Vonovia Aktie: Vergesellschaftung liegt auf dem Tisch
Berliner Koalitionsgespräche behandeln mögliche Wohnungsvergellschaftung; rechtliche Hürden und ungeklärte Finanzierung lassen den Ausgang offen.

- Rund 160.000 Wohnungen im Gespräch
- Finanzierung einer Vergesellschaftung ungeklärt
- Bundesgesetz gegen Vergesellschaftungen angekündigt
- Vonovia-Aktie reagiert bislang kaum
In Berlin haben Linke, Grüne und SPD heute ihre Koalitionsverhandlungen aufgenommen. Auf dem Tisch liegt auch die Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände, von der Vonovia als größter deutscher Vermieter betroffen wäre. Die Aktie reagiert bislang gelassen.
Verhandlungen mit offenem Ausgang
Gut sechs Wochen nach der Abgeordnetenhauswahl beginnt die eigentliche Detailarbeit. Eine Dachgruppe mit Spitzenvertretern der drei Parteien tagte zum Auftakt, daneben sind Facharbeitsgruppen zu einzelnen Themen vorgesehen. Viele Detailfragen blieben schon in den Sondierungen offen. Wie lange die Gespräche dauern, ist nicht absehbar, ein Scheitern gilt als jederzeit möglich.
Berichten zufolge geht es um die Vergesellschaftung von rund 160.000 Wohnungen großer Konzerne. Dass der Kurs kaum auf die Nachricht reagiert, hat nachvollziehbare Gründe: Die Hürden sind hoch, und die Finanzierung ist ungeklärt.
Juristisch umstrittenes Terrain
Grundlage wäre Artikel 15 des Grundgesetzes. Er wurde bisher nie angewendet, entsprechend dünn ist die Rechtsprechung. Ein Potsdamer Rechtsprofessor hält eine Vergesellschaftung in Berlin für unverhältnismäßig und verweist auf mildere Mittel. Zudem schütze die Berliner Landesverfassung Eigentum weitreichender als das Grundgesetz und kenne kein Pendant zu Artikel 15.
Anders bewertete 2023 eine vom Senat eingesetzte Expertenkommission die Lage. Die Mehrheit der Fachleute hielt die Sozialisierung großer Wohnungsunternehmen grundsätzlich für zulässig, allerdings nur gegen angemessene Entschädigung. Orientiert sich das Bundesverfassungsgericht am Marktwert, kämen laut einem Kommissionsmitglied auf das Land vermutlich weitere zweistellige Milliardenbeträge zu.
Hinzu kommt der Bund. Innenminister Alexander Dobrindt hat ein Gesetz angekündigt, das Vergesellschaftungen erschweren soll. Das Land müsste demnach nachweisen, dass alle anderen Mittel ausgeschöpft sind. Befürworter halten den Vorstoß für verfassungswidrig. Landesrecht, Bundesgesetz und mögliche Verfassungsbeschwerden dürften den Streit letztlich nach Karlsruhe tragen. Bis zu einer endgültigen Klärung vergehen vermutlich mehrere Jahre.
Mietpolitik bleibt Dauerthema
Der politische Druck auf Vermieter wächst parallel. Die Linke meldet, dass mehr als 11.000 Haushalte über ihre „Mietwucher-App“ mutmaßlich überhöhte Mieten an Behörden gegeben haben. Allein in Berlin wurde die App rund 124.000 Mal genutzt.
Für Vonovia bleibt der Aktienkurs derweil unter Druck. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Minus von gut fünf Prozent zu Buche. Die acht zuletzt erfassten Analysten sehen Kursziele zwischen 23 und 26 Euro, das liegt deutlich über dem aktuellen Niveau. Die Dividende für 2026 beträgt 1,25 Euro je Aktie.
Konkret wird es erst, wenn ein Koalitionsvertrag vorliegt und klar ist, ob die Vergesellschaftung darin steht. Bis dahin bleibt der Bundesgesetzentwurf der zweite Fixpunkt.
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