Vonovia Aktie: Chef Mucic hält gegen Berlins Pläne
Höhere Mieten stützen Vonovias operatives Ergebnis, während Finanzierungskosten den bereinigten Vorsteuergewinn drücken.

- Bereinigtes EBITDA steigt um 3,3 Prozent
- Finanzierungskosten belasten den Vorsteuergewinn
- Ausblick für 2026 bleibt bestätigt
- Berliner Sondierungspapier umfasst 160.000 Wohnungen
Vonovia liefert solide Neunmonatszahlen und rückt trotzdem ein anderes Thema in den Vordergrund: die Berliner Enteignungsdebatte. Konzernchef Luka Mucic nutzte die Vorstellung der Zahlen in Bochum für eine deutliche Warnung vor Vergesellschaftungsplänen. Die Aktie gab zuletzt leicht auf 16,31 Euro nach.
Mieten tragen, Zinsen belasten
Das bereinigte EBITDA aus dem fortgeführten Geschäft stieg um 3,3 Prozent auf 2,187 Milliarden Euro. Treiber war das Vermietungsgeschäft, das trotz eines etwas kleineren Portfolios dank organischer Mietsteigerungen zulegte. Das Value-add-Segment, zu dem Handwerkerorganisation und Energievertrieb zählen, wuchs um gut 31 Prozent.
Beim Ergebnis zeigt sich ein gemischtes Bild. Der bereinigte Gewinn vor Steuern sank um 3,5 Prozent auf 1,408 Milliarden Euro, vor allem wegen höherer Finanzierungskosten. Der Periodenüberschuss fiel deutlich niedriger aus als 2025, weil damals ein großer Steuereffekt aus angepassten Körperschaftsteuersätzen das Ergebnis aufgebläht hatte.
Bei den Verkäufen ergibt sich ein uneinheitliches Bild: Der Gewinn aus Immobilienverkäufen stieg auf 95,2 Millionen Euro, während das Geschäft mit Vorratsimmobilien schwächer lief. Positiv wirkten Neubewertungen der Bestände, die um gut 64 Prozent auf 848,1 Millionen Euro zulegten.
Prognose bestätigt, Details angepasst
Für 2026 bestätigt Vonovia den zuletzt angepassten Ausblick. Das bereinigte EBITDA soll zwischen 2,95 und 3,05 Milliarden Euro liegen, erwartet wird die untere Hälfte der Spanne.
Beim bereinigten EBT peilt der Konzern 1,9 bis 2 Milliarden Euro an, hier am unteren Ende. Das organische Mietwachstum veranschlagt das Unternehmen nun auf rund 3,8 Prozent statt zuvor 4 Prozent.
Zusätzlich sorgt ein Personalthema für Aufmerksamkeit: Finanzvorstand Philip Grosse verlässt das Unternehmen Ende 2027. Vonovia zeigt sich zuversichtlich, den Nachfolger in Kürze zu präsentieren.
Streit um Vergesellschaftung
Politisch brisanter ist der Berliner Koalitionspoker. In einem Sondierungspapier haben Linke, Grüne und SPD vereinbart, rund 160.000 Wohnungen aus dem Besitz von fünf Konzernen zu vergesellschaften. Vonovia besitzt allein in Berlin gemeinsam mit Deutsche Wohnen gut 130.000 Wohnungen.
Mucic hält dagegen: Eine Vergesellschaftung schaffe keine zusätzliche Wohnung, schon die Debatte schwäche das Vertrauen in Investitionen am Standort. Deutschland fehlten rund 1,4 Millionen Wohnungen, die Lösung liege in mehr Neubau. Die durchschnittliche Berliner Vonovia-Miete beziffert er auf 8,40 Euro je Quadratmeter. Die Bundesregierung will die Pläne per Gesetz stoppen.
Operativ bleibt Vonovia damit im Plan. Ob die Berliner Koalitionsverhandlungen die Vergesellschaftung tatsächlich in einen Koalitionsvertrag schreiben, entscheidet sich in den bereits begonnenen Gesprächen. Der Nachfolger für Grosse soll in Kürze feststehen.
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