Vonovia Aktie: Gipfel mit Linken geplatzt
Der Streit um journalistische Begleitung ließ das Treffen platzen; beide Seiten bleiben grundsätzlich offen für weitere Gespräche.

- Linke sagt Treffen mit Vonovia ab
- Uneinigkeit über journalistische Begleitung
- Beide Seiten bleiben gesprächsbereit
- Kursziele reichen von 20 bis 34 Euro
Ein Gespräch, das Wogen glätten sollte, ist gescheitert, bevor es begann. Linken-Chef Luigi Pantisano und Vonovia-Vorstandschef Luka Mucic wollten über die Wohnungspolitik in Berlin sprechen. Das Treffen am Dienstagmittag fiel kurzfristig aus.
Streit um einen Journalisten
Die Linke sagte den Termin ab, weil Vonovia die Teilnahme eines Journalisten abgelehnt habe. Der Konzern bestehe auf einem Gespräch hinter verschlossenen Türen. Pantisano erklärte, ein unabhängiger Journalist sei von Anfang an auf Initiative von Vonovia in die Kommunikation eingebunden gewesen. „Ich bedauere, dass Vonovia die Vereinbarung gebrochen hat“, sagte er.
Vonovia widerspricht. Einer journalistischen Begleitung des vertraulichen Gesprächs habe man nie zugestimmt, teilte Sprecherin Nina Henckel mit. Im Anschluss hätten beide Seiten öffentlich über den Austausch sprechen können.
Trotz des Eklats signalisieren beide Seiten, grundsätzlich gesprächsbereit zu bleiben.
Politischer Gegenwind in Berlin
Der Konflikt hat eine Vorgeschichte. Die Linke gewann vor einigen Wochen die Abgeordnetenhauswahl in Berlin und will große Immobilienkonzerne vergesellschaften. Vonovia steht dabei regelmäßig im Visier.
Die Partei wirft dem Konzern unerklärliche Mieterhöhungen, undurchsichtige Nebenkostenabrechnungen und monatelanges Warten auf überfällige Reparaturen vor. Pantisano sprach mit Blick auf Vonovia sogar von „organisierter Kriminalität“ und „Mietenmafia“.
Für die Branche wird die Stimmung zusätzlich durch eine neue Umfrage belastet. Nach einer Forsa-Erhebung im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbunds hält rund jeder dritte Großstadt-Mieter die eigene Miete für zu hoch. Bei den unter 30-Jährigen sind es 44 Prozent. Große Mehrheiten halten schärfere Strafen für Wuchermieten oder eine verschärfte Mietpreisbremse für wirkungsvoll.
DGB und Mieterbund dringen deshalb auf mehr Tempo bei den mietrechtlichen Reformen. Sie fordern unter anderem einen bundesweiten Mietenstopp.
Markt und Termine
Die Aktie schloss zuletzt bei rund 10,27 Euro. Die Analysten sehen weiter deutlich Luft nach oben: Die Kursziele reichen von 20 bis 34 Euro, nur einer von sieben Experten rät zum Halten. Der politische Druck ist in diesen Bewertungen offenbar nur teilweise eingepreist.
Am Donnerstag treffen Spitzenvertreter von DGB und Mieterbund in Berlin Bundesjustizministerin Stefanie Hubig und wohnungspolitische Fachleute der Bundestagsfraktionen. Vonovia legt seinen Zwischenbericht am 4. November vor.
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