Vonovia Aktie: Refinanzierung über 4,4 Milliarden Euro

Vonovia übertrifft im ersten Halbjahr die Erwartungen im Vermietungsgeschäft, senkt aber die Mietwachstumsprognose. Die Aktie erholt sich leicht.

Die Kernpunkte:
  • Vermietungs-EBITDA steigt um 3,5 Prozent
  • Prognose für 2026 bleibt bestehen
  • Mietwachstumsziel wegen Berliner Mietspiegel gesenkt
  • Aktie erholt sich nach anfänglichen Verlusten

Vonovia hat am Mittwoch seinen Halbjahresbericht 2026 vorgelegt – und die Zahlen zeigen ein Unternehmen, das sein Kerngeschäft trotz eines kleineren Portfolios stabil hält. Das bereinigte EBITDA im Vermietungsgeschäft stieg im ersten Halbjahr um 3,5 Prozent auf 1.268,6 Millionen Euro, obwohl der Bestand im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast 5.000 Wohnungen kleiner ausfiel. Das gesamte bereinigte EBITDA legte um 2,4 Prozent auf 1.456,5 Millionen Euro zu. Auf der Ergebnisseite bremsten jedoch höhere Finanzierungskosten: Das bereinigte EBT sank um 2,6 Prozent auf 962,3 Millionen Euro, das bereinigte Periodenergebnis für die Aktionäre lag bei 771,6 Millionen Euro.

Prognose bestätigt, Mietwachstum leicht gekappt

Für das Gesamtjahr 2026 hält der Bochumer Konzern an seiner Prognose für sämtliche Ertragskennzahlen fest, auch der Ausblick für 2028 bleibt unverändert. Konkret peilt Vonovia weiterhin ein Adjusted EBITDA Total von 2,95 bis 3,05 Milliarden Euro an, ein bereinigtes EBT zwischen 1,9 und 2,0 Milliarden Euro sowie ein bereinigtes Aktionärsergebnis von 1,4 bis 1,5 Milliarden Euro. Eine Korrektur gibt es beim organischen Mietwachstum: Hier rechnet der Konzern nun mit 20 Basispunkten weniger als bislang angenommen – Hauptgrund ist der Berliner Mietspiegel. Auf der Kapitalseite meldete Vonovia im ersten Halbjahr Verkäufe im Volumen von rund 700 Millionen Euro sowie eine Refinanzierung von etwa 4,4 Milliarden Euro mit einer durchschnittlichen Laufzeit von acht Jahren und einem Euro-Kupon von rund 3,2 Prozent.

Trotz der im Kerngeschäft besser als erwarteten Zahlen geriet die Aktie nach Veröffentlichung des Berichts zunächst unter Druck. Höhere Finanzierungskosten und ein schwächerer Gewinn je Aktie belasteten die Stimmung, obwohl das operative Bild solide war. Am Freitag schloss das Papier bei 21,07 Euro und legte damit 1,54 Prozent zu – ein Zeichen dafür, dass sich der Kurs von der ersten Reaktion wieder etwas erholt hat. Seit Jahresbeginn steht die Aktie jedoch weiterhin mit 14,14 Prozent im Minus, zum 52-Wochen-Hoch von 29,24 Euro aus dem August vergangenen Jahres fehlen fast 28 Prozent.

Politische Signale aus Berlin

Neben den Zahlen sorgte Vonovia-Chef Luka Mucic für Aufmerksamkeit mit Stellungnahmen zu politischen Weichenstellungen. Die im Koalitionsausschuss von CDU, CSU und SPD Anfang Juli vereinbarten Pläne für ein bundesgesetzliches Enteignungsverbot für Mietwohnungsbestände auf Landesebene bezeichnete Mucic als „wichtiges Signal“. Für den größten Wohnimmobilienkonzern Deutschlands, der zusammen mit der Tochtergesellschaft Deutsche Wohnen gut 138.000 Wohnungen allein in Berlin besitzt, ist das Thema von erheblicher Bedeutung. Auch die Pläne der Regierungskoalition zur Gründung einer Wohnungsbaugesellschaft für bezahlbares Wohnen begrüßte der Vonovia-Chef. Als Projektentwickler könne sich Vonovia dort mit seiner seriellen Kompetenz bewerben, so Mucic – der Konzern ist bereits am seriellen Wohnungsbauunternehmen Gropyus beteiligt.

Kritischere Töne kamen vom Mieterbund NRW, der den Kurs des Konzerns nach Vorlage der Halbjahreszahlen scharf kritisierte. Der Verband warnte vor intransparenten Verkäufen und rechtlich umstrittenen Mieterhöhungen und verwies darauf, dass Vonovia bereits zehntausende Wohnungen für mögliche Einzelverkäufe identifiziert habe.

Analysten bleiben mehrheitlich bei Kaufempfehlungen

Die DZ Bank senkte am Mittwoch ihren fairen Wert für Vonovia von 33 auf 31 Euro, beließ die Einstufung aber bei „Kaufen“. Analyst Karsten Oblinger begründete den Schritt mit gestiegenen Refinanzierungskosten und reduzierte seine Schätzungen leicht, sieht sie nun aber am unteren Ende der Managementprognosen. Deutsche Bank Research bestätigte am Donnerstag die Einstufung „Buy“ mit einem Kursziel von 26 Euro und wertete den Quartalsbericht als neutrales Ergebnis. Weitere Häuser äußerten sich ähnlich konstruktiv: JPMorgan bestätigte seine Einschätzung „Overweight“, Berenberg beließ es bei einer Kaufempfehlung mit Kursziel 34,50 Euro und verwies auf das robuste Vermietungsgeschäft als Stärke des Konzerns.

Die nächste Standortbestimmung folgt mit den Zahlen zum dritten Quartal, die für den 4. November angesetzt sind.

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