Vonovia Aktie: Berlin gefährdet Bewertung
Goldman Sachs und ODDO BHF kürzten ihre Kursziele, während Berlins Parteien über die Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände beraten.

- Linke und Grüne wollen Wohnungsbestände vergesellschaften
- SPD-Chef Krach lehnt den Schritt ab
- Zwei Analysehäuser senkten ihre Kursziele
- Aktie verlor binnen 30 Tagen gut acht Prozent
Der Berliner Koalitionspoker trifft Deutschlands größten Wohnungskonzern an einer empfindlichen Stelle. Linke und Grüne wollen große Wohnungsbestände vergesellschaften, die SPD lehnt das ab. Für Vonovia geht es damit um mehr als Lokalpolitik.
Sondierung unter Zeitdruck
Seit fünf Tagen sondieren Linke, Grüne und SPD über eine mögliche rot-grün-rote Regierung. Heute standen Verkehr, Klimaschutz, gesellschaftlicher Zusammenhalt und Mieten auf der Agenda. Beim Thema Wohnen liegen die Positionen weit auseinander. SPD-Chef Steffen Krach lehnt eine Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne ab. Linken-Landeschef Maximilian Schirmer hält dagegen: Wenn die Linke regiere, müsse auch vergesellschaftet werden.
Im Idealfall soll bis Freitag feststehen, ob die Parteien Koalitionsverhandlungen aufnehmen. Hinzu kommen Differenzen bei der inneren Sicherheit und eine angespannte Haushaltslage. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey hält eine Koalition mit der Linken für nicht vertretbar.
Kursziele runter, Aktie nahe Jahrestief
An der Börse hinterlässt die Debatte Spuren. Die Aktie rutschte zuletzt wieder Richtung Jahrestief, ein Erholungsversuch am Morgen hielt nur bis zum Vormittag. Zuletzt notierte das Papier im Tagesverlauf leicht im Minus. Auf 30 Tage summiert sich der Verlust auf gut 8 Prozent.
Zusätzlich belasten Analysten. Goldman Sachs und ODDO BHF senkten ihre Kursziele. Das Analystenbild bleibt breit gefächert: Die Ziele reichen von 20 bis 34 Euro, im Schnitt der jüngsten Einschätzungen liegt der Wert bei gut 26 Euro. Aktionäre setzen offenbar auf ein Nein der SPD und streiten zugleich darüber, was die Wohnungen tatsächlich wert sind.
Die Dividende lag zuletzt bei 1,25 Euro je Aktie. Das entspricht einer Rendite von rund 5,5 Prozent.
Politischer Druck wächst
Die Linke legt nach: Parteichef Luigi Pantisano fordert ein Verbot von Zwangsräumungen, wenn keine bezahlbare Ersatzwohnung bereitsteht. Wohnen sei ein Menschenrecht. Solche Forderungen zeigen, wie hoch das Thema Mieten auf der politischen Agenda steht.
Entscheidend ist nun die Sondierungsrunde bis Freitag. Einigen sich die drei Parteien auf Koalitionsverhandlungen, rückt die Vergesellschaftung ein Stück näher an die Tagesordnung. Scheitert Rot-Grün-Rot an der Wohnungsfrage, dürfte der politische Druck auf Vonovia zumindest kurzfristig nachlassen.
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