart. Der aktuelle Kurs ist meilenweit entfernt von dem im März erreichten Jahreshoch. Hier muss erst wieder Vertrauen aufgebaut werden und es müssen Erfolge her. Dann dürfte auch der Kurs sich wieder aus der jetzigen Seitwärtsbewegung gen Norden richten. Die aktuelle Stabilisierung zwischen 210 und 220 Euro ist dabei ein erster, aber auch wichtiger Schritt. Lässt sich das in den kommenden Tagen bestätigen, könnten ganz Mutige hier schon mal den Fuß in die Tür stellen.

%d Bloggern gefällt das: