Vonovia Aktie: 206.600 Wohnungen — niedrigster Stand seit 2012
Vonovia drängt auf günstigere Baustandards, während die Aktie nahe ihrem Jahrestief notiert. Hubertz' 13-Punkte-Plan soll den Wohnungsbau retten.

- Vonovia fordert niedrigere Baukosten
- Aktie verliert seit Jahresbeginn 15 Prozent
- Hubertz präsentiert 13-Punkte-Aktionsplan
- Wohnungsfertigstellungen auf Tiefstand seit 2012
Wohnungsknappheit, explodierende Baukosten, einbrechende Fertigstellungszahlen — Deutschlands Immobiliensektor steckt in der Klemme. Vonovia macht nun Druck auf die Politik und fordert eine grundlegende Überprüfung der Baustandards. Das Ziel: Wohnungsbau wieder wirtschaftlich machen.
Vonovia will Standards schleifen
Der Konzern hinterfragt technische und energetische Anforderungen, die das Bauen in den vergangenen Jahren massiv verteuert haben. Weniger Komfortansprüche sollen niedrigere Neubaukosten ermöglichen — und damit günstigere Mieten.
Der Mieterverein Dresden unterstützt den Vorstoß prinzipiell. Beim Lärmschutz zieht er jedoch eine klare Grenze.
Bundesbauministerin legt 13-Punkte-Plan vor
Zeitgleich mit Vonovias Forderungen präsentierte Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) am heutigen Freitag einen 13-Punkte-Aktionsplan. Ihre Botschaft war deutlich: Es gehe längst nicht mehr darum, Bauen attraktiver zu machen. Viele Projekte seien kaum noch realisierbar.
Die Kernmaßnahmen im Überblick:
- Digitaler Bauantrag: Ab 2028 nur noch digital, verpflichtend
- Bauleitplanverfahren: Maximal zwei Jahre Dauer
- Gebäudetyp E: Gesetzentwurf für rechtssicheres Abweichen von Normen kommt noch 2026, finale Umsetzung frühestens Frühjahr 2027
- Neubauförderung: Ab 2027 in einem einzigen Programm gebündelt, mit Boni für serielles und modulares Bauen
Der Hintergrund ist ernüchternd. Im Jahr 2025 wurden nur 206.600 Wohnungen fertiggestellt — der niedrigste Stand seit 2012.
Markt erholt sich, Aktie nicht
Der Immobilienmarkt selbst zeigt erste Erholungszeichen. Im ersten Quartal 2026 stiegen die Wohnimmobilienpreise bundesweit um 2,3 Prozent. Hamburg legte mit fast 5 Prozent am stärksten zu. Bauzinsen nahe 4 Prozent bremsen die Nachfrage allerdings weiterhin.
Die Vonovia-Aktie spürt davon wenig. Das Papier notiert bei 20,61 Euro und hat seit Jahresbeginn rund 15 Prozent verloren. Auf Sicht von zwölf Monaten beträgt das Minus sogar fast 31 Prozent. Das 52-Wochen-Tief von 19,53 Euro liegt nur knapp fünf Prozent entfernt.
Ob der Hubertz-Plan das Vertrauen der Investoren zurückgewinnen kann, hängt vor allem an der Umsetzungsgeschwindigkeit. Der Gebäudetyp E, der flexibleres und günstigeres Bauen ermöglichen soll, kommt frühestens im Frühjahr 2027 — für den aktuell strauchelnden Neubaumarkt ist das eine lange Wartezeit.
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