Vonovia Aktie: Berlin-Bombe tickt!
Giffey kritisiert die geplante Entschädigung und sieht Risiken für Neubau und Investitionen; Vonovias Berliner Bestand steht im Fokus.

- Bis zu 120.000 Vonovia-Wohnungen könnten betroffen sein
- Entschädigung könnte bis zu 40 Milliarden Euro kosten
- Gesetzentwurf für Mitte 2028 angekündigt
- Vonovia-Aktie seit Jahresbeginn 32 Prozent niedriger
Franziska Giffey, Berlins noch amtierende Wirtschaftssenatorin, warnte gestern eindringlich vor den Folgen der geplanten Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände.
Die Politikerin hält die veranschlagte Entschädigungssumme für unrealistisch, rechnet mit langwierigen Rechtsstreitigkeiten und befürchtet einen Stillstand beim Wohnungsneubau. Von den Vorhaben privater Wohnungsenteignungen wäre vor allem Vonovia als größter privater Vermieter der Hauptstadt betroffen.
Massive Hürden für milliardenschwere Vergesellschaftung
Im Rahmen der Berliner Sondierungen zur Vergesellschaftung verständigten sich Linke, Grüne und SPD auf einen Fahrplan, Bestände privater Vermieter mit mehr als 10.000 Berliner Wohnungen zu übernehmen.
Neubauten nach dem 1. Januar 2021 sowie ein Sockel von jeweils 10.000 Wohnungen je Unternehmen sollen ausgenommen bleiben. Für Vonovia steht ein erheblicher Teil des Berliner Portfolios im Fokus: Der Konzern hält in der Bundeshauptstadt knapp 140.000 Wohnungen, von denen rechnerisch bis zu 120.000 Einheiten betroffen sein könnten.
Insgesamt umfasst der Gesamtbestand des Konzerns über 570.000 Wohnungen. Insgesamt zielt das politische Vorhaben auf rund 160.000 Wohnungen ab, darunter auch Bestände von Unternehmen wie Heimstaden, Adler und Covivio.
Ein zentraler Streitpunkt bleibt die finanzielle Tragfähigkeit. Das Sondierungspapier sieht eine Obergrenze für Entschädigungen von 16 Milliarden Euro vor, was durchschnittlich rund 100.000 Euro je Wohnung entspricht. Nach Schätzungen des Berliner Landesrechnungshofs aus dem Jahr 2024 könnte eine verkehrswertbasierte Entschädigung jedoch bis zu 40 Milliarden Euro kosten.
Berlin weist bereits Verbindlichkeiten von knapp 70 Milliarden Euro auf. Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung beziffern die Entschädigung für 160.000 Wohnungen auf 14,4 Milliarden Euro. Um die Mieten auf Zielniveau stabil zu halten, wären laut DIW bei einem Entschädigungsvolumen von 15,12 Milliarden Euro jährliche Landeszuschüsse von 366 Millionen Euro notwendig.
Jahrelange Rechtsunsicherheit droht
Ob die Pläne juristisch tragfähig sind, bleibt höchst fraglich. Eine Expertenkommission hielt eine Vergesellschaftung nach Artikel 15 des Grundgesetzes im Jahr 2023 zwar für grundsätzlich möglich, ließ jedoch zentrale Fragen zur Verhältnismäßigkeit und Entschädigungshöhe offen.
Ein Gesetzentwurf ist erst für Mitte 2028 angekündigt, an den sich eine verfassungsrechtliche Prüfung anschließen dürfte. Vor dem Jahr 2029 ist mit einer Überführung der Wohnungen daher kaum zu rechnen. Giffey betonte vor diesem Hintergrund das Risiko, dass betroffene Konzerne anstehende Investitionen und Neubauvorhaben stoppen könnten, was das Angebot an Wohnraum weiter verknappen würde.
Belastung für die Aktie
Die anhaltende Debatte über Eingriffe in den Berliner Wohnungsmarkt belastet die Stimmung der Anleger spürbar. Die Vonovia-Aktie beendete den Handel am Freitag bei 16,73 Euro. Seit Jahresanfang summiert sich der Kursverlust auf 32 Prozent. Bis zu einer endgültigen juristischen Klärung der Berliner Wohnungspolitik dürfte die Unsicherheit um das Hauptstadt-Portfolio als Bewertungsabschlag auf dem Papier lasten.
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