Vonovia Aktie: Rentals-EBITDA wächst trotz Verkäufe
Vonovia steigert das bereinigte EBITDA und senkt den Refinanzierungsbedarf für 2027, während die Aktie nahe dem 52-Wochen-Tief notiert.

- Rentals-EBITDA steigt trotz kleinerem Bestand
- Value-add legt um 28 Prozent zu
- Immobilienverkäufe stärken den Portfolio-Umbau
- Aktie bleibt deutlich unter Druck
Vonovia schafft es, sein Kerngeschäft auszubauen, obwohl der Konzern gleichzeitig Wohnungen verkauft. Im Rentals-Segment stieg das bereinigte EBITDA im ersten Halbjahr um 3,5 Prozent auf rund 1,27 Milliarden Euro – und das, obwohl dem Unternehmen rund 5.000 Einheiten weniger zur Verfügung standen als im Vorjahreszeitraum. Noch deutlicher fiel der Zuwachs im Bereich Value-add aus: Hier kletterte das bereinigte EBITDA um 28 Prozent auf mehr als 128 Millionen Euro.
Diese Zahlen stammen aus den vor rund einem Monat veröffentlichten Halbjahreszahlen, deren Kernaussagen seither weiter nachwirken. Der Portfoliowert des Konzerns stieg auf 81,8 Milliarden Euro, die Jahresziele für 2026 – ein bereinigtes EBITDA zwischen 2,95 und 3,05 Milliarden Euro sowie ein Vorsteuergewinn von 1,9 bis 2,0 Milliarden Euro – wurden bestätigt. Einzig das organische Mietwachstum musste Vonovia um 20 Basispunkte nach unten korrigieren, vor allem wegen des Berliner Mietspiegels.
Portfolio-Umbau und Bilanzentlastung
Der Konzern treibt parallel den Umbau seines Immobilienbestands voran. Im ersten Halbjahr realisierte Vonovia Verkäufe im Volumen von rund 700 Millionen Euro, darunter die Rückzahlung des Minderheitsanteils an Vesteda von etwa 200 Millionen Euro.
Am vergangenen Donnerstag kam mit dem Abschluss des Verkaufs von 975 Wohnungen in Lüneburg an Tristan Capital Partners ein weiteres Puzzleteil hinzu – für 55 Millionen Euro und damit deutlich unter dem ursprünglichen Angebotspreis von 90 Millionen Euro. Die Strategie dahinter ist klar erkennbar: Vonovia konzentriert sich zunehmend auf Metropolregionen und trennt sich von Randlagen.
Auf der Finanzierungsseite hat der Konzern spürbar vorgearbeitet. Bis zur Jahresmitte refinanzierte Vonovia rund 4,4 Milliarden Euro mit einer Laufzeit von acht Jahren und einem Kupon von 3,2 Prozent.
Die Finanzierungsaktivitäten für 2026 gelten damit im Wesentlichen als abgeschlossen, der Refinanzierungsbedarf für 2027 ist auf etwa 3 Milliarden Euro geschrumpft. Für ein Unternehmen, dessen Bewertung maßgeblich von Zinsniveau und Verschuldungsgrad abhängt, ist das ein strukturell wichtiger Fortschritt.
Kurs bleibt unter Druck
An der Börse hat all das dem Papier bislang wenig geholfen. Die Aktie schloss am Freitag bei 19,84 Euro und damit nur knapp über ihrem 52-Wochen-Tief von 19,53 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Kursrückgang von 19 Prozent zu Buche, auf Sicht von zwölf Monaten sind es 29 Prozent.
Der Titel notiert derzeit rund 14 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt von 23,10 Euro – ein Zeichen dafür, dass der mittelfristige Trend weiterhin nach unten zeigt, selbst wenn operative Kennzahlen wie das Rentals-Wachstum eigentlich Substanz zeigen.
Die Diskrepanz zwischen operativer Entwicklung und Kursverlauf bleibt damit das zentrale Spannungsfeld für Anleger. Während Vonovia auf Segmentebene wächst und seine Refinanzierung strukturell entschärft, bewertet der Markt den Titel weiterhin mit spürbarem Abschlag – ein Muster, das sich auch in den zuletzt stark divergierenden Kurszielen von Analysten widerspiegelt.
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