Vonovia Aktie: 138.000 Wohnungen unter Vergesellschaftungs-Druck

Vonovia steht wegen möglicher Vergesellschaftung in Berlin und höherer Zinsen unter Druck, während Verkäufe Liquidität schaffen und Analysten zuversichtlich bleiben.

Die Kernpunkte:
  • Mucic trifft Pantisano am 13. Oktober
  • Berlin-Linke droht mit Vergesellschaftung
  • Cashflow sinkt im ersten Halbjahr
  • Lüneburg-Verkauf bringt 55 Millionen Euro

Vonovia setzt auf Gespräche statt Konfrontation. Der Wohnungskonzern hat dem Linken-Bundesvorsitzenden Luigi Pantisano am vergangenen Freitag ein Treffen angeboten, Pantisano nahm an. Vorstandschef Luka Mucic wird sich mit ihm am 13. Oktober zusammensetzen – ein Termin, der zeitlich brisant liegt, denn zuvor wählt Berlin am 20. September ein neues Abgeordnetenhaus.

Die Berliner Linke droht dort offen mit der Vergesellschaftung von Vonovia-Beständen. Betroffen wären rund 138.000 Wohnungen mit einem Bilanzwert von 23,2 Milliarden Euro – ein Volumen, das für den Konzern erhebliche Tragweite hätte, sollte die Debatte nach der Wahl politisch an Fahrt gewinnen.

Das Gesprächsangebot der Unternehmensführung lässt sich als Versuch lesen, die Fronten vor diesem Hintergrund zu entschärfen, statt sie eskalieren zu lassen.

Zinsumfeld verschärft die Lage zusätzlich

Der politische Druck trifft Vonovia in einer ohnehin angespannten operativen Phase. Der operative freie Cashflow brach im ersten Halbjahr um 45,4 Prozent auf 607,5 Millionen Euro ein – eine Folge des gestiegenen Zinsniveaus, das die Finanzierungskosten des Konzerns nach oben treibt.

Die EZB hat am Donnerstag den Leitzins um weitere 25 Basispunkte auf 2,50 Prozent angehoben, die nächste Sitzung ist für den 29. Oktober terminiert. Für ein Geschäftsmodell, das stark auf Fremdkapital angewiesen ist, bedeutet jede weitere Straffung zusätzlichen Gegenwind.

An der Börse zeigt sich die Kombination aus politischem Vergesellschaftungsrisiko und Zinsdruck deutlich: Die Aktie notiert mit einem RSI von 26,7 im überverkauften Bereich und liegt nur noch 0,8 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 17,93 Euro. Der Schlusskurs vom Freitag lag bei 18,07 Euro, nach einem Rückgang von 5,6 Prozent innerhalb einer Woche.

Verkauf in Lüneburg als Gegengewicht

Nicht alle Nachrichten der vergangenen Wochen fielen negativ aus. Vonovia hat 975 Wohnungen in Lüneburg für 55 Millionen Euro an Tristan Capital Partners verkauft – ein Baustein der Strategie, durch Portfolioverkäufe Liquidität zu generieren und die Bilanz zu entlasten. Solche Transaktionen dürften angesichts des schwächelnden Cashflows an Bedeutung gewinnen, auch wenn sie das grundsätzliche Zinsproblem nicht lösen.

Der Analystenkonsens bleibt insgesamt konstruktiv: Von elf erfassten Häusern empfehlen acht den Kauf, zwei raten zu Halten, eines zu Verkauf. Die Kursziele streuen breit zwischen 20 und 45 Euro, im Mittel bei rund 30,50 Euro – deutlich über dem aktuellen Kursniveau.

Ob dieser Optimismus Bestand hat, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie das Gespräch zwischen Mucic und Pantisano am 13. Oktober verläuft und welche politische Richtung die Berlin-Wahl am 20. September vorgibt.

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