Vonovia Aktie: Goldman kappt Kursziel deutlich

Goldman Sachs stuft Vonovia zurück und reduziert das Kursziel. Höhere Zinsen, Berlin und ein schwächerer Wohnungsverkauf belasten.

Die Kernpunkte:
  • Goldman streicht Vonovia von Conviction List
  • Kursziel sinkt auf 21,20 Euro
  • Zinsanstieg belastet Immobilienbewertungen
  • Lüneburger Verkauf bleibt unter Angebot

Goldman Sachs zieht die Reißleine bei Vonovia. Die Investmentbank strich den Wohnimmobilienkonzern von ihrer „Conviction List“ und stufte die Aktie von „Buy“ auf „Neutral“ zurück. Das Kursziel sackte von 29,50 auf 21,20 Euro ab — ein Einschnitt, der zeigt, wie sehr sich das Zinsumfeld auf die Bewertung deutscher Wohnungskonzerne auswirkt.

Analyst Jonathan Kownator begründete den Schritt mit dem vorsichtigen Ton einer Branchenkonferenz vom vergangenen Donnerstag. Steigende Zinsen bremsten die Konzernstrategie, schrieb er, auch wenn für aussichtsreiche Projekte weiterhin genug Finanzierungsmittel bereitstünden.

Bemerkenswert: Operative Kennzahlen wie das Mietwachstum blieben laut Kownator solide. Seine lange gehaltene Kaufthese habe sich dennoch nicht ausgezahlt — auch weil die politische Unsicherheit in Berlin zusätzlichen Druck erzeugt.

Zinsen und Berlin als Belastungsfaktoren

Die Herabstufung reiht sich in ein Bild ein, das seit Wochen an der Aktie nagt. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen kletterte zuletzt auf ein Mehrjahreshoch, was Immobilienbewertungen grundsätzlich unattraktiver macht.

Parallel dazu sorgte der Verkauf von Wohnungen in Lüneburg für Stirnrunzeln: Statt der ursprünglich gebotenen 90 Millionen Euro flossen am Ende nur 55 Millionen Euro. Für viele Marktbeobachter ein Indiz dafür, dass Immobilienbewertungen im Bestand unter Druck geraten.

Hinzu kommt die Berlin-Wahl am 20. September. Vonovia hält in der Hauptstadt rund 138.000 Wohnungen im Wert von über 23 Milliarden Euro. Sollte das Thema Vergesellschaftung erneut politisches Gewicht bekommen, träfe das den Konzern an einer empfindlichen Stelle. Aktuelle Umfragen zeigen Zugewinne für „Die Linke“ — ein Umstand, der die Unsicherheit rund um den Immobilienbestand in der Hauptstadt zusätzlich befeuert.

Im XETRA-Handel gab die Vonovia-Aktie im Zuge der Herabstufung zeitweise um 1,67 Prozent nach.

Die kommenden Wochen dürften für Vonovia von zwei Terminen geprägt sein: der Berlin-Wahl am 20. September und der weiteren Entwicklung der Anleiherenditen. Beide Faktoren bestimmen, ob sich die Bewertungslücke zwischen operativer Stabilität und Kursverlauf schließt oder weiter vertieft.

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